Sparkassen-Chef

Konsequenz aus Steueraffäre: Fahrenschon verhandelt über seinen Rückzug

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Georg Fahrenschon war von 2008 bis 2011 Bayerns Finanzminister.

Der Sparkassen-Präsident und Ex-CSU-Minister Georg Fahrenschon muss offenbar seinen Stuhl räumen - er stürzt offenbar über die Steueraffäre. Der Niedersachse Mang gilt als Favorit für seine Nachfolge.

München/Hannover – Eine der spannendsten Intrigen dieser Tage endet mit dem Sturz des Sparkassen-Präsidenten. Der Oberbayer Georg Fahrenschon, einst in Bayern für die CSU Finanzminister, zieht sich nach Informationen des „Handelsblatts“ von seinem Posten zurück. Nach seiner Steueraffäre verhandele er über die Modalitäten eines geordneten Rückzugs – er gehe nicht sofort, aber bald.

Eine offizielle Bestätigung gab es am Abend nicht. Zuvor hatten die einflussreichen Vertreter der elf Sparkassen-Regionalverbände in Hannover über Fahrenschon beraten. Der 49-Jährige gilt wegen des zu lange verheimlichten Strafbefehls wegen Steuerhinterziehung als nicht mehr tragbar in der Finanzgruppe. Von einem „Vertrauensbruch“ ist dort die Rede.

Fahrenschon hatte seit seine Steuererklärungen der Jahre 2012 bis 2014 viel zu spät abgegeben – so viel ist bisher bekannt. Die Justiz wertet das als Steuerhinterziehung, immerhin müsste einem Ex-Finanzminister die Abgabepflicht für Steuererklärungen bekannt sein. Fahrenschon selbst sieht darin nur eine „Riesendummheit“. Offenbar versuchte der frühere CSU-Politiker, den Strafbefehl bis zu seiner Wiederwahl als Sparkassenpräsident, geplant für vergangenen Mittwoch, geheim zu halten. Einen Tag davor landete die Nachricht aber auf unbekannten Wegen prominent in der Zeitung. Die Sparkassenvertreter verschoben die Wahl verärgert.

Wer hat die Strafsache ausgeplaudert?

Die Herkunft der Indiskretion wird wohl nie geklärt. Bestimmte Minister in Bayern werden routinemäßig von Strafsachen gegen Prominente informiert. Und mit seinem plötzlichen Abgang aus der Politik zum in Millionennähe bezahlten Sparkassenjob hatte sich Fahrenschon im November 2011 in der CSU Feinde gemacht. Ministerpräsident Horst Seehofer war damals verärgert, von Fahrenschons Rückzug zuerst aus den Medien zu erfahren, dann mit einer SMS abgefertigt zu werden. Gierig sei der Ex-Politiker, wird noch heute gelästert. Ebenso wahrscheinlich ist allerdings, dass Fahrenschon im eigenen Sparkassenverband, wo er in erheblichem Umfang Gegner hat, über einen Maulwurf gestolpert ist. Seine Karriere im Verband und Gedankenspiele über eine Rückkehr in die Politik sind nun sicher für lange Zeit beendet.

Fahrenschon habe das eingesehen, berichtet das „Handelsblatt“. Es gebe einen Favoriten für die Nachfolge – aus den Reihen der Regionalverbände. Der niedersächsische Sparkassenpräsident Thomas Mang (57) wird als Favorit genannt. Er ist bisher Fahrenschons Stellvertreter und parteilos. Der gebürtige Bremer verbrachte sein bisheriges Arbeitsleben komplett in der Sparkassen-Familie. Laut „FAZ“ soll Fahrenschon sein Amt – gewählt ist er bis Mai 2018 – zudem möglichst schnell ruhen lassen.

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