Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kampf gegen ungewollte Post

Er schickt Politikern seit Jahren Schmuddel-Hefte

Larry Flynt
+
Larry Flynt ärgert die Politiker.

Washington - Wie prüde ist Amerika wirklich? Larry Flynt wollte es wissen und verschickt seit mehr als 30 Jahren „Hustler“-Magazine an Senatoren und Abgeordnete. Die kämpfen gegen die Schmuddelpost - vergeblich.

Schmuddel-Post bekommen 535 Politiker im US-Kongress, und das jeden Monat: Per Hauspost erhalten sie die neueste Ausgabe des Magazins „Hustler“ - es flattert direkt auf den Schreibtisch ihrer Mitarbeiter und Praktikanten. Zwischen Briefen von Wählern, allerlei Einladungen und Angeboten versteckt finden sich dann in einem normalen Briefkuvert seitenweise barbusige Blondinen.

Doch das Problem im Washingtoner Kapitol ist keines, das von den ungestillten Lüsten altgedienter Abgeordneter und Senatoren handelt. Viel mehr war es „Hustler“-Herausgeber Larry Flynt, der sich vor mehr als 30 Jahren einen Scherz erlaubte: „Ich entschied mich, dass ich allen Mitgliedern des Kongresses und des Obersten Gerichtshofs und der Exekutive ein gratis "Hustler"-Abonnement schicken würde, damit sie auf dem Laufenden bleiben“, sagte Flynt dem Magazin „The Hill“ im Jahr 2011.

„Wir bekamen eine große Mehrheit in beiden Kammern“, witzelte Flynt - denn lediglich 20 Prozent der Empfänger hätten ihr Abo wieder gekündigt. Andere klagten gegen die ungewollte Schmuddel-Post, jedoch ohne Erfolg. Denn das in der US-Verfassung verankerte Recht auf Redefreiheit schließt auch das Recht mit ein, den Volksvertretern „kontroverse“ oder „unwillkommene“ Ansichten zu präsentieren und so Diskussionen anzustoßen, urteilte ein Washingtoner Gericht 1986.

Es sei auch keine „übermäßige Last“ für die Kongressleute, pro Monat ein „Hustler“-Exemplar zu bekommen, zumal sie die Hefte ja nicht lesen müssten. Außerdem sei nicht vorstellbar, dass die Papierkörbe in ihren Büros nicht ausreichten, um die Schmuddelhefte zu entsorgen. Und so machte der Richter den Weg frei für mehr freizügige Fotos auf den Schreibtischen der mächtigsten und wohlhabendsten Politiker der USA. Rund 30 Jahre später liegt die Zahl der Abos immer noch bei 535.

„Es ist ein ekelhafter Missbrauch des Systems“, sagte Chris Cannon im Jahr 2006, als er für die Republikaner im Abgeordnetenhaus saß. „Es ist ein böser, kleiner Trick von einem Mensch ohne Gewissen“, sagte er im Interview mit der „Salt Lake Tribune“. Sein Parteikollege Jim Matheson pflichtete ihm bei: „Es ist beleidigendes Verhalten von Seiten des Verlegers, aber nicht überraschend.“

Unter den Angestellten, die im politischen Zentrum der Macht sitzen, hat sich unterdessen längst ein kleines Spiel entwickelt, um neue Praktikanten zu piesacken. „Ich "vergesse", es den Praktikanten zu sagen und beobachte dann den Blick des Schreckens in ihren Gesichtern, wenn sie es in einem Kongressbüro öffnen“, verriet ein Mitarbeiter laut einem Bericht des „National Journal“ vom Freitag.

Larry Flynt ist sicher, dass man die „stockkonservativen Rednecks“ ein bisschen umerziehen muss. Zu seinem kostenlosen Schmuddel-Versand sagte er: „Moses befreite die Juden, (Abraham) Lincoln die Sklaven, und ich wollte einfach die ganzen Neurotiker befreien.“

dpa

Kommentare