In Berlin

Geheimtreffen: Autobosse treffen US-Botschafter - wohl überraschende Wende in Zollstreit

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Daimler AG-Chef Dieter Zetsche.

Deutschlands Autoindustrie versucht, die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Strafzölle auf Autos aus der EU noch abzuwenden.

Update vom 4. Juli 2018 - 22.12 Uhr:

Wie das Handelsblatt berichtet, hat der US-Botschafter Richard Grenell bei dem Geheimtreffen am Mittwoch in der amerikanischen Botschaft in Berlin ein gutes Angebot vorgestellt. Er sei von Washington beauftragt, eine Lösung mit Brüssel und Berlin im Streit über die Autozölle zu suchen.

Laut Handelsblatt habe Grenell den Top-Managern mitgeteilt, dass Washington zu einer Null-Lösung bereit sei. Will heißen: Dass sowohl Europa, als auch die USA auf Autozölle verzichten. Das soll aus Teilnehmerkreisen bekannt geworden sein. Eine Einigung kann aber nur dann erfolgen, wenn ein breiteres Industriezollabkommen zwischen Europa und den USA geschlossen würde - so wollen es die Regeln der WTO. Frankreich ist derzeit noch gegen ein solches Abkommen. Doch eine überraschende Kehrtwende im Handelsstreit ist dieses Lösungsangebot allemal.

Gespräch zwischen US-Botschafter und deutschen Top-Managern der Autoindustrie

Washington - Am frühen Mittwochabend treffe sich die "Top-Riege der deutschen Automanager" mit US-Botschafter Richard Grenell, wie das "Handelsblatt" berichtete. "Für uns ist es wichtig im Gespräch zu bleiben", zitierte die Zeitung Branchenkreise. "Solange es die Zölle nicht gibt, versuchen wir alles, damit das auch so bleibt. Es lohnt sich zu kämpfen."

Bereits am 6. Juni gab es ein Gespräch zwischen Grenell und führenden Automanagern am Rande einer Vorstandsitzung des Verbands der Automobilwirtschaft (VDA), berichtete das "Handelsblatt". Dieses Mal sei die Runde mit dem Botschafter deutlich kleiner. Nur eine "Handvoll" Manager spreche am Mittwoch den Branchenkreisen zufolge mit Grenell. Darunter seien Volkswagen-Chef Herbert Diess, Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Chef Harald Krüger und VDA-Präsident Bernhard Mattes.

Die Manager wollen laut Bericht dem Vertrauten Trumps erneut darlegen, dass ein eskalierender Handelsstreit niemandem nutzen würde. Nach den bereits geltenden Zöllen auf Stahl und Aluminium hat Trump der EU mit Einfuhrzöllen auf Autos und Autoteile von 20 Prozent gedroht. Das würde deutsche Hersteller hart treffen. Sie führten im vergangenen Jahr Autos im Wert von 20 Milliarden Dollar in die USA aus.

Lesen Sie auch: Trump droht Harley-Davidson erneut wegen Flucht vor Zöllen

AfP/sdm

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