Die Hornisse, das unbekannte Wesen!

Rosenheim - Hornissen sind weit weniger gefährlich und scheuer als man denkt! Hier erfahren Sie alles über Hornissen und was Sie bei dem Umgang mit den kleinen Tieren beachten sollten.

Wer kennt sie nicht, die schwarz gelb gezeichneten Riesen, die einen mit ihrem Gebrumme und ihrer Größe in Angst und Schrecken versetzen können, wenn Sie an schönen Sommertagen die Ruhe auf dem Balkon oder der Terrasse stören. Dabei sind die Hornissen friedliebende Tiere, die an der Kaffeetafel des Menschen nicht interessiert sind. Sie sind neugierig, flüchten aber im Regelfall vor dem Menschen.

Wie alle Wespenstaaten ist auch der Hornissenstaat einjährig. Nur die im Herbst begatteten Jungköniginnen überwintern, alle anderen Mitglieder des Staates, auch die alte Königin, sterben Ende Oktober, Anfang November ab. Mitte Mai verlassen die Jungköniginnen ihre Winterquartiere, um sich auf die Suche nach einer geeigneten Stätte für eine Nistmöglichkeit zu machen. Das Nest wird aus fein zerkautem, eingespeicheltem Holz gebaut. Bis die ersten Arbeiterinnen etwa vier Wochen nach Nestgründung schlüpfen, muss die Königin sämtliche anfallenden Arbeiten (Nestbau, Nestreinigung, Nahrungsbeschaffung, Brutpflege) alleine bewältigen. Sobald die Arbeiterinnen diese Tätigkeiten übernehmen, kann sie sich ganz ihrer Hauptaufgabe, der Eiablage, widmen. Ab dem Spätsommer schlüpfen fast nur noch „Geschlechtstiere“, Drohnen (Männchen) und begattungsfähige Weibchen, die sog. Jungköniginnen. Im Gegensatz zu den Jungköniginnen sind die Arbeiterinnen nicht fortpflanzungsfähig. Während dieser Zeit erreicht die Insassenzahl des Hornissennestes ihren Höhepunkt mit durchschnittlich 200 bis 300 Tieren. Ein großer Staat kann, unter günstigen Entwicklungsbedingungen bis zu 600 Tiere beherbergen.

Solch ein starkes Volk verfüttert täglich bis zu einem Pfund Insekten an seine Brut, darunter auch viele Schadinsekten und große wehrhafte Arten. Dadurch greift die Hornisse regulierend in das Artgefüge der Natur ein und erfüllt damit eine wichtige Aufgabe. Ausgewachsene Hornissen ernähren sich übrigens rein „vegetarisch“ von Fallobst, Nektar und Baumsäften.

Im Laufe des Oktobers nimmt die Individuenstärke des Staates ab, da sich die Jungköniginnen und die Drohnen zu ihrem Hochzeitsflug aufmachen. Mit der Begattung der Jungköniginnen durch die Drohnen hat das Hornissenvolk das Ziel der Arterhaltung erfüllt und geht natürlicherweise Ende Oktober / Anfang November ein. Die Jungköniginnen suchen sich in dieser Zeit geeignete Winterquartiere. Diese liegen stets außerhalb des alten Nestes, z. B. unter morschem Holz, Rinde oder in der Erde. Überleben die Jungköniginnen den Winter, kann im Frühjahr mit einer neuen Nestgründung der Lebenskreislauf des Hornissenvolkes geschlossen werden.

Wie aggressiv sind Hornissen gegenüber Mensch und Tier? Außerhalb des Nestbereiches sind Hornissen äußerst friedliche Tiere, die niemals angriffslustig, sondern mit großer Fluchtbereitschaft reagieren. Hornissen reagieren auch nicht auf süße Speisen und Getränke oder Fleisch. Eine Belästigung beim Frühstück im Garten oder am Kaffeetisch durch Hornissen ist also nicht zu befürchten. Natürlich kommen sie immer wieder recht nah an den Menschen, weil sie neugierig sind. Zu Stichen kommt es allenfalls, wenn die Tiere festgehalten und gedrückt werden. Dies kann unter Umständen passieren, wenn sich eine Hornisse in der Kleidung verfängt und man dann nach ihr schlägt.

Da Hornissen auch noch in der Dämmerung aktiv sind und ausfliegen, können Sie sich in eine Wohnung verfliegen, angelockt durch eine dortige Lichtquelle. Auch in dieser Situation reagieren Hornissen allerdings prinzipiell friedlich. Das Problem löst sich meist von selbst, wenn das Licht gelöscht ist. Die Hornissen werden dann nicht mehr von der künstlichen Lichtquelle irritiert können sich wieder orientieren. Ansonsten lassen sie sich problemlos z. B. mit Hilfe einer Zeitung aus dem offenen Fenster hinausmanövrieren. Innerhalb des Nestbereiches, also innerhalb eines Bereiches von etwa 4 m um das Nest herum verteidigen Hornissen ihre Königin und die Nachkommenschaft. Sie reagieren auf Störungen mit Anfliegen, Umkreisen und auch Stechen des Störenfrieds. Insbesondere folgende Verhaltensweisen sollten daher im Bereich eines Hornissennestes unterlassen werden: heftige, schnelle Bewegungen, längeres Verstellen der Flugbahn, Erschütterungen des Nestes sowie Manipulation am Nest oder Flugloch. Ebenso sollte auf den Einsatz von Motormähern in der unmittelbaren Umgebung von Hornissennestern verzichtet werden, da sich Hornissen durch den Lärm gestört fühlen. Sollte es zu Attacken kommen, lassen sich durch einen unverzüglichen, ruhigen Rückzug Stiche vermeiden. Für gesunde Menschen ist ein Hornissenstich zwar lästig, aber nicht gefährlich. Selbst nach zahlreichen Stichen sind keine Vergiftungen mit evtl. tödlichem Ausgang zu erwarten. Zu kritischen Reaktionen kann es nur dann kommen, wenn Menschen auf bestimmte, in den Mischgiften enthaltene Einweißkörper stark allergisch reagieren oder der Stich in den Rachen erfolgt. Hier ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich.

Die massive Verfolgung der Hornisse sowie die zunehmenden Zerstörungen ihrer bevorzugten Lebensräume haben in der Vergangenheit in vielen Teilen Mitteleuropas zu starken Rückgängen ihres Bestandes geführt. So steht die Hornisse seit 1984 auf der „Roten Liste“ der bedrohten Tierarten und ist gesetzlich geschützt. Selbst eine Umsiedelung bedarf einer Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde. Die Schutzvorschriften verbieten, wildlebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen, Nist-, Brut-, Boden-, oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.

Ausnahmegenehmigungen erteilt in begründeten Fällen die Naturschutzbehörde der Stadt Rosenheim, Königstraße 15, 83022 Rosenheim (Frau Thuspaß Telefon: 08031 – 365-1869, Herr Detsch Telefon: 08031 – 365-1860, Herr König Telefon: 08031 – 365-1643). Dort gibt es auch Informationsmaterial sowie Merkblätter mit Tipps zum Umgang mit den Hornissen.

Pressemitteilung Stadt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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