Die Wahrheit übers Lügen

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Das berühmteste Sinnbild für einen Lügner: Bei Pinocchio wird die Nase lang, wenn er die Unwahrheit sagt

Regensburg - Die Uni Bayreuth wird Karl-Theodor zu Guttenberg heute als "wissenschaftlichen Lügner" abstrafen. Abschreiben ist Lügen. Wie schlimm ist Lügen? Kann man ohne Lügen leben?

Die Wahrheit ist einer unserer höchsten Werte, trotzdem haben Lügen Hochkonjunktur: Börsen-Spekulanten manipulieren die Kurse mit gezielt gestreuten Gerüchten, Politiker „entlarven“ ihre Gegner als Lügenbolde, die Ehefrau sagt dem Ehemann, die neuen Klamotten seien gar nicht so teuer gewesen ... Das Paradoxe: Der kreative Umgang mit der Wahrheit wird nicht immer geächtet oder bestraft. Bei Politikern im Speziellen wird er sogar in Maßen erwartet, sagen Lügen-Forscher.


Wir fragten genauer nach und stießen dabei auf einige interessante Wahrheiten übers Lügen:

 


Wir haben täglich eine Lüge auf den Lippen

Früher hieß es, dass jeder Mensch 200-mal am Tag lüge. Ganz so schlimm ist nicht. Nach den neuesten Untersuchungen von Dr. Helmut Lukesch, Psychologie-Professor an der Uni Regensburg, entschlüpfen jedem von uns durchschnittlich nur zwei Lügen pro Tag. Lukesch: „Es sind nur kleine Täuschungen, wie die Frau, die mit Feinkosttüten durch die Stadt spaziert, aber beim Discounter einkauft. Je gravierender eine Lüge ist, desto seltener kommt sie vor.“

 

Lügen will gelernt sein

Die Fähigkeit zur Täuschung wurde uns von der Evolution in die Wiege gelegt, trotzdem muss das Lügen oder vielmehr das dazu nötige Einfühlungsvermögen erlernt werden. Kinder sind erst mit fünf oder sechs Jahren in der Lage, eine Lüge glaubhaft zu erzählen.

 

Lügen ist eine Wissenschaft

Der österreichische Psychologe und Soziologe Professor Dr. phil. Peter Stiegnitz (72) hat für die wissenschaftliche Erforschung der menschlichen Lügen den Begriff Mentiologie geprägt. Er definiert Lüge als bewusste Abwendung von der Wirklichkeit, wobei die Grenze zum unmoralischen Verhalten (d. h. die bewusste Absicht, jemandem zu schaden) nicht immer überschritten werden muss.

 

Lüge ist nicht gleich Lüge

Grundsätzlich ist Lügen in unserer Gesellschaft verpönt. Professor Lukesch: „Auf der moralischen Ebene ist die Unwahrheit eines der schlimmsten Dinge.“ Nicht jede Lüge wird aber als gleich verwerflich angesehen:

Die soziale Lüge dient dem Wohl des Belogenen („Du siehst nicht dick aus“) oder der Harmonie in einer Gruppe („Am Sonntag bin ich schon verplant. Ich schaff’s nicht zum Familientreffen“). Sie ist gesellschaftlich gelitten.

Die Notlüge bewahrt uns vor zwischenmenschlichem Schaden („Natürlich habe ich die Besorgung nicht vergessen, ich hab sie nur jetzt nicht dabei“) oder vor einem finanziellen Nachteil („Verzugsszinsen? Den Betrag habe ich doch längst überwiesen. Ich frag mal bei der Bank nach.“). Notlügen werden in Einzelfällen akzeptiert, wenn sie nicht auf Kosten anderer gehen.

Keine Pardon gibt es für die gemeine oder verbrecherische Lüge, denn sie schädigt andere Menschen massiv, um dem Lügner einen Vorteil zu verschaffen (z. B. Betrug mit dem Enkel-Trick: „Hallo Tante Herta, ich bin’s doch, dein Enkel. Leihst du mir Geld?“).

