Haiti-Beben: Chaos, Tod und Verzweiflung 

Port-au-Prince - Haiti ist vom schwersten Erdbeben seit über 200 Jahren erschüttert worden. Der haitianische Ministerpräsident Jean-Max Bellerive rechnet mit mehr als 100.000 Toten.

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Mit verheerender Wucht traf der Erdstoß der Stärke 7,0 den bitterarmen Karibikstaat und ließ tausende Gebäude wie Kartenhäuser einstürzen. Während das Ausmaß der Katastrophe noch gar nicht abzuschätzen war, liefen am Mittwoch in Deutschland und anderen Ländern bereits erste Hilfsmaßnahmen an. Tausende Überlebende versammelten sich nach dem Beben auf öffentlichen Plätzen, sangen religiöse Lieder oder weinten. Verstörte Menschen kletterten über Ruinen und liefen ziellos durch die Straßen. Mit bloßen Händen wurde versucht, Eingeschlossene zu befreien. Von Trümmern Erschlagene lagen auf den Straßen und Bürgersteigen, Schwerverletzte riefen nach ärztlicher Hilfe - doch die war kaum vorhanden. Später bahrten die Menschen Todesopfer am Straßenrand auf. Unter den Toten ist auch der Erzbischof von Port-au-Prince, Joseph Serge Miot, wie ein französischer Priester berichtete.

Hunderte Tote und etliche Häuser zerstört

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Hilfsorganisationen warnten, Haiti sei wegen seiner großen Armut nicht für eine derartige Katastrophe gerüstet. “Die Krankenhäuser sind mit all diesen Opfern überfordert“, mahnte der Arzt Louis-Gerard Gilles. Die Infrastruktur und medizinische Versorgung in Haiti galt schon vor der Katastrophe als mangelhaft. Der haitianische Ministerpräsident Jean-Max Bellerive rechnet nach dem Erdbeben in dem Karibikstaat mit mehr als 100.000 Toten. “Ich glaube, wir sind bei weit über 100.000“, sagte Bellerive am Mittwoch dem Fernsehsender CNN. Er fügte allerdings hinzu, er hoffe, dass er sich irre. Auf welcher Grundlage er zu seiner Einschätzung gelangte, sagte Bellerive nicht.

Bei dem Erdbeben ist nach Angaben der Vereinten Nationen auch das größte Gefängnis der Hauptstadt Port-au-Prince zerstört worden. Offenbar seien mehrere Insassen entkommen, sagte UN-Sprecherin Elisabeth Byrs am Mittwoch in Genf.

Bis zu drei Millionen Menschen brauchen Hilfe

Das Internationale Rote Kreuz geht von bis zu drei Millionen Betroffenen aus, die Hilfe benötigen - das wäre jeder dritte Bewohner. Genauere Schätzungen zum Ausmaß der Zerstörung könnten frühestens am Donnerstag vorliegen, erklärte das Rote Kreuz. Vom Präsidentenpalast bis zu den Hütten in den Vorstadtslums stürzten tausende Gebäude ein, darunter nach Augenzeugenberichten auch Krankenhäuser und eine Schule. Nach Angaben des Malteser Hilfsdienstes riss eine Schlammlawine ganze Armenviertel in die Tiefe.

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Die Luft war auch noch Stunden nach dem Beben voller Staub der eingestürzten Gebäude, bei deren Bau sich in dem seit Jahren politisch instabilen Land kaum jemand um Vorschriften gekümmert hat. Besonders betroffen ist die zwei Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Port-au-Prince. Auch das Hauptquartier der UN-Mission in Haiti stürzte ein, über 100 Menschen, darunter der Missionschef, wurden vermisst. Entgegen ersten Augenzeugenberichten ist der größte Flughafen Haitis laut UN doch voll funktionsfähig - eine wichtige Erleichterung für die anrollende internationale Hilfe.

1,5 Millionen Euro Soforthilfe aus Deutschland

Die Bundesregierung stellte rund 1,5 Millionen Euro Soforthilfe bereit. Hilfsorganisationen aus Deutschland und anderen Ländern stellten Lieferungen zusammen. Bundespräsident Horst Köhler übermittelte sein Beileid, US-Präsident Barack Obama sagte, seine Gedanken und Gebete seien bei den Menschen in Haiti. Papst Benedikt XVI. und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon baten um Hilfe für die Opfer. Deutsche Hilfsorganisationen riefen die Bundesbürger zu Spenden für die Erdbebenopfer auf. Für erste Hilfsmaßnahmen stellt die “Aktion Deutschland Hilft“, ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen, aus seinem Nothilfefonds 100.000 Euro zur Verfügung. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bereitete den Einsatz eines mobilen Krankenhauses vor.

Mit einer Stärke von 7,0 war das Beben, das sich am Dienstag um 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 Uhr MEZ) ereignete, nach Angaben der US-Erdbebenwarte das schwerste in Haiti seit 1770. Das Zentrum lag 15 Kilometer westlich von Port-au-Prince in einer Tiefe von 8.000 Metern. Es gab mindestens sechs Nachbeben mit Messwerten von mehr als 4,5. In der benachbarten Dominikanischen Republik, die sich mit Haiti die Insel Hispaniola teilt, wankten zwar Häuser, Berichte über Schäden in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion gab es aber nicht. Touristen waren nicht betroffen. Auch im Osten Kubas bebte die Erde. 

dapd

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