Hersteller: Lebensmittel werden teurer

Berlin - Die Verbraucher müssen sich beim Lebensmittel-Einkauf auf höhere Preise einstellen. Die Hersteller begründen den Schritt mit den gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Personal.

„Zwischen drei und vier Prozent“ müssten die Preise in diesem Jahr steigen, sagte Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE), dem „Tagesspiegel“ (Montag). Damit reagiere die Branche auf die anhaltend hohen Rohstoffpreise und steigende Personal- und Energiekosten. Verhindere der Handel mit seiner starken Marktmacht Preiserhöhungen, gerieten die Unternehmen mit ihrer Leistungs- und Innovationsfähigkeit ans Ende.


Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, nahm die Verbraucher in die Pflicht: Sie sollten ihre Einstellung zu Ernährung und Lebensmitteln überdenken. „Alles hat seinen Preis. Auch gute Lebensmittel. Gerade bei Essen und Trinken verfahren viele nach dem Motto 'Geiz ist geil'“, erklärte Möllenberg am Sonntag. Die immer wieder in der Kritik stehende industrielle Lebensmittelproduktion und die Massentierhaltung seien eine direkte Folge der von den deutschen Kunden geforderten niedrigen Preise.

Achtung: Das sind die Mogelpackungen

Fruchtkonfekt Erdbeer-Rhabarber (Alnatura), Kritik: Tatsächlich nur ca. 0,1 g Rhabarber in einem Stück Konfekt (11,4 g). Mit Datteln gestreckt. Aufmachung lässt höheren Rhabarberanteil vermuten. Positiv: Keine Farbstoffe oder Aromen. Name „Rhabarber“ fast doppelt so groß wie die Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Milch-Snack Schoko-Haselnuss (Ehrmann), Kritik: Tatsächlich nur 0,5 g Haselnussmark und 0,7 g Kakaopulver statt Schokolade in einem Becher (100 g). Aufmachung und Aromazusatz lassen höheren Haselnuss- und Schokoladenanteil vermuten. Name „Schoko Haselnuss“ deutlich besser lesbar. © Verbraucherzentrale Hamburg
Bio-Milchbrei Erdbeere (Hipp), Kritik: Tatsächlich nur 0,45 g Erdbeerflocken und Erdbeerextrakt in einer Portion (180 g) Milchbrei. Aufmachung und der Zusatz von Rote-Beete-Pulver als Farbstoff lassen höheren Erdbeeranteil vermuten. Name „Erdbeere“ mehr als 8-mal größer als Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Schlummerbrei mit Pfirsich und Haferflocken (Humana), Kritik: Tatsächlich nur 0,4 g Pfirsichsaftpulver in einer Portion Milchbrei (200 g). Aufmachung und der Zusatz von „Natürliches Aroma“ lassen höheren Pfirsichanteil vermuten. Name „Pfirsich“ fast doppelt so groß wie die Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Gebratene Nudeln mit Rindfleisch (Knorr), Kritik: Tatsächlich nur 0,62 g Rindfleisch in einer Portion(62g). Aufmachung, Aroma und geschmacksverstärkendes Hefeextrakt lassen höheren Rindfleischanteil vermuten. Name 7-mal größer als Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Müsli Knusper-Karamell (Kölln), Kritik: Tatsächlich nur 0,2 g Karamellsirup in einer Portion (40 g) Müsli. Aufmachung, Aroma- und Farbstoffzusatz lassen höheren Karamellanteil vermuten. Name „Karamell“ fast 10-mal größer als Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Gefüllt Alpenmilch-Schokolade (Milka), Kritik: Tatsächlich nur 0,045 g Erdbeeren in einer Portion Schokolade (25 g). Aufmachung und Aromenzusatz lassen höheren Erdbeeranteil vermuten. Name „Erdbeer“ mehr als 4-mal größer als Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Milchreis Schoko-Reis (Müller), Kritik: Tatsächlich nur 2,2 g Kakao/Schokolade in einem Becher (200 g) Milchreis. Aufmachung und Aromazusatz lassen höheren Schokoladenanteil vermuten. Name „Schoko“ doppelt so groß wie Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Pfirsich-Maracuja-Joghurt-Schokolade (Ritter Sport), Kritik: Tatsächlich nur 0,2 g Pfirsiche in einer Portion Schokolade (25 g). Aufmachung und der Zusatz von „Natürliche Aromen“ lassen höheren Pfirsichanteil vermuten. Name fast 3-mal größer als Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Hühnersuppe mit Nudeln (Tip), Kritik: Tatsächlich nur 0,023 g Hühnerfleisch in einer Portion Hühnersuppe (250 ml) plus unbekannte Minimenge Hühnerfett. Aroma und Geschmacksverstärker (Würze, Hefeextraktetc.) statt Geschmack vom Huhn. Name „Hühnersuppe“ 6-mal größer als Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Banana Milch-Drink (MMW Molkerei), Kritik: Tatsächlich nur 0,25 ml Bananensaftkonzentrat in einem Glas (250 ml). Bananengeschmack und -aussehen fast nur durch Farbstoffe und Aromen. Name „Banana“ fast 8-mal größer als Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg
Frucht-Buttermilch (Milram), Kritik: Tatsächlich nur 2 g Bananenpüree in einem Glas (250 g) Buttermilch. Mit Apfelsaft gestreckt und mit Pflanzen- und Fruchtkonzentraten gefärbt. Aufmachung und Aromazusatz lassen höheren Fruchtanteilvermuten. Schriftgröße: Name „Banane“ 4 mal größer als die Schrift in Zutatenliste. © Verbraucherzentrale Hamburg

Es sei eine Legende, dass Supermarktkunden nur an billigen Preisen interessiert seien, sagte dagegen Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, der Nachrichtenagentur dpa. „Sie sind auch bereit für Qualität zu zahlen. Allerdings müssen sie dann auch erkennen, ob ein Lebensmittel besser ist als das andere.“ Informationen etwa zur Tierhaltung seien völlig unzureichend. Die Produktion werde teurer, wenn zum Beispiel bessere Rohstoffe fürs Futter verwendet würden. Angesichts vieler anderer Faktoren bedeute dies aber noch lange nicht, dass auch Produkte im Regal dadurch erheblich teurer werden müssten. Bode forderte auch stärkere Konsequenzen aus Lebensmittelskandalen wie um Dioxin in Tierfutter.

Unterdessen sprach sich Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) gegen eine Zucker- und Fettsteuer aus. „Ich will den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen sollen. Eine Strafsteuer für vermeintlich ungesunde Lebensmittel wird es mit mir nicht geben“, sagte Aigner der „Bild“-Zeitung (Montag). Zwar hätten einzelne EU-Staaten solche Steuern eingeführt, dies sei aber aus ihrer Sicht Augenwischerei. „In Wirklichkeit geht es bei solchen Strafsteuern nicht darum, dass die Menschen schlanker werden, sondern dass die Staatskasse voller wird.“

Die Internationale Grüne Woche in Berlin (20. bis 29. Januar) ist die weltgrößte Schau der Land- und Ernährungswirtschaft sowie des Gartenbaus. Zur 77. Auflage kommen laut Veranstalter mehr als 1600 Anbieter aus knapp 60 Ländern, in den vergangenen Jahren kamen jeweils mehr als 400 000 Besucher.

dpa

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