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Interview zur Impf-Debatte

Aiwangers Impfskepsis „verwundert“ Wirtschaft: IHK-Chef „appelliert dringend“ an Söder-Vize

IHK-Präsident Klaus Josef Lutz
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Klaus Josef Lutz ist Präsident der IHK für München und Oberbayern und Vorstandsvorsitzender des international tätigen Agrarkonzerns Baywa.
  • Corinna Maier
    VonCorinna Maier
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Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zeigt sich als Impfkritiker. Dabei fürchten die Betriebe einen weiteren möglichen Lockdown — und brauchen ihre Schlagkraft zurück, sagt Klaus Josef Lutz.

München - In der bayerischen Wirtschaft wächst der Unmut. Seit Monaten richtet sich alle Hoffnung in Betrieben und Wirtschaftsforschungsinstituten im Kampf gegen Corona auf eine möglichst flächendeckende Impfung der Bevölkerung. Nun kommen Störfeuer ausgerechnet aus dem Wirtschaftsministerium. Minister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigt sich zunehmend impfkritisch. Wie das in den Unternehmen im Freistaat ankommt, darüber sprachen wir mit dem IHK-Präsidenten Klaus Josef Lutz.

Münchner Merkur: Bayerns Betriebe haben sich sehr fürs Impfen engagiert. Nun zeigt sich ausgerechnet der bayerische Wirtschaftsminister impfskeptisch. Wie finden Sie das?
Klaus Josef Lutz: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass wir und die bayerische Staatsregierung eine phänomenale Anstrengung unternommen haben – und die Impfbereitschaft in den Betrieben dann auch überwältigend war. 
Doch viele befürchten Nebenwirkungen.
Mittlerweile wurden weltweit 4,1 Milliarden Impfungen durchgeführt. Die Wirksamkeit ist unstrittig, die Nebenwirkungen nach allem, was die Medizin weiß, überschaubar. 
Das sieht Minister Aiwanger wohl anders.
Wenn sich der bayerische Wirtschaftsminister als Privatperson nicht impfen lassen möchte, dann ist das seine Sache und geht niemanden etwas an. Wenn er aber in seiner Funktion als Minister Dinge sagt, wie, er warte auf einen besseren Impfstoff oder womöglich würden die aktuellen Impfstoffe später negativer bewertet, dann hat das eine andere Qualität. Das ist schon problematisch, wenn Herr Aiwanger so etwas als Mitglied der bayerischen Staatsregierung sagt, die ja insgesamt eine erfolgreiche Impfkampagne führt. Wir als IHK und wir als Unternehmer können die Aussagen von Herrn Aiwanger in seiner Funktion nicht unterstützen. Ich appelliere ganz dringend an ihn, seine Haltung zu überdenken – und dann möglichst zu ändern. 
Kennen Sie einen Firmenchef, der sich vor seine Mitarbeiter stellt und denen erklärt, dass Impfen schon irgendwie wichtig ist, er selbst sich aber lieber nicht impfen lässt?
Nein. Ein Firmenchef muss ein Vorbild sein, genauso wie ein Minister. Gerade jetzt, wo die Impfbereitschaft in der Bevölkerung nachlässt, wäre das umso wichtiger.
Fürchten Sie einen weiteren Lockdown?
Den gilt es unbedingt zu verhindern. Wir sind insgesamt – einzelne Branchen ausgenommen – bislang gut durch die Krise gekommen. Dahinter stecken freilich gewaltige staatliche Hilfsprogramme. Das kann ja keine Dauerlösung sein. Wir müssen als Wirtschaft wieder volle Schlagkraft zurückgewinnen. Dazu müssen die Mitarbeiter gesund bleiben – ich denke da auch an Long Covid. Und wir müssen unsere Dependancen im Ausland besuchen können und umgekehrt Geschäftsleute aus dem Ausland hier empfangen, kurzum: Wir müssen als Exportnation handlungsfähig sein. Das geht ohne Impfungen nicht. 
Sie klingen verärgert.
Sagen wir verwundert. Wenn aus der Staatsregierung zu so einer wichtigen Frage so unterschiedliche Aussagen kommen, hat das eine sehr negative öffentliche Wirkung. Eine überzeugende Politik zur Eindämmung der Corona-Krise ist es jedenfalls nicht.

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