Bayerischer Staatspreis für Andreas Aicher und Christoph Kupka von der Firma Hörl

"Schulische Leistung ist nicht alles, das Menschliche zählt"

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Mit dem Bayerischen Staatspreis geehrt: Andreas Aicher (links) und Christoph Kupka. In der Mitte ihr Ausbildungsbetreuer Martin Gnadl.

Laufen - „Ausbildung ist heute ein Muss“, sagt Geschäftsführer Franz Praxenthaler. Wer gute Leute haben will, muss solche ausbilden. Die Laufener Firma Hörl Kunststofftechnik tut das - und zwar sehr erfolgreich!

Mit dem Kirchanschöringer Andreas Aicher und dem Tettenhausener Christoph Kupka hat der 200-Mann-Betrieb neuerlich zwei Staatspreisträger in seinen Reihen. Will heißen: Beide schlossen ihre Ausbildung mit der Note 1,5 oder besser ab.

Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuk nennt sich der Ausbildungsgang, den Andreas mit Note 1,4 und Christoph mit 1,1 abgeschlossen haben. Für beide war es nicht die erste Ausbildung. Andreas hatte zunächst Zweiradmechaniker gelernt. „In der Schule war ich ziemlich faul“, gesteht er, erst später habe er erkannt, dass er etwas ändern müsse, hat bei Hörl angeklopft und dort ein halbes Jahr als Produktionshelfer gearbeitet, bevor er die Ausbildung startete. „Was besseres hätte mir nicht passieren können“, sagt er heute darüber.

"Born to be a Spritzgussteil"

Christoph hat nach dem Quali Bau- und Kunstglaser gelernt, hat dann zwei Jahre in Montage und Kundendienst gearbeitet, ehe er sich bei Hörl bewarb. Nicht unbeteiligt daran war seine Freundin, die in der „Mutterfirma“ Rosenberger arbeitet. Zunächst hatte er innerhalb der Firma eher an die Fachrichtung Werkzeugbau gedacht, dann aber sei er fasziniert gewesen von der Verfahrenstechnik.

Maschinen rüsten, Material wählen, einstellen, überwachen. Dass beide Erstmuster für die Produktion fertigen, ist ein zusätzlicher Vertrauensbeweis. „Wenn die okay sind, geht es in Serie“, erklärt Christoph. Vier bis fünf Millionen Teile fertigt die Firma Tag für Tag. Hörl produziert vorwiegend für die Auto- und die Elektronikindustrie. Steckverbinder aus Kunststoff in jeder Form und Größe; und das in einer Präzision von tausendstel Millimeter. Das Wachstum scheint ungebremst. „Heuer werden es wohl 15 bis 20 Prozent sein“, kalkuliert Franz Praxenthaler, daher sei die Firma stets auf der Suche nach Nachwuchs und wirbt in den umliegenden Schulen für ihre drei Ausbildungswege.

„Fürchterlich stolz“ sei er auf die beiden Lehrlinge, gesteht der Geschäftsführer, beide zeichneten auch hauptverantwortlich für den professionell erstellten und zurecht gelobten Film „Born to be a Spritzgussteil“. Die Firma will zukünftig allen Azubis nach dem ersten Lehrjahr ein gemeinsames Projekt ermöglichen, worin sich jeder – eine Woche losgelöst von der Arbeit – einbringen kann.

"Schulische Leistung ist nicht alles, das Menschliche zählt"

„Es macht Spaß mit jungen Leuten zu arbeiten“, sagt ihr Betreuer Martin Gnadl, selber gerade mal 30 Jahre jung. Auch für den gelernten Koch war es der zweite Start bei Hörl. „Man bleibt an den schulischen Themen dran und so fit im Kopf“, sagt er lächelnd. Gnadl würdigt, dass die Lehrlinge in der Firma fest in die Produktion eingebunden sind. „Ein junger Betrieb mit einem guten Klima“, urteilt der Laufener über den Laufener Betrieb. Das wissen auch die beiden erfolgreichen Absolventen zu schätzen. „Bei uns gibt es kein Sie“, betont Christoph, „und jeder kann mit seinem Anliegen zu den Chefs kommen; die Bürotüre ist immer offen.“ Christoph fotografiert und reist gerne. Demnächst geht es in das Land der Fußballhelden, nach Island. Fußball liebt auch Andreas. Ansonsten ist er nicht festgelegt. „Alles ausprobieren“, sagt er über seine Freizeitaktivitäten.

Bei der theoretischen Prüfung sei er schon nervös gewesen, gesteht Andreas, in den praktischen Teilen kaum, denn das sei ja das „tägliche Brot“. Und hier habe man mit Martin Gnadl einen Praktiker an der Seite, den man immer fragen könne. „Die Zeit ist wirklich schnell vergangen“, wertet Christoph in seiner Rückschau. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Martin darüber. Bei allem Stolz auf die Leistungen seiner Azubis, ist Praxenthaler doch eines wichtig: „Schulische Leistung ist nicht alles, das Menschliche zählt.“

Pressemitteilung Hörl Kunststofftechnik GmbH & Co. KG

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