Ratingagentur wertet Zypern drastisch ab

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Symbolbild

New York - Daumen nach unten für das kleine Krisenland Zypern - allerdings nur vorübergehend. Die Abstufung durch zwei der führenden Ratingagenturen ist letztlich ein technischer Schritt, der schon am Montag wieder aufgehoben werden soll.

Die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) haben die Bonität des Euro-Krisenlandes Zypern übergangsweise abgestuft. Wegen eines Tauschs zyprischer Staatsanleihen, der Bestandteil des Rettungspakets über insgesamt 10 Milliarden Euro ist, werde die Kreditwürdigkeit mit „begrenzter Zahlungsausfall“ (RD, Restricted Default) bewertet, teilte Fitch am Freitagabend mit. Vor dem Schritt war Zypern von Fitch mit „CCC“ bewertet worden, was eine Note über „D“ für kompletten Zahlungsausfall liegt. S&P wählte eine ähnliche Vorgehensweise.


Zypern hatte am Donnerstag begonnen, kurzlaufende Staatsanleihen im Wert von einer Milliarde Euro gegen längerlaufende Papiere umzutauschen. Weil Inhaber der Papiere deswegen länger auf die Rückzahlung ihres Geldes warten müssen, wird die Schlechterstellung der Gläubiger als teilweiser Zahlungsausfall gewertet. Wie Fitch mitteilte, seien nur die vom Tausch betroffenen Staatstitel auf die Note „D“ wie Zahlungsaufall reduziert worden. Andere Schuldtitel, die nach zyprischem Recht begeben wurden, würden unverändert mit „CCC“ bewertet. Schuldverschreibungen, die nach ausländischem Recht aufgelegt wurden, werden von Fitch mit „B-“ bewertet.

Dass es sich bei dem Vorgehen letztlich um einen technischen Schritt handelt, wird am weiteren Vorgehen Fitchs deutlich: Bei endgültigem Abschluss des Tauschs am kommenden Montag werde das Rating „RD“ wieder angehoben. Dann werde Zypern wieder eine Note im niedrigen spekulativen Bereich erhalten - so wie bislang auch. Auch S&P kündigte an, sein Rating wieder anzuheben.


Was machen Ratingagenturen eigentlich genau?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten und sind damit äußerst einflussreiche, aber auch umstrittene Akteure auf dem Finanzmarkt. © dpa
In ihr Urteil fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. © dapd
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Die Skala beginnt bei Standard & Poor's und Fitch etwa mit der Bestnote AAA (Englisch: “Triple A“). Moody's nutzt dieselben Bezeichnungen, schreibt sie aber anders (Aaa). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. © dpa
Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch “Ramsch“ (englisch: Junk) genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners, also die Pleite, eingetreten ist. Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller Regel über den Ausblick “positiv“, “stabil“ und “negativ“ an. © dpa
Je schlechter die Ratingagenturen die Bonität eines Schuldners beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. © dpa
Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern auch andere Investoren. Zuletzt haben Staaten aber trotz einer Herabstufung günstiger Geld bekommen. © dpa
Die Agenturen sind umstritten. Weil sie vor der Finanzkrise Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben. © dapd
In der Euro-Schuldenkrise gerieten sie wieder in die Kritik: Politiker warfen ihnen vor, die Bonität hoch verschuldeter Euro-Länder trotz milliardenschwerer Hilfspakete auf Ramschstatus abgewertet und damit die Krise weiter verschärft zu haben. © dpa

Die EZB gab unterdessen bekannt, zyprische Staatsanleihen vorübergehend nicht mehr als Sicherheit in ihrem Refinanzierungsgeschäft mit den Banken zu akzeptieren. Der EZB ist es verboten, Staatsanleihen im Falle eines sogenannten „Kreditereignisses“, zu dem auch ein begrenzter Zahlungsausfall zählt, als Sicherheit anzunehmen. Bis auf weiteres können die zyprischen Banken auf Notkredite der Zentralbank Zyperns zurückgreifen (ELA, Emergency Liquidity Assistance).

dpa

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