Belegschaft in Sorge

Job-Beben bei BMW: Tausende Arbeitsplätze in akuter Gefahr

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BMW-Chef Oliver Zipse kündigte den Mitarbeitern am Freitag Umstrukturierungen im Konzern an.
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BMW ist nach den Umstrukturierungen unter Druck: Gerüchte über einen drastischen Stellenabbau kursieren. Der Autobauer reagiert. Eine Analyse.

Update vom 27. November 2019: Die deutsche Autoindustrie steht vor dem Scheideweg: Nachdem Audi einen massiven Stellenabbau angekündigt hatte, ergreift auch Premiumkonkurrent BMW Sparmaßnahmen. Die Münchner setzen jedoch an einem anderen Hebel an.

Update vom 25. November 2019: Eine neue Entwicklung sorgt für Freude bei BMW: Die bayerische Staatsregierung will die Autowirtschaft in Bayern mit mehreren hundert Millionen Euro fördern. Bei der Bekanntgabe der Pläne gab es auf dem Podium allerdings auch Kritik am Münchner Autobauer. Anlass war der angedachte Stellenabbau, wie Merkur.de* berichtet.

Update vom 4. Oktober 2019: Nun dringen weitere geplante Schritte der BMW-Führung an die Öffentlichkeit: Offenbar ist geplant, Einschnitte auch bei Arbeitszeit und Gehalt von tausenden hochqualifizierten Mitarbeitern vorzunehmen. Der Betriebsrat hat Widerstand angekündigt.

Job-Beben bei BMW? Zipse äußerte sich

Update vom 27. September 2019: Auf einer Betriebsversammlung hat BMW-Chef Oliver Zipse zumindest ein wenig über die Veränderungen aufgeklärt. Zipse erklärte: „In diesem und im nächsten Jahr wollen wir den Personalstand auf dem heutigen Niveau halten.“ Dennoch soll es im Konzern Umstrukturierungen geben. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur und bezieht sich auf Stimmen aus dem Kreis der Teilnehmer: Es sollen Stellen in der Verwaltung abgebaut, dafür in Zukunftsfeldern weitere geschaffen werden. 

Demnach können sich die 10.000 Leiharbeiter, die aktuell im Konzern tätig sind, nur wenige Hoffnungen machen, dass Sie eine Festanstellung beim Automobilhersteller erhalten.

Manfred Schoch, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, betonte, Unternehmen und Betriebsrat müssten gemeinsam solidarische Lösungen finden. „Ich habe das Gefühl, dass Oliver Zipse diesen Weg gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat gehen möchte“, sagte Schoch.

Wie die dpa weiter berichtet, könnte es bei den Angestellten zu Einschnitten bei der Erfolgsbeteiligung kommen. Die Jahresprämien, die zum Teil mehr als 10.000 Euro betragen, seien im Vergleich zur Konkurrenz sehr hoch. Die Höhe könnte künftig am Unternehmenserfolg und nicht mehr an der Dividende bemessen werden. Außerdem plant der BMW-Vorstand offenbar, mehr auf 35-Stunden- und weniger auf 40-Stunden-Verträge zu setzen.

Beben bei BMW: Tausende Jobs in Gefahr - radikale Änderungen stehen an

Update vom 20. September 2019, 12:05 Uhr: München - Den Angestellten von BMW könnte ein Stellenabbau drohen. Einem Bericht des Manager Magazins zufolge plant das Unternehmen in Deutschland bis 2022 zwischen 5000 und 6000 Arbeitsplätze zu streichen. Der Plan soll offenbar im Dezember öffentlich bekannt gegeben werden.

Das Unternehmen dementierte zwar bereits gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Den Informationen des Blattes zufolge sieht die aktuelle BMW-Bilanz jedoch nicht allzu gut aus. Die tz* analysiert die Krise:

BMW steht vor großen Veränderungen - die Analyse

Ein solcher Marathon hat Seltenheitswert. Zwei Tage lang tagte bei BMW der Aufsichtsrat. Der erfolgsverwöhnte Autokonzern musste in den letzten Jahren zu viele Niederlagen einstecken. Zwei Vorstandsposten besetzten die Kontrolleure am Mittwoch bereits neu. Im Zentrum der Sitzung aber stand die Suche nach einer Strategie für die Zukunft. 

Wie kann der Autokonzern wieder in die Erfolgsspur zurückfinden? Wie kann er Mobilität der Zukunft mitgestalten? Mit welchen Antriebsformen, mit welchem Design wird die Marke wieder profitabler? Muss man sich neue Partner suchen? Antworten auf diese Fragen gab es am Donnerstag nicht aus dem 21. Stock des Vierzylinder-Gebäudes am Petuelring. Doch sie werden schmerzhaft sein - nicht zuletzt für die Beschäftigten. Der Konzern steht vor einschneidenden Veränderungen. 

