Mehrere Beamte verletzt

Randalierer wüten in Stuttgart: Plündereien, Gewalt und Chaos in der Innenstadt

Bei den Ausschreitungen in Stuttgart wurden am Wochenende mehrere Polizisten verletzt.
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Bei den Ausschreitungen in Stuttgart wurden am Wochenende mehrere Polizisten verletzt.

Bei Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt wurden am Wochenende 19 Polizisten verletzt. Ein Polizeisprecher berichtete von einer „völlig aus der Kontrolle“ geratenen Situation.

  • In Stuttgart kam es in der Nacht zum Sonntag zu massiven Ausschreitungen und Randalen.
  • Die Bilanz der Polizei: 19 verletzte Beamten, 24 vorläufige Festnahmen und eine verwüstete Innenstadt.
  • Die Gewaltausbrüche haben bereits eine politische Debatte in Gang getreten - doch noch sind die genauen Hintergründe unklar. 

Stuttgart-Krawalle: Heftige Kritik an Stammbaum-Recherche bei Tätern - jetzt begründet Polizei das Vorgehen

Update vom 12. Juli 2020: Nach der Randale in Stuttgart wurde bekannt, dass die Polizei im Zuge der Ermittlungen der Täter wohl auf Stammbaumforschung zurückgreife. Es hagelt Kritik von allen Seiten.


Stuttgart - Geplünderte Geschäfte, fliegende Pflastersteine und Angriffe auf Polizisten: In Stuttgarts Innenstadt bricht mitten in der Nacht Randale aus. Das plötzliche Aufflammen der Gewalt entsetzt. Bei den schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei haben Dutzende Gewalttäter in der Nacht zum Sonntag die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. 

„Die Situation ist völlig außer Kontrolle“, kommentierte ein Polizeisprecher am frühen Sonntag die Ereignisse. Die erste Bilanz der Polizei: 24 vorläufige Festnahmen, 19 verletzte Polizisten, Verwüstung in der Innenstadt. Einer der verletzten Polizisten ist zudem dienstunfähig. Am Morgen beruhigte sich die unübersichtliche Lage.


Randale in Stuttgart nahmen bei einer Kontrolle im Drogenmilieu ihren Ursprung

Laut Polizei begannen die Krawalle gegen Mitternacht. Während einer Kontrolle anlässlich eines Drogendelikts hätten sich viele Feiernde gegen die Polizisten solidarisiert, teilten die Beamten mit. Junge Männer, viele von ihnen vermummt, zogen randalierend durch die Straßen in Richtung Schlossplatz.

Das Ausmaß der Gewalt dokumentieren zahllose Videos mittlerweile im Internet. Die Krawallmacher schmeißen Pflastersteine auf vorbeifahrende Polizeiautos, schlagen Schaufenster auf der Stuttgarter Shoppingmeile ein und plündern Geschäfte. Auf einem Videoclip ist zu sehen, wie ein vermummter Mann einem knienden Polizisten mit Anlauf und mit beiden Beinen von hinten in den Rücken springt. Er stürzt, die Zuschauer johlen.

Von einem „brutalen Ausbruch der Gewalt“ sprach am Sonntag Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Diese Taten gegen Menschen und Sachen sind kriminelle Akte, die konsequent verfolgt und verurteilt gehören“, teilte der Grünen-Politiker mit. „Die Bilder aus der Stuttgarter Innenstadt können uns nicht kalt lassen.“ Nun müsse man die Erkenntnisse zusammentragen und mit Hochdruck klären, wer dahinter stecke.

Randale in Stuttgart: Mehrere Hundert Menschen beteiligt - Polizei macht Zeugenaufruf

Die Polizei sprach von mehreren hundert Menschen, die in Kleingruppen unterwegs gewesen seien. Mehr als 200 Beamte aus dem Stuttgarter Umland wurden vorübergehend in die Landeshauptstadt beordert, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Polizeihubschrauber flogen über die Stadt. Die Polizei bittet nun Zeugen um Mithilfe bei den Ermittlungen - zur Aufklärung der Straftaten benötige man Bilder und Videos von den Ausschreitungen, Straftaten und mutmaßlichen Tatverdächtigen. Zur Sicherheit blieb die Polizei auch am Sonntag mit einem Großaufgebot in der Innenstadt präsent.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) kündigte an, mit der vollen Härte des Rechtsstaats gegen die Randalierer vorgehen zu wollen. „Die Ausschreitungen, die wir in der Nacht in Stuttgart erleben mussten, waren von einer in Baden-Württemberg bisher noch nie da gewesenen Qualität“, sagte Strobl. Am Polizeipräsidium Stuttgart sei eine 40-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet worden, das Landeskriminalamt werde die Ermittlungen unterstützen. Strobl will den Landtag am Mittwoch in einer Sondersitzung des Innenausschusses unterrichten.

Randale in Stuttgart: Hintergründe bislang unklar - Politiker diskutieren

Auch wenn die genauen Hintergründe noch unklar sind, führten die Ausschreitungen in der Schwabenmetropole bereits zu hitzigen politischen Debatten. Die Deutsche Polizeigewerkschaft in Baden-Württemberg, aber auch Stimmen aus CDU und AfD kritisierten etwa SPD-Bundeschefin Saskia Esken für ihre Äußerungen über einen „latenten Rassismus“ bei der Polizei, für die sie teils auch aus den eigenen Reihen viel Kritik einstecken musste. 

Zwischenzeitlich hatte Esken ihre Äußerungen relativiert. Die SPD-Chefin selbst kritisierte am Sonntag auf Twitter die „sinnlose, blindwütige Randale“ in Stuttgart. Die Gewalttäter müssten und hart bestraft werden. „Unbegreiflich, wie die Situation derart eskalieren konnte.“ 

Nach Randalen in Stuttgart: Seehofer will gegen taz-Kolumnistin vorgehen

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) schaltete sich ebenfalls in die Vorgänge rund um die Ausschreitungen in Stuttgart ein. Nachdem die taz-Kolumnisten Hengameh Yaghoobifarah in einer Kolumne Polizisten Berufsunfähigkeit unterstellte und über die Abschaffung der Polizei sinnierte, kündigte Seehofer an, mit einer Anzeige gegen sie vorgehen zu wollen. Für diese Entscheidung erntete er wiederum Kritik. Unter anderem sprach Jan Böhmermann in diesem Zusammenhang bei Twitter von „Effekthascherei“.

Im Interview mit unserer Zeitung äußerte sich auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)* zu den Ausschreitungen in Stuttgart. Sie sind für ihn „unerklärlich“. 

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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