85-Millionen-Invest

MAN investiert in Standort München - 1500 Arbeitsplätze gesichert

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In der neuen Lackiererei, der modernsten und umweltfreundlichsten für Lkw in Europa, bekommen täglich bis zu 500 Fahrerhäuser ihre Grundlackierung. Im Dreischichtbetrieb arbeiten dort 60 Menschen

MAN investiert massiv in sein Münchner Werk. In der neuen Lackiererei läuft gerade der Betrieb hoch und auch das neue Entwicklungszentrum wird noch in diesem Jahr bezugsfertig.

München – Auf den ersten Blick: Viele Roboter, kaum Menschen. Tatsächlich arbeiten in der neuen Lackiererei von MAN im Werk München gerade einmal 20 Menschen auf 18 000 Quadratmetern. 60 sind es im Dreischichtbetrieb. Die fast menschenleere Halle soll die Zukunft der Arbeitsplätze im MAN-Stammwerk sichern?

Die Rechnung, die der MAN-Betriebsratsvorsitzende Saki Stimoniaris gestern bei der Eröffnung der Lackiererei aufmachte, geht erst im größeren Rahmen auf: „Über 1500 Arbeitsplätze am Standort werden durch die neue Lackiererei gesichert“, sagt er. Sie stelle für viele Jahre sicher, dass Fahrerhäuser auch in München gefertigt werden – was für Beschäftigung in der Produktion und in der Verwaltung sorge.

Auf der Baustelle des neuen Entwicklungszentrums: der Betriebsratsvorsitzende Saki Stimoniaris, MAN-Chef Joachim Drees und der Münchner Bürgermeister Josef Schmid.

Die Lackierung selbst ist dagegen in der gesamten Automobilindustrie auch aus Qualitätsgründen ein weitgehend automatisierter Prozess geworden: Im KTL-Bad ziehen die aus verzinkten Blechen gefertigten Kabinen den Lack durch elektrische Ladung an. Dadurch wird das Blech praktisch lückenlos geschützt. Die KTL-Schicht widersteht dem Zahn der Zeit für Jahrzehnte – weitaus länger und besser als Lack, den Menschen früher mit Spritzpistolen aufsprühten.

85 Millionen Euro: Ein deutliches Bekenntnis zu München

Vor allem die Investition von 85 Millionen Euro in diese Lackiererei ist ein sichtbares Bekenntnis des Unternehmens zum Standort München: „Während der Bauphase spiegelte sie mit all den Kränen und Gerüsten die Aufbruchsstimmung und die Zukunftsorientierung unseres Unternehmens wider“, sagte MAN-Chef Joachim Drees.

Dieses Signal war für die Mitarbeiter besonders wichtig, weil man dem Werk sonst überall ansieht, dass in den letzten Jahrzehnten nur auf Sparflamme investiert wurde.

Markanter Bau am Rand der Autobahn: Fußgänger müssen auf den Weg zum MAN-Entwicklungszentrum die Lkw-Teststrecke per Brücke überqueren.

Um reines Kostensparen ging es bei der Lackiererei nicht: Eine ebenerdige Halle auf der grünen Wiese wäre weitaus billiger zu haben gewesen. MAN entschied sich für einen teuren mehrstöckigen Bau, der auch der Flächenknappheit in der Millionenmetropole Rechnung trägt. Darauf wies bei der Eröffnung Münchens Zweiter Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) hin. So könne die Münchner Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Industrie erhalten werden, betonte er.

Auch konsequenter Umweltschutz reduziert Konflikte zwischen Industrie und Wohnbebauung. Die Zahlen sprechen für sich: 90 Prozent weniger Partikel in der Abluft, 80 Prozent weniger Wasserverbrauch, 15 Prozent weniger Lackverbrauch und bis zu 25 Prozent weniger Energieverbrauch sind die ökologischen Rahmendaten der neuen Lackiererei. Dennoch leistet sie mehr als die alte: 500 Fahrerhäuser können hier täglich ihre Lackschicht erhalten – doppelt so viele wie bisher.

Das plant MAN in Zukunft

Noch mehr Geld, 90 Millionen Euro, investiert MAN in das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum, das von der A 99 aus am äußersten Westrand des Werksgeländes bereits zu sehen ist. Früher drehten dort auf der Teststrecke Lkw und Busse ihre Runden, nun umkreisen sie das Gebäude für Zukunftstechnologien. Darin entstehen die Prototypen künftiger Fahrzeuggenerationen. Auch hier ging es in die Höhe. So kann die mit 24 Metern Länge und 15 Tonnen Traglast mit Abstand größte Aufzugkabine Münchens große Lkw und Busse bis in den fünften Stock bringen. Insgesamt werden hier 100 Werker und 360 Ingenieure auf engstem Raum gemeinsam an der Zukunft der Nutzfahrzeuge arbeiten. Ein Prüfstand für elektrische Nutzfahrzeuge soll den Technologiewandel beschleunigen. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Büros bezogen werden.

Das sind nur die größten Einzel-Projekte am Standort München, an dem sich die Investitionen zwischen 2015 und 2020 auf 1,1 Milliarden Euro summieren. 1,3 Milliarden Euro fließen gleichzeitig in andere Standorte: Im Nürnberger Werk für Nutzfahrzeug-Motoren wird die Motoren-Montage für 100 Millionen Euro ausgebaut.

Die gesamten Investitionen in die MAN-Werke sind für den Betriebsrat Saki Stimoniaris ein Zeichen, dass die ausgehandelte Beschäftigungssicherung bis mindestens 2025 nicht nur Papier ist. „Wo investiert wird, gibt es Zukunft“, sagte er.

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