Auf Malle ist die Fußballhölle los

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Auf Malle feiern die deutschen Fans ausgelassen ihre Mannschaft. Doch spätestens im Halbfinale gegen Spanien wird's schwierig.

Palma de Mallorca - Auf Mallorca ist die Fußballhölle ausgebrochen. Doch wer welcher Mannschaft im Halbfinale die Daumen drückt ist an wenigen Orten der Welt so komplex wie im siebzehnten Bundesland.

Schwarz-rot-goldene Fähnchen und Menschen im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bestimmen seit Beginn des neuen Sommermärchens das Bild an der Playa de Palma auf Mallorca. Die Einheimischen - sie freuten sich bisher über die Feierlaune ihrer Gäste und gute Umsätze in den Kneipen. Doch spätestens mit dem Halbfinale an diesem Mittwoch (20.30 Uhr) hat sich die Situation verändert: Nun zittern auch die Mallorquiner mit. Spätestens jetzt drücken sie dem spanischen Team die Daumen.

Mallorquinische Taxifahrer warteten emotionslos in ihren Autos auf Fahrgäste, Kellner bedienten frohgestimmt ihre jubelnden Gäste. So sah das während der bisherigen Spiele der deutschen Mannschaft aus. Und wenn die Spanier spielten, war das weitgehend ähnlich. Das lag mit daran, dass die WM an vielen weitgehend vorbeiging, weil bis auf die Spanien-Spiele die WM überwiegend nur im Bezahlfernsehen übertragen wurde. Andererseits aber wollen die “echten“ Mallorquiner von Spanien meist ohnehin nicht viel wissen - auch wenn selbst die Königsfamilie nach wie vor ihre Ferien auf Mallorca macht. So wundern sich die Touristen nicht nur über die zunehmenden Verkehrsschilder in mallorquinischer statt in spanischer Sprache.

Mallorquiner schwenken um

Inzwischen schwenken die stolzen Mallorquiner um. “Wenn man aber als Einheimischer Emotionen zeigen will, sollte man nicht unbedingt in eine deutsche Enklave gehen“, rät Monti Galmes, Regionaldirektor der Robinson-Clubs in Spanien und Portugal und selbst Mallorquiner. “Mit dem zunehmenden Erfolg der spanischen Mannschaft identifizieren sich immer mehr Einheimische mit dem Mutterland“, meint auch ein Kellner am “Ballermann“.

Dort erwarten die einschlägigen Kneipen mit Großbildfernsehern wieder einen Großkampftag. Doch wer in der Gastronomie arbeiten muss, wird kaum Zeit finden, sich um das Spiel zwischen Spanien und Deutschland zu kümmern. “Ich bin total im Stress“, berichtet der Manager im Partytempel “MegaPark“, Andy Bucher, am Telefon. “Das Fernsehen überträgt von hier schon mittags “live“.“ Bis zu 8000 Besucher erwartet Bucher, und auf der Homepage erwartet das Unternehmen “massiven Besucherandrang, der in dieser Dimension bis heute unbekannt war“.

Ähnliches berichtet Sänger und Entertainer Peter Wackel aus dem “Bierkönig“ an der Schinkenstraße. “Hier ist die Fußballhölle ausgebrochen - Fußballtourismus, wie es ihn noch nie gab.“ Und längst haben viele mallorquinische Taxifahrer spanische Fahnen an ihren Wagen. “Wenn ich bei mir zu Hause aus dem Fenster sehe, sehe ich plötzlich an vier Häusern spanische Flaggen - die gab es hier vorher nicht“, sagt Wolfram Seifert, Autor und früherer Chef des “Mallorca-Magazins“. “Die Mallorquiner besinnen sich, dass sie Spanier sind.“

dpa

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