Machtkampf in der Elfenbeinküste geht weiter

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Kapstadt/Abidjan  - Das Blutvergießen in der Elfenbeinküste geht weiter. In Abidjan verteidigten Kräfte des noch amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo erfolgreich ihre Stellungen.

Die Anhänger des Wahlverlierers konnten auch wieder die Kontrolle über das Fernsehen erobern. Allerdings dominieren die Truppen des Wahlsiegers Alassane Ouattara das westafrikanische Land weitgehend. Am Samstag wuchs die Furcht vor neuen Gewaltausbrüchen in dem Vielvölkerstaat im Westen Afrikas. Die Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen seien enorm, berichtete Kelnor Panglung, ein Sprecher des Roten Kreuzes in Abidjan. "Es gibt viel Angst." Aus dem ganzen Land kämen Berichte über gewaltsame Übergriffe und blutige Konfrontationen, über Tote und Verletzte, sagte er dem Fernsehsender BBC. Kelnor Panglung und andere Rot-Kreuz-Mitarbeiter hatten am Donnerstag in Duekoue im Westen des Landes Massengräber gefunden. "Es war schockierend und entsetzlich", so Kelnor Panglung. Etwa 800 Menschen seien in dem Ort vermutlich am Dienstag getötet worden. Über die näheren Umstände bestehe noch Unklarheit. "Die Zahl der Verletzten ist extrem beunruhigend", erklärte auch Renzo Fricke von der Organisation Ärzte ohne Grenzen am Samstag über die Lage im Land. Die Spannungen in den verschiedenen Orten seien "außerordentlich groß". Das Präsidialamt in Paris nannte die Berichte über die Gewalt gegen Zivilisten in der Elfenbeinküste "sehr besorgniserregend". Frankreich fordere von Ouattara und allen Parteien in dem Land "größte Zurückhaltung und strikte Vermeidung von jeglicher Gewalt gegen Zivilisten". Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte in einem Telefongespräch mit Ouattara am Freitagabend betont, dass die Verantwortlichen für Gewaltakte zur Rechenschaft gezogen würden. Die UN hatte vor Bekanntwerden der Zahlen aus Duekoue geschätzt, dass der Machtkampf in der Elfenbeinküste bisher etwa 500 Todesopfer gefordert habe. Etwa eine Million Menschen sind demnach auf der Flucht. Der Menschenrechtsexperte der UN-Mission in der Elfenbeinküste UNOCI meinte, das derzeit "keine der beiden Seiten die Menschenrechte respektiert". Für die kommenden Tage werden weitere Kämpfe erwartet. Ein Sprecher Ouattaras meinte laut BBC, der eigentliche Angriff auf Gbagbo werde derzeit erst vorbereitet. Der internationale Druck auf Gbagbo, zurückzutreten, zeigte bis Samstag keine Wirkung. Nach der EU und den USA forderte am Freitag auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den abgewählten Präsidenten auf, die Macht an seinen gewählten Nachfolger abzugeben. Beide Konfliktparteien sollten Zurückhaltung üben, verlangte Ban in einer Erklärung. Die französischen Truppen und die Blauhelme der UN-Mission UNOCI hatten am Freitag ihre Präsenz in den Straßen von Abidjan verstärkt. Auf dem französischen Militär-Stützpunkt Port-Bout in der Nähe des Flughafens von Abidjan haben bis Samstag über 1400 ausländische Zivilisten Zuflucht gesucht. Gbagbo, der bei den Wahlen im November verloren hatte, will nach den Worten seines Vertrauten Alain Toussaint "lieber sterben als aufgeben". Dies sagte er dem französischen Fernsehsender "I-Télé". Unklar war auch am Samstag der Aufenthaltsort des 65-Jährigen Gbagbo. Der abgewählte Präsident befindet sich nach Einschätzung seiner Gegner entweder im Präsidentenpalast oder seiner Residenz in Abidjan. In den vergangenen Tagen hatten die Streitkräfte der Elfenbeinküste ihre bisherige Loyalität zu Gbagbo aufgegeben. Er verfüge nur noch über etwa 2000 Mann aus Republikanischer Garde und bewaffneten Studenten, hieß es in Abidjan.

dpa

Quelle: rosenheim24.de

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