 

Lügen kann strafbar sein

Wer jemand anderen mit falschen Behauptungen verleumdet oder vor Gericht oder bei Behörden lügt, macht sich strafbar. Je nach Tatbestand drohen mehrjährige Freiheits- oder Geldstrafen.

 

Männer und Frauen sind sich beim Lügen ebenbürtig

Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK halten sich 69,5 Prozent der Frauen, aber nur 60,8 Prozent der Männer an das Gebot „Du sollst nicht lügen“. Lügen-Experte Professor Lukesch kann das nicht bestätigen: „Wir haben in mehreren Studien festgestellt, dass Frauen und Männer genauso oft lügen. Auch bei den Themen, bei denen gelogen wird, gibt es keine Unterschiede.“ Männer und Frauen leiden sogar gleich stark unter Lügen. Der Unterschied ist lediglich: Eine belogene Frau wird von der Gesellschaft weniger schief angesehen als ein belogener Mann. „Männer dürfen bei uns halt keine Deppen sein“, sagt Lukesch.

 

Die kürzeste Lüge der Welt

Als solche gilt die Antwort „Danke, gut“ auf die Frage, wie es einem geht. Wobei Profesor Lukesch bezweifelt, dass sie wirklich als „Lüge“ angesehen werden kann: „Was soll man denn sonst antworten? Es wäre ja peinlich, wenn ich einem flüchtigen Bekannten auf der Straße von meiner Prostata erzähle.“

 

