Geldregen für Italien und Spanien

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Italien und Spanien sammelten am Donnerstag mehr als 20 Milliarden Euro frisches Geld ein.

Rom - Aufatmen in Italien und Spanien: Wichtige Sorgenkinder der EU können sich wieder problemlos Geld besorgen - und das zu deutlich besseren Konditionen. Verliert die Euro-Schuldenkrise an Sprengkraft?

Die angeschlagenen Euro-Länder Italien und Spanien haben den ersten Härtetest am Anleihemarkt im neuen Jahr klar bestanden. Beide Länder sammelten am Donnerstag mehr als 20 Milliarden Euro frisches Geld ein und müssen dafür deutlich weniger Zinsen zahlen als in den Wochen und Monaten zuvor.


Händler werteten dies als Bestätigung des positiven Trends an den sogenannten Sekundärmärkten, wo bereits ausgegebene Anleihen gehandelt werden. Dort waren die Renditen zuletzt wieder gefallen, nachdem sie im vergangenen Jahr drastisch gestiegen waren - auf ein Niveau, das Experten nicht für langfristig erträglich halten. “Die heutigen Auktionen sind sowohl hinsichtlich der Nachfrage als auch in Bezug auf die Finanzierungskosten extrem positiv zu bewerten“, kommentierten die Anleihe-Experten der Großbank UniCredit.

Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Schuldenkrise dürften allerdings angesichts der bislang ungelösten Haushaltsprobleme in Ländern wie Italien und Griechenland verfrüht sein. Besonders für Italien war die Kapitalaufnahme am Donnerstag zudem erst der Auftakt: Das hoch verschuldete Land muss sich allein in diesem Jahr mehr als 300 Milliarden Euro frisches Geld beschaffen, um auslaufende Schulden zurückzahlen zu können.


Bereits an diesem Freitag geht es dort mit einer weiteren Versteigerung von Anleihen weiter. Spaniens Schuldensituation ist zwar deutlich entspannter als in Italien. Wegen großer Probleme im heimischen Bankensektor gilt das Land aber ebenfalls als gefährdet.

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

Insgesamt nahm Italien die angepeilten 12 Milliarden Euro durch Papiere mit einer Laufzeit von einem halben und einem ganzen Jahr auf, teilte das italienische Finanzministerium in Rom mit. Damit wurde der Zielwert erreicht. Mit einer einjährigen Anleihe wurden 8,5 Milliarden Euro aufgenommen. Die Rendite lag mit 2,735 Prozent so niedrig wie seit Juni nicht mehr. Am 12. Dezember hatte die Rendite bei einer vergleichbaren Auktion noch bei 5,952 Prozent gelegen. Italien verkaufte zudem Anleihen mit einer Laufzeit von einem halben Jahr im Wert von 3,5 Milliarden Euro. Die Rendite lag hier bei 1,644 Prozent.

Besonders Spanien überzeugte: Mit einer Auktion von drei Staatstiteln mittelfristiger Laufzeit sammelte der Staat 10 Milliarden Euro ein, doppelt so viel wie geplant. Die Anleihen laufen drei, vier und fünf Jahre. Bei der dreijährigen Anleihe sank die Rendite kräftig von 5,187 Prozent im Dezember auf 3,384 Prozent. Auch die Renditen der anderen beiden Titel mit Fälligkeit 2015 und 2016 gaben deutlich nach.

Auch an den Sekundärmärkten setzte sich die positive Tendenz der vergangenen Tage fort. In vielen Euro-Ländern gaben die Renditen deutlich nach - Indiz für nachlassendes Misstrauen der Investoren. Am stärksten waren die Rückgänge in Italien, Irland und Belgien. Aber auch in Spanien, Portugal, Österreich und Frankreich setzte sich die Erholung fort.

An der Börse lösten die erfolgreichen Anleiheauktionen Kursgewinne aus. “Die Wirkung der Eurokrise nimmt langsam ab“, sagte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank. “Die Heilung der Eurokrise ist mit Hilfe der EZB auf dem Weg. Spekulanten können gegen die Währungshüter niemals anstinken.“

dpa

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