Nach Kuh-Urteil

Österreichische Landwirte greifen zu drastischen Maßnahmen

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Almkuh
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Tirol - Die Verurteilung eines Tiroler Landwirts schlägt Wellen bei Almbesitzern und Wanderern: Viele Bauern haben bereits drastische Schritte ergriffen.

Ein tragisches Ereignis, das sich im Juli 2014 auf einer Alm im Stubaital in Österreich ereignete, erhitzt derzeit die Gemüter von Landwirten und Wanderern gleichermaßen. Bei einer Wanderung war eine 45-Jährige aus Rheinland-Pfalz tödlich verunglückt. Sie war mit ihrem Hund unterwegs, als sie von 20 Kühen und Kälbern angegriffen und zu Tode getrampelt wurde. 45 Minuten lang versuchten Helfer, die Frau zu reanimieren - erfolglos

Die ermittelnde Polizei ging davon aus, dass die Kuhherde den Hund der Wanderin als Gefahr wahrnahm und deshalb attackierte. Die Staatsanwaltschaft stellte noch im selben Jahr die Ermittlungen ein, doch die Hinterbliebenen der Frau strebten einen Zivilprozess an, in dessen Rahmen sie knapp 490.000 Euro Schadensersatz von dem Landwirt, der die Alm betreibt, forderten. Das Urteil wurde Ende Februar im Sinne der Kläger ausgesprochen, der Landwirt soll zahlen. Die hohe Geldsumme könnte eine echte existenzielle Bedrohung für den Landwirt werden

Mehrfach habe der Landwirt auf Schildern auf die Mutterkuhhaltung und die damit verbundenen Gefahren hingewiesen, berichtete das ORF Tirol. Dennoch: Der Anwalt der Familie beharrt darauf, dass der Landwirt die Tiere von den öffentlichen Wanderwegen hätte fernhalten müssen. Das bedeutet, dass in Zukunft die Viehhaltung auf Almen nur noch in eingezäunten Weiden möglich sein könnte.

Der Bauer selbst will nun Berufung einlegen. Die Folgen für Viehhalter in den Alpen seien massiv, sollte das Urteil rechtskräftig werden, so der Anwalt des Angeklagten. 

Große Sorge bei österreichischen Landwirten

Einige Landwirte fühlen sich von dem Urteil bereits in die Enge getrieben und versuchen ähnliche Konsequenzen mit einem drastischen Schritt zu umgehen. Wie krone.at berichtet, haben einige Almbetreiber bereits Wanderwege, die über Almen führen, für die Öffentlichkeit gesperrt. Das dürfte vielen Wanderlustigen gar nicht schmecken. 

Krone.at erklärt, dass die Rechtslage auf der Seite der Bauern steht. Das freie Wegerecht gelte nur für den Wald, nicht für Weideflächen. Wenn die Sperrungen von Wanderwegen also weiter durchgesetzt werden, könnten einige Wanderziele in Zukunft gar nicht mehr erreichbar sein

Bauernbund-Präsident Georg Strasser befürchtet das Aus für den österreichischen Almbetrieb, sollte das Urteil in Kraft treten. Almbesitzer Thomas Seebacher beispielsweise, kündigte auf Facebook die Sperrung aller öffentlichen Wege auf seiner Alm an: "Ab sofort gilt auf meinen Almflächen im Nockgebiet für Jedermann/Frau und Hund ein absolutes Betretungsverbot!" Er könne sich ein Urteil, wie das vom Landgericht Innsbruck schlichtweg nicht leisten. 

Facebook-Nutzer beweisen Verständnis für seine Reaktion. "Absolut verständlich!", schrieb eine Nutzerin unter seinen Post, eine andere erklärt: "Vollkommen richtige Reaktion."

jv

Quelle: rosenheim24.de

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