Die zehn häufigsten Lügen im Alltag

1. Mir geht es gut.

2. Schön dich zu sehen.

3. Ich ruf dich an.

4. Wir müssen uns mal wieder sehen.

5. Ich stecke im Stau.

6. Ich habe den Anruf verpasst, hatte keinen Empfang.

7. Der Scheck ist in der Post.

8. Du siehst gut aus.

9. Ich war den ganzen Tag im Meeting.

10. Wir sind nur Freunde.

Politiker und ihre Affären

Politiker und ihre Affären

Silvio Berlusconi - wo sollen wir da anfangen? Der italieniesche Ministerpräsident ist der Skandalumwittertste Europas, schöne Frauen haben es ihm einfach angetan. Seine Frau Veronica hat die Nase jetzt voll und lässt sich scheiden. © dpa
Uwe Barschel: Die Affäre Barschel endete 1987 mit dem Tod des CDU-Politikers in einer Hotel-Badewanne. Barschel stellte damals den Medienreferenten Reiner Pfeiffer ein, der gegen die politischen Gegner agierte und musste sich gegen die Vorwürfe deswegen wehren. Die Umstände seines Todes sind nicht geklärt. Nach dem Tod Barschels erhielt Pfeiffer von dem SPD-Landesvorsitzenden Günther Jansen 50.000 DM in bar. Björn Engholm, Nachfolger Barschels als Ministerpräsident und SPD-Bundesvorsitzender trat 1993 deswegen zurück. © dpa
Frank Bsirske, Verdi-Chef und Lufthansa-Aufsichtsrat, flog mit eben dieser Airline kostenlos in der ersten Klasse in de Südsee. Das ganze flog auf und Bsirske wollte die Tickets anschließend bezahlen. © dpa
Monica Lewinsky hatte was mit Bill Clinton. Die Praktikantin und der Präsident hatten allerdings nur Oralsex, wie Clinton unter dem Druck der Öffentlichkeit schließlich zugab. © dpa
Inzwischen ist bei den Clintons augenscheinlich alles wieder im Lot. Hilary macht jetzt Karriere als Außenministerin. Auf unserem Bild unterstützt Bill sie im Wahlkampf. © dpa
Franz Josef Strauß überstand eine Menge Skandale. Dabei ging es um zahlreiche Rüstungsgeschäfte und eine Lüge im Bundestag zur wohl bekanntesten und seinen Affären, der „Spiegel-Affäre“. Auf Betreiben von Strauß wurden 1962 Redakteure des Magazins wegen einer Bundeswehr-kritischen Geschichte verhaftet. © dpa
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gibt sich gern ökologisch. Er reist auf Geschäftsreisen gern mit der Bahn. Ökologisch ist das allerdings nur auf den ersten Blick, denn sein Dienstwagen fährt oft hinterher, um den Minister am Zielort bequem zu kutschieren. © dpa
Monika Hohlmeier, die Tochter von Franz Josef Strauß, stolperte über die Münchner CSU Affäre. Den Ausschlag für ihren Rücktritt gab aber der Erpressungsversuch von Parteimitgliedern, über den Parteifreund Ludwig Spaenle berichtete. © dpa
Horst Seehofer hatte eine Affäre in Berlin, während Gattin Karin in Bayern saß. Auch ein Kind hat Horst Seehofer mit der Frau. Er kehrte aber zu Frau Karin zurück. Im politischen Berlin hält sich aber das Gerücht, dass Seehofer die Affäre nie beendet haben soll. Er selbst will sich dazu nicht äußern.  © dpa
Helmut Kohl, hier mir Frau Maike Richter, stand im Mittelpunkt der CDU-Spendenaffäre. Er nimmt die Verantwortung für verdeckte Parteikonten auf sich. © dpa
Der ehemalige bayrische Ministerpräsident Max Streibl (gestorben 1998) war in einen Bestechungsskandal vewickelt, die sogenannte „Amigo-Affäre“. Es ging um die Erschleichung von Aufträgen für seinen Freund (spanisch: Amigo) Grob, der ihm vorher Privatreisen nach Brasilien finanzierte. © dpa
Günther Oettinger sagte in einer Rede: „Hans Filbinger war kein Nazi“. Nachgewiesen aber ist, dass Filbinger NSDAP-Mitglied war und mindestens eine Hinrichtung mitgetragen hat, die vermeidbar gewesen wäre. © dpa
Gabriele Pauli überstand als Fürther Landrätin die „Latex-Affäre“, in der die Zeitschrift Park Avenue Bilder von Pauli mit gemalter Gesichtsmaske und Latex-Handschuhen abdruckte. Heute kämpft sie in ihrer eigenen Partei, der Freien Union, um ihren Vorsitz. © dpa
Rudolf Scharping und seine Gräfin Pilati. Inzwischen sind die beiden verheiratet, doch im Vorfeld gab es Ärger um Flüge des damaligen Verteidigungsministers nach Mallorca. Dort ließ er sich für die Zeitschrift Bunte mit seiner Lebensgefährtin im Swimming-Pool ablichten, während die Bundeswehr vor einem Einsatz in Mazedonien stand. © dpa
Die Grünen Politiker Renate Künast und Jürgen Trittin bestellten einen Jet der Luftwaffe für Inlandsflüge nach Brasilien. Als sie die Maschine stornierten, war die schon auf dem Weg. Das kostete den Steuerzahler 25.000 Euro. Der Vorfall wurde überprüft, hatte aber kein Nachspiel. © dpa
Weil er sie mit seiner Kabinetts-Chefin Petra Erler betrog, trennte sich Gabriele von EU-Komissar Günther Verheugen... © dpa
... hier mit Petra Erler. © dpa
Theo Waigel hatte ein Gspusi, wie der Bayer sagt, nämlich Irene Eppler. Das vermasselte ihm den Job als Ministerpräsident in Bayern. Inzwischen sind die beiden verheiratet. © dpa
Die aktuellste Affäre: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist im Spanien-Urlaub das Dienstauto geklaut worden. Die Ministerin steht jetzt wegen der privaten Nutzung ihres Wagens samt Chauffeur in der Schusslinie. © dpa
Lothar Späth: Der langjährige Ministerpräsident Baden-Württembergs ließ sich von Unternehmern mehrere Urlaubsreisen bezahlen, die ihn unter anderem in die Ägäis führten. Im Januar 1991 musste der in seiner Heimat auch gerne als “Cleverle“ bezeichnete CDU-Politiker in der sogenannten “Traumschiff-Affäre“ zurücktreten. © dpa
Björn Engholm: Der damalige SPD-Parteichef und Ministerpräsident Schleswig-Holsteins legte 1993 spektakulär alle politischen Ämter nieder. Engholm musste einräumen, früher als er es im ersten Untersuchungsausschuss zur Spitzelaffäre um den CDU-Politiker Uwe Barschel angegeben hatte, von den Machenschaften gewusst zu haben. Seinen Rückzug begründete Engholm damit, dass seine “politische Glaubwürdigkeit“ durch die Affäre “infrage gestellt“ sei. © dpa
Günther Krause: Im Mai 1993 reichte der damalige Bundesverkehrsminister seinen Rücktritt ein. Seinen privaten Umzug nach Berlin hatte er sich von staatlichen Geldern finanzieren lassen. Zuvor war der CDU-Politiker bereits in der “Putzfrauen-Affäre“ in Bedrängnis geraten, als er seine private Putzfrau vom Arbeitsamt bezahlen ließ. © dpa
Kurt Biedenkopf: Im April 2002 gab der CDU-Politiker sein Amt als sächsischer Ministerpräsident auf. Ihm war zuvor in der sogenannten “Mietaffäre“ vorgeworfen worden, für seine Wohnung im Gästehaus der sächsischen Regierung zu wenig Miete gezahlt zu haben. Biedenkopf war zudem unter Druck geraten, weil er bei einem Ikea-Einkauf einen unverhältnismäßig hohen Rabatt ausgehandelt hatte. © dpa
Gregor Gysi: Im Zuge der “Bonusmeilen-Affäre“ trat der PDS-Spitzenpolitiker Gysi im Juli 2002 als Berliner Wirtschaftssenator zurück. Wie auch zahlreichen anderen Politikern wurde ihm vorgeworfen, Bonusmeilen privat genutzt zu haben, die er zuvor mit Dienstflügen gesammelt hatte. © dpa
Cem Özdemir: Der politische Aufstieg des Grünen-Hoffnungsträgers wurde 2002 jäh ausgebremst. Auch Özdemir stolperte über einen Kredit des PR-Beraters Hunzinger und die private Nutzung dienstlicher Bonusmeilen. Anschließend legte er sein Bundestagsmandat nieder und räumte “Naivität und mangelnde Vorsicht“ ein. © dpa

 

Lügen ist eine Frage des Kulturkreises

„In Asien ist die Lüge Teil der Kultur. Wenn sie dort jemanden nach dem Weg fragen, wird er immer lächeln und sie irgendwo hinschicken, selbst wenn er die Richtung gar nicht kennt. Es ist dort schlicht unhöflich, zuzugeben, nicht helfen zu können“, weiß Psychologe Lukesch. In China herrsche sogar ein ganz offener, unverkrampfter Umgang mit Täuschung.

 

Bei Lügnern ist das Gehirn komplexer

Amerikanische Wissenschaftler haben mit Hilfe von KernspinAufnahmen nachgewiesen, dass notorische Lügner eine andere Hirnstruktur haben als ehrliche Zeitgenossen. Im LügnerHirn gibt es in einer bestimmten Region bis zu 20 Prozent mehr weiße Hirnmasse, die für die Verknüpfung von Nervenzellen zuständig ist. Ein Vorteil, der schnelles Denken, aber eben auch gutes Lügen ermöglicht.

 

Lügner sind ganz schön clever

 Ob Lügner wirklich intelligenter sind als wahrheitsliebende Leute, ist noch nicht hinreichend erforscht. Klar ist aber, dass gutes Lügen eine hohe Gehirnleistung erfordert. „Ein Lügner muss clever sein. Er muss sich immer wieder in die Person, die er belügt, hineinversetzen und seine Strategie deren Reaktionen anpassen. Außerdem muss er eine Menge wissen und sich viel merken können, damit seine Geschichte glaubwürdig bleibt. Eine Lüge macht schließlich nur Sinn, wenn sie erfolgreich ist“, sagt Psychologe Lukesch. Schwierigkeit zwei: Ein Lügner muss seine eigenen verräterischen Gefühle und Reaktionen kontrollieren.

Etiketten-Schwindel:

Etiketten-Schwindel: So werden die Verbraucher getäuscht

Viel Verpackung, nichts dahinter. Diesen Spruch müsste Dr. Oetker eigentlich auf seinen Schokopudding "Pur Choc" schreiben. "75% Kakao in der Schokolade" erwarten den Verbraucher beim Genuss der Süßspeise. © abgespeist.de
Weil in dem Pudding insgesamt nur 2,5% Schokolade drin sind, schrumpft der ausgelobte 75%-Anteil auf gerade mal 1,875% zusammen. © abgespeist.de
"Wetterfest" sein ist gerade jetzt in der kalten Jahreszeit besonders wichtig. Wenn es nach der Werbeinitiative von Danone geht, kommt der Verbraucher zur täglichen Stärkung des Immunsystems um den Joghurt-Drink "Actimel" nicht herum. Gerade wenn es brennt und die ersten Gefahren auf den Körper zukommen, sind laut der Fernseh-Werbung nach der Einnahme des Joghurt-Getränks viele kleinen "Actimel-Kämpfer" zur Stelle, die die Abwehrkräfte unterstützen. © abgespeist.de
In Wahrheit ist Actimel nicht besser und schlechter als jeder "normale" Joghurt. Denn jeder Joghurt "aktiviert" das Immunsystem ein bisschen. Actimel ist dagegen zusätzlich viermal so teuer und hat doppelt so viel Zucker, wie jeder normale Joghurt. Den wissenschaftlichen Beweis für einen Erkältungsschutz ist Danone bis jetzt noch schuldig geblieben. © abgespeist.de
Kontrollierte Qualität und erlesene Zutaten verspricht der Bahlsen Gourmet Genießerkuchen. In Wahrheit stecken in dem "Gourmetkuchen" jede Menge E-Nummern, Aromen und vor allem: Käfig-Eier. "Erlesene" Zutaten sind leider Fehlanzeige. © abgespeist.de
Auch die Firma "Carlsberg" ist mit ihrem Erfrischungsgetränk "Beo Heimat" auf den Bio-Zug aufgesprungen. Die Firma bewirbt "beo“ als "Bio-Erfrischung“ aus "rein natürlichen Zutaten“ für alle, denen ein "verantwortungsbewusster Umgang mit unseren Ressourcen am Herzen liegt“. © abgespeist.de
Die Wahrheit ist erschreckend: Neben Zusatzstoffen steckt vor allem "natürliches" Aroma in der Flasche. Vom Bio-Geschmack aus dem Labor ist auf dem Etikett jedoch nichts zu lesen. "Bio" sind an der Brause damit gerade mal 5,5 Prozent Zucker und Gerstenmalz. © abgespeist.de
Nur das Beste aus Italien verarbeitet die Firma Unilever in ihrer "Bertolli Pesto Verde". Der Pesto-Klassiker nach "original italienischer Rezeptur" enthält "nur die besten Zutaten" wie "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkerne. In Wahrheit wurde ein Fingerhut voll Olivenöl und wenige Pinienkerne mit Ersatzprodukten gestreckt. Pflanzliches Öl, Cashewnüsse, Aroma und Säuerungsmittel sollen aus unseren Nudelgerichten ein Erlebnis für die Geschmacksnerven machen. © abgespeist.de
Capri-Sonne ist Durstlöscher und Sportgetränk in einem. Der Klassiker bei Kindern wirbt mit einer ausgewogenen Auswahl an "gesunden Früchten". © abgespeist.de
In Wahrheit hat Capri-Sonne mit Früchten so wenig zu tun, wie mit Gesundheit. Gerade einmal zwölf Prozent Saft werden aufgefüllt mit Wasser, Zucker und Aromen. Der Zuckergehalt wird auf der Verpackung jedoch verschwiegen. © abgespeist.de
Corny, der "locker-kernige" Müsli-Riegel mit den angeblichen "ausgewogenen Zutaten" und dem "Besten aus dem Korn" kommt als der "optimale Energiespender" daher. In Wahrheit ist Corny eine Süßigkeit, wie jede andere auch. Von wegen Gesundheit: Statt Getreide erwartet den Verbraucher vor allem jede Menge Zucker. © abgespeist.de
Rama-Cremefine sei die "innovative" Alternative" für "die leichte Küche" heißt es in der Werbung. In Wahrheit enthält das Sahne-Imitat eine ganze Reihe von Zusatzstoffen, nicht näher definiertes Aroma und zu viele gesättigte Fettsäuren, die Rama selbst als "schlechtes Fett" bezeichnet. Dafür ist das Kunstprodukt doppelt so teuer wie normale Sahne. © abgespeist.de
"Duett Champignon Creme-Suppe" von Escoffier: "Ausgewählte Zutaten" seien in dem Süppchen, das mit der "Kunstfertigkeit" von "Spitzenköchen" verarbeitet wurde. In Wahrheit sind in der Escoffier-Suppe Trockenpulver mit Zusatzstoffen und Aromen. Das Produkt unterscheidet sich kaum von einer "MaggiMeisterklasse", ist aber dreimal so teuer. © abgespeist.de
Mit der Werbekampagne für die "Maggi Natur Pur Bio Frühlingsgemüsesuppe" hat sich die Firma Nestlé selbst ins Bein geschossen. Ganz ohne Geschmacksstoffe wollte die Tütensuppe auskommen. © abgespeist.de
In Wahrheit ist in dem Produkt die geschmacksverstärkende Substanz Hefeextrakt – Glutamat unter anderem Namen. Nestlé nahm das Produkt inzwischen vom Markt. © abgespeist.de
Zott bewirbt seinen Monte Drink als "gesundes" Getränk  mit "wertvollem Traubenzucker“, das als "Zwischenmahlzeit“ geeignet ist. Der Stapel neben dem "Monte Drink" spricht jedoch Bände. In dem "Milchmischgetränk" ist vor allem eins: Zucker. Umgerechnet acht Stück Würfelzucker enthält ein Fläschchen Monte – mehr als in der gleichen Menge Cola. © abgespeist.de
Nestlé verspricht mit dem Produkt "Fitness Fruits" einen gesunden Start in den Tag. Das Müsli soll zu einem "gesunden Lebensstil" beitragen, zur "Wunschfigur" verhelfen und eine "leichte", "ausgewogene" Ernährung bieten. In Wahrheit bestehen die Flocke zu einem Drittel aus Zucker. So viel Zucker zum Frühstück macht auf Dauer nicht fit, sondern dick. © abgespeist.de
Der "Powerstoff" mit "Sauerstoff": Nach ein paar Schlücken aus dieser Flasche fetzen Sie über die Skipiste, wie schon lange nicht mehr. Adelholzener verspricht in der Fernseh- und Produktwerbung, dass das Getränk mit der "15fachen Menge an Sauerstoff" eine positive Wirkung auf den Stoffwechsel oder die sportliche Leistungsfähigkeit hat. In Wahrheit gibt Active O2 weder einen besonderen "Powerschub" für die Gesundheit noch steigert es die Leistungsfähigkeit. Auswirkungen auf den eigenen Geldbeutel lassen sich allerdings in jedem Fall nachweisen. © abgespeist.de
"Sonnengereifte Tomaten" und ein Mörser voll Pesto springen dem Verbraucher auf dem Frischkäse "Philadelphia alla Pesto verde & Tomate" von der Firma "Kraft Foods" ins Auge. © abgespeist.de
In Wahrheit enthält die Frischkäsezubereitung gerade einmal 0,4 Prozent getrocknete Tomaten und statt Pesto nur eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung. Statt der geworbenen Zutaten stecken jede Menge Zusatzstoffe wie das umstrittene Verdickungsmittel Carrageen (E407) in dem Brotaufstrich. © abgespeist.de
Eine Frau springt vor einem Spiegel auf und ab, fühlt sich federleicht. Klar, sie hat Yogurette gegessen. Jeder kennt inzwischen die "I feel good"-Fernsehwerbung. Das Produkt von Ferreror ist laut Hersteller die "joghurtleichte"und "sportliche" Variante zu anderen Schokoladen. In Wahrheit enthält die "leichte" Schokolade dagegen mehr Fett und Kalorien als zum Beispiel Milka-Vollmilchschokolade. Die Nährwerte verschweigt Ferrero auf der Verpackung. Verbraucher haben keine Chance, den Schwindel zu erkennen. © abgespeist.de

