Tödlicher Aufruhr in belgischem Gefängnis

Brüssel - Nach einer Geiselnahme in einem überfüllten Gefängnis und dem Tod eines Häftlings sind in Belgien die Gefängniswärter am Freitag in den Streik getreten.

Die Gewerkschaft der Strafvollzugsbeamten forderte bessere Ausrüstung und bessere Arbeitsbedingungen für das Wachpersonal. Sie wies auf gravierende Mängel im Strafvollzug des Landes hin. Justizminister Stefaan De Clerck versprach Gespräche und Verbesserungen. Die Unruhen im Gefängnis von Löwen waren ausgebrochen, als ein Gefangener während eines Streits mit anderen Häftlingen plötzlich ein Messer zog. Ein Aufseher wurde beim Versuch, dem Mann die Waffe zu entwenden, schwer verletzt. Auch ein Häftling erlitt schwere Verletzungen. Mehrere Gefangene nahmen daraufhin einen Wärter als Geisel.

Ein Sondereinsatzkommando erschoss am frühen Freitagmorgen beim Versuch der Geiselbefreiung einen Häftling. Einem spontanen Streik der Vollzugsbeamten in Löwen schlossen sich im Laufe des Freitags etwa zwei Drittel der Kollegen im ganzen Land an. In die Gefängnisse rückten vorübergehend Polizisten ein. Die Häftlinge mussten in den Zellen bleiben. In Belgien kommt es laut Gewerkschaft jeden Monat zu mindestens zwei bis drei gewaltsamen Zwischenfällen mit Häftlingen.

Die für maximal 10 400 Personen ausgelegten Gefängnisse sind mit knapp 13 000 Insassen belegt. An diesem Samstag will die belgische Regierung im niederländischen Tilburg einen Vertrag über die langfristige Anmietung von zusätzlich 500 Zellen unterzeichnen. Der Bau von sieben neuen Gefängnissen ist geplant, doch fehlt bisher das Geld. “Das Personal ist nicht ausgerüstet, um der Gewalt entgegenzutreten“, sagte der Gewerkschafter Gino Hoppe am Freitag. “Und die Gefängnisse sind auch nicht richtig ausgerüstet. Überall gibt es etwas zu reparieren. In Löwen sind es die Überwachungskameras, anderswo sind es technische Geräte. In zwei Gefängnissen mussten wir kürzlich streiken, um ein Telefon und ein Funksprechgerät zu bekommen.“ Er kritisierte Justizminister De Clerck: “Der hat jede Menge Pläne, aber es ändert sich nichts.“

dpa

Zurück zur Übersicht: Welt-News

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser