Papst Johannes Paul II. ist ein Seliger

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Papst Benedikt XVI. wird in seinem Papamobil bei der Messe zur Seligsprechung von Johannes Paul II. über den Petersplatz im Vatikan in Rom gefahren.

Rom - Beim Tod von Johannes Paul II. hatten Millionen Katholiken seine sofortige Erhebung zum Heiligen gefordert. Am Sonntag sprach Papst Benedikt XVI. seinen charismatischen Vorgänger selig - ein Akt in Rekordzeit.

Papst Johannes Paul II. ist seliggesprochen. Nur sechs Jahre nach dem Tod des Polen erhob ihn Benedikt XVI. am Sonntag auf diese Vorstufe zur Heiligkeit. “Johannes Paul II. ist selig!“, rief der Papst am Sonntag unter dem Jubel der Tausenden Pilger auf dem Petersplatz. Viele sanken betend auf die Knie. Andere vergossen Tränen der Rührung, als ein Porträt Karol Wojtylas an der Fassade des Petersdoms enthüllt wurde. Schon bei dessen Beerdigungsfeier am 8. April 2005 hatten Millionen Gläubige tief bewegt gefordert: “Santo subito“ (Sofort heilig).

Johannes Paul II: Einblicke in sein Leben

Johannes Paul II: Einblicke in sein Leben  

Bei der Begräbnisfeier sei bereits der “Duft seiner Heiligkeit“ zu spüren gewesen, sagte Benedikt am Sonntag. Deshalb habe er gewollt, dass der Prozess der Seligsprechung seines Vorgängers zwar vorschriftsmäßig, aber “ziemlich rasch“ vorangehen konnte. Der deutsche Pontifex hatte den Ruf der Gläubigen erhört und nach nur knapp drei Monaten den Prozess der Seligsprechung eingeleitet. Normalerweise kann dieser erst fünf Jahre nach dem Tod beginnen. “Heute ist der erwartete Tag gekommen“, rief Benedikt den Massen zu, “er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat.“

ARCHIV - Papst Johannes Paul II. winkt am 25.12.2002 in der Vatikanstadt den Gläubigen zu.

Über eine Million Pilger hatten sich für den feierlichen Akt bei zunehmend sonnigem Wetter in Rom eingefunden. Unter ihnen waren etwa 90 hochrangige Delegation aus aller Welt, 16 Präsidenten und Vertreter von 5 Königshäusern. Allein auf dem stark gesicherten Gelände direkt vor dem Petersdom wurden etwa 80 000 Pilger gezählt. Wer auf der erst in den frühen Morgenstunden geöffneten Piazza San Pietro keinen Platz fand, konnte die Seligsprechung auf einem von 14 Großbildschirmen auf zentralen Plätzen der Ewigen Stadt verfolgen.

“Dieser beispielhafte Sohn der polnischen Nation hat den Christen auf der ganzen Welt geholfen, keine Angst zu haben, sich Christen zu nennen, zur Kirche zu gehören und vom Evangelium zu sprechen“, hob Joseph Ratzinger hervor. Er nahm selbst die Seligsprechung seines früheren Mentors vor. Damit schrieb erstmals ein Papst seinen direkten Vorgänger in das Buch der Seligen ein.

Seligsprechung von Johannes Paul II. - die Bilder aus Rom

Seligsprechung von Johannes Paul II. - die Bilder aus Rom

Im Januar hatte der Vatikan den Weg für die Seligsprechung freigemacht, indem er die angebliche Wunderheilung Johannes Pauls an der französischen Nonne Marie Simon-Pierre anerkannte. Sie litt wie er an Parkinson. Die Nonne nahm prominent an der Messe vor dem Dom teil.

“Er hat die Gesellschaft, die Kultur, die Bereiche der Politik und der Wirtschaft für Christus geöffnet“, so Benedikt. Wojtyla habe mit der Kraft eines Riesen daran gewirkt, “uns die Kraft wiederzugeben, an Christus zu glauben“. Benedikt ging ausdrücklich auf das Wirken des Polen gegen Kommunismus und Sowjetideologien vor dem Fall der Mauer ein.

Etwa 100 000 Pilger hatten bereits am Samstagabend mit einer mehrstündigen Gebetswache im antiken Circo Massimo des beliebten Polen gedacht. Bei noch ungemütlichem Wetter waren auffallend viele junge Leute in die einstige Arena für Wagenrennen gekommen. Benedikt hatte sich mit einer Gebetsbotschaft an die Gläubigen gewandt. Die französische Nonne berichete von ihrer Heilung. Acht römische Kirchen waren die ganze Nacht über für die angereisten Pilger geöffnet geblieben.

Von Hanns-Jochen Kaffsack und Katie Kahle, dpa

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