Neuer Rückschlag im Kampf gegen Ölpest

Nachdem das Bohrloch im Golf von Mexiko verschlossen ist, sickert jetzt an anderer Stelle Öl aus dem Meeresgrund.

Washington - Hat BP wieder einmal zu früh Optimismus verbreitet? Zwar haben die Experten das Bohrloch verschlossen. Doch jetzt sickert an anderer Stelle Öl aus dem Meeresgrund. Es herrscht Ratlosigkeit.

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Matthias Reich von der TU Bergakademie Freiberg hatte am Freitag in einem dpa-Expertengespräch gesagt, dass das Bohrloch noch längst nicht endgültig unter Kontrolle sei. “Eine echte Lösung des Problems bieten nur die Entlastungsbohrungen, die bereits Anfang Mai begonnen wurden und nun kurz vor der Vollendung stehen. Sie verschließen die Lagerstätte direkt am Herd des Problems in vier Kilometer Tiefe unter dem Meeresboden.“ Auch nach drei Monaten Ölkatastrophe am Golf von Mexiko reißt die Pannenserie nicht ab. In der Umgebung des verschlossenen Bohrlochs entweicht Erdöl aus dem Meeresboden, wie die Einsatzleitung der Regierung mitteilte. Außerdem sammelt sich möglicherweise Methangas über dem Bohrloch. Das wäre ein herber Rückschlag. Zudem warnen die Behörden: In Kürze trifft ein neuer Ölfilm auf die Küste Louisianas.

Nach Angaben der US-Wetterbehörde NOAA erreichen an diesem Mittwoch weitere Fetzen des Ölteppichs die Region um Venice im Bundesstaat Louisiana. Insgesamt sind knapp 900 Kilometer der amerikanischen Golfküste mehr oder weniger verschmutzt, betroffen sind auch Touristenstrände in Florida. Rund ein Drittel der Küstengewässer sind für den Fischfang gesperrt. Seit drei Monaten fließen Tag für Tag bis zu 8200 Tonnen Rohöl ins Wasser.

Ölpest im Golf von Mexiko: Chronologie des Versagens

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Wie viel Rohöl aus dem Meeresgrund sickert, war zunächst nicht bekannt. Auch über ein mögliches Entweichen von Methangas wurden zunächst keine Einzelheiten mitgeteilt. In einer Krisensitzung hatten die Einsatzleitung und BP-Experten noch in der Nacht (Ortszeit) telefonisch über das weitere Vorgehen beraten, heißt es. Nach dem erneuten Rückschlag herrscht Ratlosigkeit - BP sagte eine Pressekonferenz am Montagmorgen (Ortszeit) ab.

Der Konzern hatte erst am Sonntag einen entscheidenden Durchbruch verkündet: Seit gut drei Tagen fließe kein Öl mehr aus dem Bohrloch, der neue meterhohe und tonnenschwere Zylinder habe das Leck in 1500 Meter Tiefe geschlossen. Es war der erste echte Fortschritt nach diversen Fehlschlägen seit dem Unfall auf der Bohrinsel “Deepwater Horizon“ am 20. April.

Zugleich werden Differenzen zwischen BP und der Einsatzleitung über den rechten Weg im Kampf gegen die Ölpest deutlich: BP tendiert dazu, bis zu einer endgültigen Abdichtung der Ölquelle tief unter dem Meeresgrund im August das Bohrloch wenn möglich verschlossen zu halten.

Dagegen fürchtet die Einsatzleitung, die Steigleitung könne der Belastung des Drucks nicht standhalten und befürwortet eher, die Ventile des Zylinders wieder zu öffnen und das ausströmende Öl wie zuvor auf bereitstehende Schiffe abzupumpen. Allerdings sprach auch BP am Montag davon, dass möglicherweise wieder abgepumpt werden müsse. Die Regierung sagte, die Belastungstests sollten erst einmal für 24 Stunden weitergehen.

Matthias Reich von der TU Bergakademie Freiberg hatte am Freitag in einem dpa-Expertengespräch gesagt, dass das Bohrloch noch längst nicht endgültig unter Kontrolle sei. “Eine echte Lösung des Problems bieten nur die Entlastungsbohrungen, die bereits Anfang Mai begonnen wurden und nun kurz vor der Vollendung stehen. Sie verschließen die Lagerstätte direkt am Herd des Problems in vier Kilometer Tiefe unter dem Meeresboden.“

Unterdessen wies BP Berichte zurück, dass der Konzern über einen Verkauf seines Tankstellen-Geschäfts nachdenke, um sich Geld für die Kosten zur Bekämpfung der Ölpest zu besorgen. “Das sind nur Gerüchte und Spekulationen“, sagte ein Sprecher in London. Die “Sunday Times“ hatte berichtet, BP habe mit seinen wichtigsten Anteilseignern über mögliche Umstrukturierungen des Unternehmens gesprochen. Dazu gehöre auch der Verkauf der Raffinerien und Tankstellen. BP hat bislang rund 3,5 Milliarden US-Dollar (2,7 Mrd. Euro) für die Bekämpfung der Öl- Katastrophe ausgegeben.

dpa

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