Lügen hat die Menscheit schlau gemacht

Die Wissenschaftler sind sich heute weitgehend einig darüber, dass das Lügen zur geistigen Entwicklung des Menschen gehört. Einige vermuten sogar, dass Lü- gen die Menschheit intelligenter gemacht hat. Ihre These: Die Vergrößerung des menschlichen Hirns ist auf den evolutionären Druck zurückzuführen, immer raffinierter schwindeln zu müssen, um zu überleben.

Lügen gehört – manchmal – zum guten Ton

Wer zum Essen eingeladen ist und seinem Gastgeber auf die Frage „Wie schmeckt dir der Braten?“ ein „Wie Sägespäne mit Benzindressing!“ entgegnet, mag zwar ehrlich sein, ist aber auch ein schlimmer Rü- pel. Die Regeln der Höflichkeit verlangen manchmal nach einer Lüge, um die Gefühle von anderen nicht zu verletzen und den Frieden in der Gemeinschaft nicht zu zerstören.

Es gibt kein Leben ohne Lügen

Der Satz „Ich lüge nie“ gehört nicht zu Unrecht zu den größten Schwindeleien. „Wahrhaftigkeit ist ein hoher Wert, man sollte sich schon darum bemühen. Aber jeder von uns betreibt im Alltag in irgendeiner Form Informationskontrolle. Es ist nun mal so, dass Lügen zu unserem sozialen Repertoire gehört“, bilanziert Wissenschaftler Lukesch.

Es gibt „gute Gründe“ fürs Lügen

Studien zufolge lügen 41 Prozent der Menschen, um sich Ärger zu ersparen. 14 Prozent wollen sich ihr Leben bequemer gestalten. 8,5 Prozent schwindeln, um geliebt zu werden. Sechs Prozent tun es aus Faulheit, der Rest, ohne über die Beweggründe Bescheid zu wissen. Bei der Erhebung dieser Daten mussten die Wissenschaftler allerdings glauben, dass sie von ihren Studienteilnehmern nicht belogen wurden…

Werbe-Schummeleien:

Die Wahl der größten Werbe-Schummeleien

Kandidat 1: Eine Bio-Limonade die laut Foodwatch keine ist. Der Geschmack kommt nicht aus biologisch angebauten Früchten, sondern von Aromen aus dem Labor. © Foodwatch / abgespeist.de
Biologisch sind an Beo laut Foodwatch nur zwei Dinge: Der Zucker und das Gerstenmalz. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 2: Seltsame Rezepturverbesserung: Zusätzliche Aroma- und Zusatzstoffe schafften es ins Glas. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 3: Physalis-Tee ohne Physalis. In diesem Tee steckt laut Foodwatch nur Aroma. © Foodwatch / abgespeist.de
So viel Zucker steckt in einer Packung des "Gelben Tees". © Foodwatch / abgespeist.de
Da wundert es nicht, dass die Lebensmittel-Ampel - würde sie eingeführt - beim Zucker ganz klar auf rot stehen würde. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 4: Spitzenkoch wirbt für Dosensuppe. Statt versprochener "ausgewählter Zutaten" stecken laut Foodwatch nur Trockenpulver, Zusatzstoffe und Aromen drin. © Foodwatch / abgespeist.de
Kandidat 5: Mehr Zucker als Cola. Die gleiche Menge Cola hat laut Foodwatch weniger Zucker als eine Flasche Monte-Drink. © Foodwatch / abgespeist.de
So viel Zucker steckt in einem Monte-Drink. Acht Stück Wüfelzucker enthält eine Flasche. © Foodwatch / abgespeist.de
Die Lebensmittel-Ampel für den Monte-Drink: Rot beim Zucker, gelb beim Fett. © Foodwatch / abgespeist.de
So ging der Wettbewerb im vergangenen Jahr aus: 2009 gewann Actimel mit klaren 47 Prozent den Goldenen Windbeutel. © Foodwatch / abgespeist.de
So könnte es aussehen, wenn es der Goldene Windbeutel 2009 auf die Verpackung des Preisträgers geschafft hätte. © Foodwatch / abgespeist.de
Ungewollter Preis: Danone nahm 2009 den Goldenen Windbeutel für Actimel nicht an. © Foodwatch / abgespeist.de

