Trotz Hoffnungsschimmer

Fluglinie Germania ist insolvent und stellt den Betrieb ein

Gestrandet: Reisende, die mit der insolventen Germania fliegen wollten, warten im Flughafen Tegel ab, wie es weitergeht. Foto: Paul Zinken
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Gestrandet: Reisende, die mit der insolventen Germania fliegen wollten, warten im Flughafen Tegel ab, wie es weitergeht. Foto: Paul Zinken
Ausgeflogen: Auf einer Informationstafel am Berliner Flughafen Tegel sind zwei Flüge der Germania gestrichen. Foto: Paul Zinken
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Ausgeflogen: Auf einer Informationstafel am Berliner Flughafen Tegel sind zwei Flüge der Germania gestrichen. Foto: Paul Zinken
"Fly nonstop. Fly Germania" - damit ist es vorerst vorbei. Foto: Guido Kirchner
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"Fly nonstop. Fly Germania" - damit ist es vorerst vorbei. Foto: Guido Kirchner
Hier wird es noch ruhiger werden: Von der Germania-Pleite ist auch der Bremer "Airport Hans Koschnick" betroffen. Foto: Jörg Sarbach
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Hier wird es noch ruhiger werden: Von der Germania-Pleite ist auch der Bremer "Airport Hans Koschnick" betroffen. Foto: Jörg Sarbach
Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Foto: Christoph Schmidt
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Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Foto: Christoph Schmidt

Wieder trifft es eine Berliner Fluggesellschaft. Germania beantragt Insolvenz. Die Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Berlin (dpa) - Aus für Germania: Die Berliner Airline hat ihren Flugbetrieb eingestellt und einen Insolvenzantrag gestellt.

Betroffen sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH, wie das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag mitteilte.

Auf deutsche Flughäfen wirkt sich das Ganze unterschiedlich aus - vor allem kleinere Airports sind zum Teil massiv betroffen. Deutsche Airlines boten Germania-Passagieren, die sich im Ausland befinden, verbilligte Tickets für die Rückflüge an.

Nach den Worten von Germania-Geschäftsführer Karsten Balke war es nicht gelungen, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. "Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb", erklärte Balke laut Mitteilung.

Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter.

Die derzeitige Zahl der Beschäftigten bei der Germania Fluggesellschaft nannte das Unternehmen in der Mitteilung nicht. In einem Jahresabschluss-Bericht zum Geschäftsjahr 2016 waren 954 Mitarbeiter aufgeführt. Momentan sollen es noch mehr als 1000 sein.

Laut Germania wurde der Insolvenzantrag am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg gestellt. Das Gericht bestätigte bis zum späten Dienstagvormittag den Eingang zunächst nicht und verwies auf eine Webseite der Länder zu Insolvenzbekanntmachungen. Dort war bis zum Mittag kein Eintrag zu finden.

Auf den deutschen Flughäfen bot sich ein unterschiedliches Bild. Stark betroffen war zum Beispiel der Flughafen Rostock-Laage. "Von den knapp 296.000 Passagieren im vergangenen Jahr flogen 46 Prozent mit Germania", sagte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Flughäfen Erfurt und Friedrichshafen sind stark betroffen.

Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt.

Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer "außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte".

Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe sollte auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehört haben. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen, betonte aber noch am Montag: "Der Flugbetrieb verläuft stabil." In der Nacht folgte dann die Mitteilung der Insolvenz.

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.

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