Fahrzeuge in drei Jahren marktreif

Über 30 Meter lange Busse? Kasseler Firma will Straßenbahnen auf Gummirädern möglich machen

+
Die Gelenksysteme des Kasseler Unternehmens Hübner machen überlange Busse gelenkig.
  • schließen

Der Kasseler Bahnindustrie-Zulieferer Hübner arbeitet derzeit an einer elektronischen Lenkung für Busse, die mehr als 30 Meter lang sind. In drei Jahren sollen  die Fahrzeuge marktreif sein. 

Rund zwei Drittel der Menschen weltweit werden laut Prognosen im Jahr 2050 in Städten leben. Die fortschreitende Urbanisierung erfordert neu gedachte Mobilitätslösungen. Der Transport der Menschen muss schnell, komfortabel, kosteneffizient und umweltschonend vonstattengehen. 

Der Kasseler Bahnindustrie-Zulieferer Hübner setzt daher verstärkt auf Busse, die mehr als 30 Meter lang sind – vorstellbar wie Straßenbahnen auf Gummirädern. Auf der weltgrößten Messe für Busverkehr, der Busworld Europe in Brüssel, stellte das Unternehmen, das Weltmarktführer für Übergangssysteme für Busse und Bahnen ist, jetzt eine neu entwickelte elektronische Lenkung für die sogenannten High-Capacity-Busse vor.

Erste Versuche gab es schon - Ab kommende Jahr soll Praxistest folgen

Ab dem nächsten Jahr soll sie gemeinsam mit einem Bushersteller in die Praxis umgesetzt werden. Einen Versuchsstand hat Hübner bereits beim Fraunhofer-Institut IVI in Dresden umgesetzt. Damit werden Fahrten simuliert und die Funktion von Lenkung und Achse überprüft. Einen marktreifen High-Capacity-Bus hofft das Unternehmen, in drei Jahren entwickelt zu haben.

Hübner möchte das System erst anbieten, wenn es sicher ist

Hübner setzt verstärkt auf Fahrzeuge von über 30 Metern Länge wie auf dieser Zeichnung abgebildet.

„Die große Herausforderung bei der Entwicklung ist nicht, einen langen Bus mit mehreren Gelenken um Kurven zu lenken“, sagt Uwe Bittroff, Leiter der Sparte Übergangssysteme für Straßenfahrzeuge. Die dafür notwendigen Berechnungen gebe es schon. 

Die Hürde bestehe stattdessen in der Entwicklung eines Systems, das bei unvermeidbaren Störungen weiterhin beherrschbar bleibe. „Wenn eine von sechs oder mehr Achsen Probleme bereitet, darf keine Gefährdungssituation entstehen“, erläutert er. Hübner werde das Produkt erst anbieten, wenn es ausreichend sicher sei.

Schnelle Lösungen für die Erhöhung der Kapazität in Bussen ist gefragt

Bislang seien maximal Doppelgelenkbusse in sogenannten Bus Rapid Transit-Systemen im Einsatz, die – vor allem im Ausland – bis zu 27 Meter lang seien, sagt Bittroff. „In jüngster Zeit ist jedoch zu beobachten, dass Verkehrsunternehmen auch mit Doppelgelenkbussen an ihre Kapazitätsgrenze stoßen.“ Es müsse also relativ schnell eine Lösung für die notwendige Erhöhung der Kapazität gefunden werden.

„Wenn die Infrastruktur nicht vorhanden ist, sind Straßen- und Stadtbahnsysteme zum einen sehr teuer, zum anderen aber auch nicht schnell zu realisieren“, ergänzt Hübner-Geschäftsführer Helge Förster. Bei einem Bussystem hingegen könne dies schon in drei bis fünf Jahren klappen.

Weltweit beschäftigt die Hübner-Gruppe 3300 Mitarbeiter, davon 1100 in Kassel. Neben dem hiesigen Hauptsitz hat das Unternehmen mehr als 30 Standorte rund um den Globus aufgebaut.

Zurück zur Übersicht: Welt-News

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT