Nokia gegen die Androiden-Legion

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Der Mobile World Congress in Barcelona.

Barcelona - Die Dominanz der Google-Betriebssystems Androids auf der Mobilfunk-Messe in Spanien ist überwältigend. Da Apple den Mobile World Congress meidet, lag es an Nokia, der Androiden-Armee entgegenzutreten.

Google ist der König der Mobilfunk-Welt beim Mobile World Congress in Barcelona. Handy-Hersteller wie Samsung, Sony, HTC oder chinesische Anbieter wie ZTE überboten sich auf dem wichtigsten Branchentreff gegenseitig mit neuen Geräten - und fast alle laufen mit dem Google-Betriebssystem Android. Ist der Marsch der Androiden noch aufzuhalten?

Jeden Tag werden aktuell 850 000 neue Android-Geräte aktiviert, verkündete Google zum Messestart am Montag. Im Quartal käme Google damit auf über 77 Millionen Android-Smartphones und Tablets, während Apple im vergangenen Winterquartal 37 Millionen iPhones und 15 Millionen iPads absetzen konnte.

Apple ist in Barcelona traditionell nicht vertreten, so stellte sich am Montag allein Handy-Weltmarktführer Nokia der Android-Lawine in den Weg. Die Finnen präsentierten eine Super-Handykamera mit 41-Megapixel-Chip und ein Smartphone mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone für weniger als 200 Euro. Der schwächelnde Handy-Riese steht bei seiner Rückkehr in die Spitzenliga aber erst am Anfang: Rund sechs Wochen dauerte es, bis eine Million der neuen Lumia-Smartphones verkauft wurde. Die Android-Hersteller brauchen dafür mit ihrer geballten Kraft nur gut einen Tag.

Rund jedes zweite im vergangenen Jahr verkaufte Smartphone lief mit Android. Hersteller und Netzbetreiber mögen das System: Sie können es nach Belieben anpassen und müssen an Google keine Lizenzgebühren zahlen. Der Internet-Konzern setzt darauf, dass er auf jeden Fall davon profitieren wird, wenn mehr Menschen unterwegs online sind.

Doch das Leben in der Android-Welt hat auch seine Schattenseiten. Die Patentauseinandersetzung mit immer neuen Klagen von Rivalen wie Apple oder Microsoft ist nur eine davon. Auch sind mit der Geräte-Vielfalt parallel mehrere unterschiedliche Android-Versionen im Umlauf, was Nutzern und Software-Entwicklern das Leben schwer macht.

Ein Nebeneffekt der Android-Dominanz ist zudem, dass die Geräte verschiedener Hersteller weitgehend gleich aussehen: Alle haben große berührungsempfindliche Bildschirme, eine ähnliche Benutzer-Oberfläche, die gleichen Bedienelemente. Wie kann sich da ein Anbieter von den anderen abheben? Die Antwort in Barcelona scheint ein neues Wettrüsten beider Hardware zu sein: Nach der Devise „Schneller, flacher, größer“ überbieten sich die Hersteller in Barcelona mit Vierkern-Chips, riesigen Touchscreens, Megapixel-Kameras und geben mit jedem gesparten Millimeter an.

Nicht nur die Großen hat das Superlative-Fieber erfasst: Selbst der chinesische Hersteller Huawei, der mehr als Netzwerkausrüster bekannt ist, verspricht das schnellste Smartphone der Welt - natürlich mit Android unter der Haube.

Einen Wettlauf liefern sich die Anbieter auch um die Pole Position bei der nächsten Datenfunk-Generation LTE. So wollen den kommenden Monaten wollen LG und HTC auch in Deutschland Smartphones mit dem UMTS-Nachfolger anbieten. HTC wolle auch in Deutschland in Führung gehen, sagte André Lönne, Deutschland-Chef von HTC, der dpa in Barcelona. In den USA habe HTC das weltweit erste LTE-Gerät mit dem US-Provider Verizon auf den Markt gebracht. Michael Wilmes von LG kündigte LTE-Smartphones für Deutschland im zweiten Quartal an.

Über den LTE-Standard können Daten bis zu 35 Mal schneller als mit UMTS gesendet werden - allerdings sind die Netze erst noch im Aufbau und die ersten Geräte entpuppten sich als Stromfresser mit kurzen Batterielaufzeiten. Das soll jedoch schnell besser werden, versprechen die Hersteller.

# dpa-Notizblock

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