CNN: "Folter-Prinz" aus Abu Dhabi unter Hausarrest

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Während ein Polizist (rechts) den Mann zu Boden drückt, stopft Scheich Issa (links) dem Wehrlosen Sand in den Mund.

Washington/Abu Dhabi - Mehrere Wochen nach Bekanntwerden eines Videos, auf dem die brutale Folterung eines Mannes durch ein Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi zu sehen sein soll, ist der Prinz Medienberichten zufolge unter Hausarrest gestellt worden.

Ein hoher Mitarbeiter des US-Außenministeriums sagte dem Nachrichtensender CNN, gegen Scheich Issa bin Said al-Nahjan, ein Bruder des Kronprinzen von Abu Dhabi, laufe eine Untersuchung, und er sei bis zu deren Abschluss unter Hausarrest gestellt worden.

Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate will in Kürze die Ergebnisse einer Untersuchung über Foltervorwürfe veröffentlichen. Dies sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Sonntag nach einem Gespräch mit VAE-Innenminister, Scheich Saif, in Abu Dhabi. Die emiratische Regierung habe ein Interesse, dass kein schiefes Bild über die Rechtstaatlichkeit in dem Land entstehe, sagte Guttenberg. Es sei ihm ein Anliegen gewesen, das Thema bei seinem Besuch anzusprechen.

Das dreistündige Video, das aus dem Jahr 2004 stammen soll, zeigt, wie ein gefesselter Mann in der Wüste von zwei Männern eine dreiviertel Stunde unter anderem mit einem Elektroschocker gefoltert wird. Seine Genitalien werden mit einem Feuerzeug angebrannt, einer der Männer schlägt mit einem Nagelbrett immer wieder auf den schreienden Mann ein, dann wird Sand in seine Wunden gestreut. Einer der Folterer stopft dem Opfer dann ganze Hände voll Sand in Mund und Nase. Einer der beiden Männer trägt eine Polizeiuniform. Bei dem zweiten Mann soll es sich um Scheich Issa bin Said al-Nahjan handeln. Der US-Sender ABC hatte das abscheuliche Video ausgestrahlt

Scheich Issa bin Zayed Sultan al-Nahyan ist im Münchner Umland kein Unbekannter. In Dietramszell (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen) hat das Mitglied der Herrscherfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate ein ehemaliges Hofgut gekauft und zur Residenz umgebaut.

Menschenrechtsorganisationen begrüßten das Vorgehen gegen den Prinzen, der keine formale Funktion in dem Emirat hat. “Das Video hat die Welt geschockt“, sagte Sarah Leah Whitson von Human Rights Watch. Nun müsse die Regierung von Abu Dhabi aber alle Details öffentlich machen.

Der Skandal verzögert nach Informationen von CNN auch die Ratifizierung eines zivilen Atomvertrags zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA. Die Videoaufnahme, deren Existenz seit längerem bekannt war, war im April einem Bundesgericht in Texas vorgelegt worden.

dpa

Zurück zur Übersicht: Welt-News

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser