Zweimal lebenslänglich in Virginia

Jens Söring: Deutscher kommt nach 33 Jahren in US-Haft frei - Rückkehr schon bald erwartet 

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Der Deutsche Jens Söring wird 1990 in den USA für einen Doppelmord schuldig gesprochen. Jetzt wird er freigelassen - und kehrt wohl nach Deutschland zurück. 

  • Der Deutsche Jens Söring wird 1990 in den USA für einen Doppelmord verurteilt. 
  • 2009 führt eine DNA-Analyse zu neuen Hinweisen. Für Söring ändert das vorerst nichts. 
  • Nach 33 Jahren Haft kommt der deutsche Diplomatensohn nun auf Bewährung frei - und wird abgeschoben. 

Update vom 12. Dezember 2019: Der in den USA wegen Doppelmordes verurteilte und nach gut drei Jahrzehnten in Haft freigekommene Jens Söring steht vor einer baldigen Rückkehr nach Deutschland. Seine Unterstützer rechnen damit, dass er in der kommenden Woche aus den USA abgeschoben werden könnte. „Die Signale deuten darauf hin“, sagte ein Sprecher des Unterstützerkreises am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Seine Ankunft in Deutschland werde in Frankfurt erwartet. Derzeit sei der heute 53-jährige Diplomatensohn weiterhin in Auslieferungshaft.

Das zuständige Gremium im US-Bundesstaat Virginia hatte im November entschieden, Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. Der Deutsche war 1990 wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985 zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden.

Söring hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Trotz jahrzehntelanger Haft sei Söring „gnadenlos optimistisch“, sagte der Sprecher des Unterstützerkreises.

Update vom 28. November - Nach der Freilassung des verurteilten Doppelmörders Jens Söring hat das Auswärtige Amt in Berlin Kontakt zu den US-Behörden aufgenommen. „Unsere Botschaft betreut Söring weiterhin konsularisch und steht bezüglich weitere Schritte in engem Kontakt mit dem Rechtsanwalt sowie Behörden vor Ort“, lautete eine Meldung aus Berlin.

Jens Söring wird von der Bonner Anwaltskanzlei Redeker, Sellner und Dahs beraten. Christian Mensching von der Kanzlei sagte gegen dem Bonner Generalanzeiger, dass Söring nach seiner Rückkehr nach Deutschland seine Karriere als Schriftsteller fortsetzen wolle. Bislang gibt es noch keine Angaben vom Auswärtigen Amt, wann der zweifache Mörder nach Deutschland zurückkehren wird.

Eine überraschende Wende gab es nun auch im Vermisstenfall Anna Smaczny. Die 35-Jährige wird seit Juni vermisst. Nun gibt es neue Erkenntnisse und einen Tatverdächtigen.

Jens Söring: Nach 30 Jahren in US-Haft kommt verurteilter Mörder plötzlich frei - und nach Deutschland

Erstmeldung vom 26. November - Der Deutsche Jens Söring wurde 1990 in den USA wegen Doppelmordes verurteilt. 1985 soll er die Eltern seiner damaligen Freundin Elisabeth Haysom bestialisch ermordet haben. Kurz nach seiner Festnahme gab Söring die Tat zu. Kurz darauf widerrief er seine Aussage. Nachdem der Diplomatensohn zweimal lebenslänglich in Haft saß, wurde er jetzt freigelassen und soll nach Deutschland abgeschoben werden. 

Nach drei Jahrzehnten in Haft: Keine Begnadigung für Jens Söring

Mit dem Geständnis habe er seine ebenfalls beschuldigte Freundin vor der Todesstrafe bewahren wollen, sagte Söring später. Als Sohn eines Diplomaten war er davon ausgegangen, Diplomaten-Immunität zu genießen. Sein „Beschützerinstinkt“ sollte ihn zweimal lebenslänglich - mehr als drei Jahrzehnte - im Gefängnis kosten. 

Jetzt ist Jens Söring wieder auf freiem Fuß und soll abgeschoben werden. Dies habe das zuständige Gremium im Bundesstaat Virginia entschieden, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf das Büro des Gouverneurs des Bundesstaats, Ralph Northam.  

Nach drei Jahrzehnten: Der in den USA inhaftierte Deutsche Jens Söring wird abgeschoben

Eine Begnadigung habe Northam abgelehnt. Söring solle der Einwanderungsbehörde ICE übergeben und mit einem Wiedereinreiseverbot für die USA belegt werden. Ob Söring nach Deutschland zurückkehrt, war zunächst unklar. 

Die Entscheidung, den 53-Jährigen freizulassen, sei „überraschend“, schrieb die Washington Post. Der brutale Doppelmord hatte jahrzehntelang in den USA und auch international Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Wegen Doppelmord verurteilt: Der Deutsche Jens Söring wird auf freien Fuß gesetzt

In Lynchburg, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Virginia, waren damals die Eltern von Elizabeth Haysom erstochen worden. Der Doppelmord gilt als eines der grausamsten Verbrechen in der Geschichte Virginias. Im April 1985 wurden die Leichen von Derek (72) und Nancy Haysom (53) aufgefunden. Die beiden erlitten fast 50 Messerstiche und ihre Kehlen waren durchgeschnitten. Von einem Motiv aus einem satanischen Kult heraus war die Rede. 

Im Zuge der Ermittlungen wurden auch die Tochter Elizabeth und ihr damaliger Freund Jens Söring verhört. Als sie unter Verdacht gerieten, flüchteten die beiden. Sie wurden aber 1986 in London wegen gefälschter Schecks aufgegriffen und an die amerikanischen Behörden ausgeliefert. Elizabeth H. gab vor Gericht an, Söring zu dem Mord an ihren Eltern angestiftet zu haben, weil diese gegen ihre Beziehung zu Söring gewesen seien.

Im Blutrausch ermordet? Der in den USA verurteilte Jens Söring kommt nach 30 Jahren frei

Söring hingegen warf der drogenabhängigen Haysom vor, ihre verhassten Eltern im Blutrausch ermordet zu haben. Danach habe sie ihn davon überzeugt, die Schuld auf sich zu nehmen. 

In den 1980er Jahren fand die Polizei keine Einbruchsspuren im Haus der getöteten Eltern. Lediglich ein blutiger Sockenabdruck deutete auf den möglichen Täter. Da es aber noch keine DNA-Analysen gab, wurde erst 2009 festgestellt, dass die Blutspuren weder von Söring, noch von seiner Freundin stammten. Damals stellte unter anderem Merkur.de* die Frage, ob Söring unschuldig im Gefängnis sitzt. 

Söring schrieb im Gefängnis mehrere Bücher, 2016 erschien der Dokumentarfilm „Das Versprechen“ über den Fall.

Vier Jahrzehnte saß Craig Coley in den USA im Gefängnis - für eine Straftat, die er nicht beging. Ein Polizist glaubte an seine Unschuld - und kämpfte für ihn, bis er diese beweisen konnte.

nai/dpa/afp

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Rubriklistenbild: © dpa / Carlos Santos

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