Video: Merkel nimmt die Autobranche in die Pflicht

BMW: Viele Wechsel ganz oben - Angst vor Jobabbau unten

Ein neuer Chef, zwei weitere neue Köpfe im Vorstand. Das ist in anderen Unternehmen nicht ungewöhnlich. Bei BMW ist eine Rochade dieses Ausmaßes selten.

Oliver Zipse (55) übernahm im August das Amt des Vorstandschefs von  Harald Krüger. Dass der Ex-Boss auf der Kippe stand, war seit der Bilanzpressekonferenz im März klar: Die Frage nach seiner Zukunft blieb unbeantwortet. Der damalige Produktionsvorstand Zipse war Favorit für die Nachfolge. 

Oliver Zipse, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG, steht auf der IAA am Stand des Autoherstellers BMW bei einer Pressekonferenz neben zwei neuen Automodellen vom Typ BMW iNext (l) und und BMW mNext.

Ilka  Horstmeier (50) gehört seit Langem zu den großen Talenten, die BMW immer in der zweiten Reihe hält. Zuletzt war sie Werkleiterin in Dingolfing. Jetzt ist sie zur Nachfolgerin von Arbeitsdirektorin Milagros Caiña-Andree gekürt worden. Nun ist sie im Vorstand fürs Personal verantwortlich. 

Milan Nedeljkovic (50) war Leiter der Werke Leipzig und München und zuletzt fürs Qualitätsmanagement verantwortlich. Auch er war für den nächsten Karriere-sprung gesetzt. Nun ist er im Vorstand für Produktion zuständig. Der Abschied von drei weiteren Vorstandsmitgliedern steht bald an. 

Klaus Fröhlich ist Entwicklungsvorstand und war neben Zipse der heißeste Kandidat für die Spitzenposition. Er erreicht 2020 die BMW-Altersgrenze von 60 Jahren. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er verlängern will. Einkaufsvorstand Andreas Wendt ist bereits 61. Auch sein Abschied ist absehbar. Sicher ist, dass der derzeit für Elektromobilität zuständige Peter Schwarzenbauer sich im Oktober verabschiedet. Sein Posten wird nicht mehr besetzt. 

Für die Belegschaft kein Zeichen der Hoffnung. Ein Sparkurs beschränkt sich selten auf Top-Positionen. Belegschaft in Sorge: Betriebsbedingte Kündigungen sind zwar noch bis 2025 ausgeschlossen - Stellenabbau geht aber auch anders: Neueinstellungen oder Übernahmen werden über  längere Zeit Seltenheitswert haben. Und Leiharbeitnehmer sowie die bei BMW tätigen Beschäftigten von Dienstleistern genießen gar keinen Schutz. Tausende Jobs werden wegfallen

BMW glänzt mit perfekter Produktion: Die größte Stärke

BMW hat nach wie vor große Stärken. Bei der Organisation der Produktion ist der Münchner Konzern nach wie vor Weltmaßstab. Das war aber nicht immer so. Noch um 2005 galt Toyota als großes Vorbild der ganzen Branche. Seit BMW es jedoch schafft, völlig unterschiedliche Modelle hintereinander problemlos an einem Band zu montieren, richten sich die neidvollen Blicke nach München. Denn es ist auch wirklich der vom Kunden bestellte Motor im Auto. Türen und Motorhauben passen zur Karosserie. Derzeit wird die Perfektion auf die Spitze getrieben.

In allen Werken sollen alle Motoren verbaut werden. Elektro, Hybrid, Benzin und Diesel. Es ist kein Zufall, dass von den letzten fünf BMW-Chefs fünf vorher für die Produktion verantwortlich waren. Die zweite große Stärke ist Forschung und Entwicklung. Über 26 000 Mitarbeiter entwerfen im FIZ, dem Forschungs- und Entwicklungszentrum, einem  riesigen Gebäudekomplex auf einem früheren Kasernenareal an der Knorrstraße in Milbertshofen, neue Modelle oder sie forschen an Technologien der Zukunft.

Dazu kommen Beschäftigte von Zulieferern. Die Projekte, an denen sie arbeiten, werden vielleicht erst in zehn oder 20 Jahren gebaut. Selbst die Feinheiten der Produktion neuer Autos werden hier im sogenannten Pilotwerk ausgetüftelt.

Was in die Krise führte - und wie BMW herausfinden könnte

Die Krise kam nicht auf einen Schlag. Seit 2018 häufen sich Alarmzeichen: BMW konnte nicht verhindern, dass Mercedes die umkämpfte Spitzenposition im Premiumsegment zurückeroberte. Die Rendite, wichtigstes Zeichen für den Unternehmenserfolg, brach ein. BMW muss sich gegenüber der EU wegen peinlicher Absprachen mit Konkurrenten beim Thema Abgasreinigung verantworten. 

Was hat BMW unter der Führung von Harald Krüger, Vorstandschef von 2015 bis 2019, falsch gemacht? Vorgänger Norbert Reithofer hatte einen strategischen Schwenk ausgelöst. BMW sollte hochwertig und sportlich bleiben, aber auch nachhaltig und sparsam sein. Das ist geglückt. Die neue Submarke i provozierte und erschreckte Traditionalisten. Aber weckte Interesse bei Menschen, die BMW vorher nie erreicht hatte. 

Als Reithofer ging, folgte auf den elektrischen i3 und den sparsam-sportlichen i8 - nichts. Kein superkompakter i1, kein familienfreunlicher i5. Studien kreisten nur ums Design: Das Innenleben  - beim i3 noch im Mittelpunkt - blieb im Dunkeln. Elektroantriebe gibt es noch, doch den neuen Modellen sieht man sie nicht mehr an. Sie verstecken sich unter dem alten Blechkleid. Und bei der Entwicklung zum irgendwann einmal fahrerlosen Auto gab es zwar Fortschritte. Doch davon erfuhren Außenstehende wenig. 

Fazit: BMW unter Harald Krüger stand weit weniger im Zentrum von Kontroversen als BMW unter Norbert Reithofer. Das war wohl Absicht, aber auch ein Fehler. Wer immer vermeidet anzuecken, wird irgendwann auch nicht mehr wahrgenommen. Das ist die größte Herausforderung: BMW muss sein Profil schärfen. Es reicht nicht, dass 26.000 Forscher und Entwickler an der Zukunft des Autos arbeiten - sie müssen auch darüber reden.

Individuelle Mobilität ist in die Kritik geraten. Wer sie erhalten will, muss in dieser Diskussion Stellung beziehen und um Konzepte ringen - bei denen Autofahrer  und der Erhalt der Lebensgrundlagen zusammenpassen.

Martin Prem

BMW: Gerüchte über massiven Stellenabbau - Konzern wiegelt ab

Erstmeldung vom 20. September 2019: Wie das Manager Magazin berichtet, sollen viele Stellen in der Verwaltung, die in den nächsten Jahren frei werden, nicht nachbesetzt werden. Falls diese Informationen stimmen sollten, könnte der Stellenabbau zumindest sozialverträglich durchgeführt werden. Denn eine Sache steht fest, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet: Laut einer Vereinbarung, die das Unternehmen mit den Mitarbeitern getroffen habe, dürfe es keine betriebsbedingten Kündigungen geben, solange es Gewinne erwirtschafte. 

Stellenabbau bei BMW - Autobauer bezieht Stellung

Gegenüber der SZ hat ein Konzernsprecher die Gerüchte allerdings dementiert. Er erklärte: „Es gibt keinen Abbauplan.“ Man wolle den aktuellen Stand von gut 130.000 Mitarbeitern halten.

2018 hatte BMW einen Umsatz von 98 Milliarden Euro erwirtschaftet, war dabei aber in der operativen Marge hinter der eigenen Zielvorgabe geblieben. Derzeit sehe die Bilanz des Autobauers deutlich schlechter aus, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

BMW: So könnten Stellen eingespart werden

Bereits derzeit läuft BMW ein Sparprogramm, an das sich auch der im August neu ins Amt getretene Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse halten muss. Es sieht vor, dass in der Verwaltung und in der Fabrik Personal eingespart werden soll. Über Regelungen zur Altersteilzeit und Verrentung werden jährlich offenbar 4000 Stellen frei. Das könnte Potenzial bieten, um den kolportierten Stellenabbau tatsächlich durchführen zu können.

Video: Vom Trainee zum CEO: Neuer BMW-Chef Oliver Zipse im Portrait

Dem Tourismus-Riesen Thomas Cook droht ebenfalls die baldige Pleite: Der britische Konzern hat aktuell nur noch eine letzte Hoffnung, um den Bankrott doch noch abzuwenden.

BMW ist nach den Umstrukturierungen unter Druck: Gerüchte über einen drastischen Stellenabbau kursieren. Der Autobauer reagiert - eine Analyse. Einen ungewöhnlichen Weg geht hingegen ein Münchner Auto-Startup - ohne Großinvestoren soll ein Solar-Mobil auf die Straßen kommen

dg

*Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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