Streit um Knut: Zoos einigen sich nicht

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Der Eisbär Knut läuft im ZoovonBerlin in seinem Freigehege.

Berlin - Der Fall Knut liegt auf Eis. Im Streit der Zoos Neumünster und Berlin um den Eisbär-Star gibt es auch Wochen nach der ersten Runde vor Gericht keine Bewegung.

Zoo-Direktor Peter Drüwa aus Neumünster sagte der dpa, vor Ende Juni werde keine Entscheidung über eine Berliner Zahlung für die Besitzrechte an Knut fallen. Das Berliner Landgericht hatte Mitte Mai 700 000 Euro vorgeschlagen, Berlin will höchstens 350 000 Euro zahlen. Neumünster wäre bereit, die Besitzrechte an Knut für mindestens 500 000 Euro an Berlin zu geben. Knut “gehört“ Neumünster, weil sein Vater Lars von dort stammt. Knut fuhr dem Zoo Berlin bisher rund 6 Millionen Euro Gewinn ein.

Auch im Berliner Zoologischen Garten will im Knut-Poker niemand zu früh die entscheidende Karte aufdecken. Aus dem Zoo verlautete am Montag , Direktor Bernhard Blaszkiewitz werde mit dem Aufsichtsrat, der die Zahlung an Neumünster nach Rücksprache mit dem Finanzsenator absegnen müsste, frühestens in der letzten Juni-Woche beraten. Sollten die Rechte an Knut an Berlin gehen, müsste der Zoologische Garten millionenteure Umbauten vornehmen.

Viel zu kleiner Felsen für Knut

Auf dem viel zu kleinen Felsen der Kragenbären, den Knut seit fast zwei Jahren allein bewohnt, könnte der Eisbär keine neue Familie mit zwei oder drei Weibchen gründen. Für eine solche neue Anlage hat der Zoo Berlin bisher keine Planungen vorgelegt. Die Investition von bis zu 9 Millionen Euro würde die direkte Zahlung für Knut weit übertreffen.

Hintergrund der vorsichtigen Taktik beider Zoos ist, dass die Zukunft Knuts neben dem Streit ums Geld im Endeffekt vom neuen Koordinator der Eisbärenzucht in Europa , Janos Szantho, im Zoo von Amsterdam entschieden werden könnte.

Zwar hat das Landgericht Berlin in der Verhandlung am 19. Mai deutlich gemacht, dass Neumünster bei einem Scheitern des Vergleichs wenig Aussichten auf einen Prozesserfolg hat. Deshalb könnte der Zoo Berlin gelassen ein Urteil abwarten und am Ende gar nichts bezahlen. Aber Berlin ist auch in der Zwickmühle - nur mit einer Einigung mit Neumünster kann der Zoo Knut endgültig behalten.

Im anderen Fall droht jedoch - ohne dass der Zoo Neumünster dieses As bisher offen auf den Tisch gelegt hat - die “Auswanderung“ des Berliner Publikumslieblings in einen anderen europäischen Zoo, der bessere Bedingungen bietet. Der Ungar Szantho hält sich in Amsterdam noch zurück. Er will in diesem komplizierten und in der Zoo- Geschichte einmaligen Streit nicht zwischen die Mühlsteine geraten.

Wowereit will Verlust von Knut verhindern

Den immer noch drohenden Verlust von Knut will in Berlin sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ( SPD ) verhindern. Bei der Annahme von gut 30 000 Unterschriften der Initiative “Knut forever in Berlin “ (Knut für immer in Berlin ) nannte Wowereit den Bären einen der weltweit beliebtesten Sympathieträger der Hauptstadt.

Die Geschichte des von seiner Mutter verstoßenen und per Handaufzucht von Pfleger Thomas Dörflein geretteten Bärchens ging um die Welt. Internationale Aufmerksamkeit löste auch der tragische Herztod Dörfleins (44) im September vergangenen Jahres aus. Bisher haben mehr als 7 Millionen Menschen den Eisbären im Zoo Berlin besucht.

Von Hans-Rüdiger Bein, dpa

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