Virtuelle Währung boomt

Was passiert, wenn die Bitcoin-Blase platzt?

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An Geldautomaten kann man mittlerweile sogar echtes Bargeld in die digitale Währung Bitcoins umtauschen.

Der Bitcoin-Kurs hat sich seit Jahresbeginn verzehnfacht! Wer vor fünf Jahren 1000 Euro investiert hat, ist heute Millionär. Was ist, wenn das Konstrukt einstürzt? Die Gefahren der Kryptowährung.

Berlin – Ärger! Warum besitze ich keine Bitcoins?, fragt sich so mancher Anleger. Alleine von Dienstag auf Mittwoch stieg der Kurs der Internetwährung um rund 1000 Euro oder etwa zehn Prozent. Wer vor fünf Jahren 1000 Euro in Bitcoin investiert hat, hat heute gar zwei Millionen auf dem Konto. Diese Preissteigerung deutet auf eine Spekulationsblase hin, die ebenso schnell wieder platzen kann. Eine Frage ist nun: Wie gefährlich ist das für die übrige Wirtschaft und die Finanzmärkte, die ganz überwiegend nichts mit Bitcoins zu tun haben?

Bitcoins sind eine virtuelle Währung, die in extrem leistungsfähigen Computern von Privatleuten erzeugt wird. Ohne dass eine Zentralbank oder Geschäftsbanken daran beteiligt sein müssen, kann man damit vor allem im Internet einkaufen. Weil alle Transaktionen zwischen den Teilnehmern gleichzeitig verschlüsselt auf sehr vielen Rechnern abgelegt werden, gelten Bitcoins als relativ fälschungssicher.

Virtuelle Währung: Taugen Bitcoins als Geldanlage?

Bitcoins in Höhe von 170 Mrd. Euro auf dem Weltmarkt unterwegs

Bisher ist der Einfluss der Digital- oder Kryptowährung auf die konventionelle Wirtschaft, die mit staatlich legitimiertem Geld läuft, sehr gering. Der wesentliche Grund: Derzeit sind nur Bitcoins im Wert von etwa 170 Milliarden Euro auf dem Weltmarkt unterwegs. Alleine die Geldmenge in den Euro-Staaten beträgt dagegen etwa 12.000 Milliarden Euro. Der Wert der Bitcoins sei deshalb eine „zu vernachlässigende Größe“, sagt Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Bundesbank, sieht es genauso: Als „quantitativ unbedeutend“ beschreibt er die Bitcoins. Im Vergleich zur konventionellen Wirtschaft handelt es sich um eine sehr kleine Nische.

Zur Zahl der Arbeitsplätze, die mit der Bitcoin-Ökonomie verbunden sind, gibt es bisher keine verlässlichen Zahlen. Meist sind es kleine Firmen oder kleine Teams in großen Unternehmen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Eine insgesamt stark steigende Arbeitslosigkeit aufgrund eines Crash’ der Kryptowährung erwarten Experten deshalb nicht.

Rudolf Hickel, ehemaliger Wirtschaftsprofessor der Universität Bremen, erkennt trotzdem eine potenzielle Gefahr. „Sie könnte darin bestehen, dass Investoren den Hebel ansetzen.“ Er meint damit: Konventionelle Geldinstitute könnten auf die Idee kommen, Wertpapiere aufzulegen, mit denen man auf die Wertentwicklung der Bitcoins wetten kann. Beispielsweise könnten Privatanleger Milliarden Euro darauf setzen, dass der Kurs der Kryptowährung steigt. Tut er das nicht, ist das investierte Kapital verloren. Und dieser Verlust realen Kapitals in Euro oder Dollar könnte die Weltwirtschaft durchaus negativ beeinflussen. „Wenn Derivate auf Bitcoins aufbauen, kann es gefährlich werden“, sagt auch DIW-Forscherin Schäfer.

Freilich fügt sie hinzu: „Bis heute existiert kein nennenswerter Derivatemarkt auf Bitcoins.“ Vielleicht muss man sagen: noch nicht. Denn die US-Bank JP Morgan hat offenbar die Absicht, sogenannte Futures für den Bitcoin-Kurs anzubieten, also Wetten auf die künftige Wertentwicklung. Ähnliches plant wohl auch die US-Börse CME aus Chicago. 

Banken interessieren sich längst für Kryptowährungen

In den vergangenen Jahren begannen traditionelle Banken und Zentralbanken, sich für die Kryptowährungen zu interessieren. Sie betrachten sie als Gefahr für ihr Geschäftsmodell. Denn wer braucht noch Bankkonten für Euro oder Dollar, wenn man neue Währungen quasi selbst machen und zwischen privaten Computer hin- und herschicken kann? Viele konventionelle Geldinstitute wollen deshalb in das neue Marktsegment einsteigen. Tun sie es, während die staatliche Regulierung noch fehlt, kann es im Krisenfall zur Ansteckung der konventionellen Ökonomie kommen.

Sehr forsch ist die Notenbank von Japan: Als bisher einzige Zentralbank hat sie Bitcoin als Zahlungsmittel anerkannt. Möglicherweise ist das erst der Anfang. Neben Bitcoin soll es mehrere hundert weiterer Kryptowährungen geben, sie derzeit Spekulanten anlocken.

Die Digitalwährung Bitcoin, die gerade mega im Trend liegt, wurde 2008 von einem Programmierer unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto erfunden. Aber welcher geniale Kopf wirklich hinter dem anonymen Erfinder steht, weiß kein Mensch. Kürzlich wurde sogar behauptet, dass es sich in Wahrheit um Technik-Pionier Elon Musk handeln soll.

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