Sich selbst belügen, ist schwer

Sich selbst zu belügen, ist beinahe unmöglich. Trotzdem geht es, meist durch schlichte Wiederholung. „Ich habe das schon erlebt“, bestätigt Experte Lukesch. Manchmal kann die kleine Selbstlüge auch hilfreich sein: Sich etwa vor einer Prüfung zu sagen „Ich bin nicht nervös“, kann motivieren und Ängste dämpfen.

Belogen zu werden, kann zu großer Macht verhelfen

Das gilt natürlich nur, wenn der Belogene die Täuschung durchschaut. Legt er sie nicht offen, verhilft ihm das gegenüber dem Lügner zu einer Machtposition. Etwa die Ehefrau, die vom Mann betrogen wird und dessen schlechtes Gewissen für sich arbeiten lässt. Lukesch: „Das ist Informationsmanipulation. Wer einen Betrug nicht aufdeckt, hat eine Karte, die er immer wieder spielen kann.“

Diät-Lügen

Lügen beichten, macht nicht immer Sinn

Wer ohnehin aufgeflogen ist, tut natürlich gut daran, seine Lügen zuzugeben. Wenn die Täuschung jedoch funktioniert hat und sich daraus keine weitreichenden Konsequenzen ergeben, sollte der Lügner sich eine Beichte verkneifen. Das klassische Beispiel ist der einmalige Seitensprung. „Statt den Partner anzuwinseln, soll der Lügner das mit sich selbst ausmachen“, empfiehlt Professor Lukesch.

Selbst Tiere und Pflanzen lügen

Von menschlichen Lügnern werden sie natürlich weit in den Schatten gestellt, aber auch Tiere sind ausgebuffte Schwindler. Zum Beispiel das Opossum, dass sich einfach tot stellt, wenn sich ein Raubtier nähert, oder der Hahn, der Hennen mit dem Futterruf anlockt und dann doch nur Sex haben will. In der Fauna sind die fleischfressenden Pflanzen die bekanntesten Lügner. Sie imitieren Duft und Aussehen von Insektennahrung und locken so ihre Opfer in die Falle.

In Lüge kann man leben

In der Gemeinde Fleetmark im Altmarkkreis Salzwedel (Sachsen-Anhalt) gibt es einen Ortsteil namens „Lüge“. Das Dorf wurde 1363 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Lügendetektor entlarvt Betrüger tatsächlich

Wer lügt, steht unter Stress und Stress verursacht typische körperliche Reaktionen wie erhöhten Blutdruck oder Schwitzen. Der Polygraph oder Lügendetektor misst diese körperlichen Reaktionen und stellt sie als Kurven dar. Ob gelogen wurden, entscheidet sich bei der Kurvenauswertung, bei der die Reaktionen auf normale und auf kritische Fragen verglichen werden.

Die Polygraphen-Methode hat eine Erfolgsquote von 95 bis 97 Prozent. Sie kann jedoch überlistet werden. Die bekanntesten Beispiele sind der SowjetSpion Aldrich Ames, der zweimal von der CIA getestet wurde und bestand, sowie der 48-fache Serienmörder Gary Ridgway aus den USA, der das Gerät ebenfalls zweimal austrickste. In Deutschland sind Polygraphentests vor Gericht nicht als Beweismittel zugelassen

Carmen Krippl

Quelle: rosenheim24.de

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