EU fordert striktes Vorgehen gegen Kinderhandel

Brüssel - In Europa verschwinden jährlich hunderte Kinder aus Flüchtlingszentren. Das geht aus einem Bericht über Menschenhandel hervor, der von der EU-Grundrechteagentur vorgestellt wurde.

In Irland und Tschechien seien seit der Jahrtausendwende jährlich rund 50 Kinder aus Aufnahmelagern verschwunden, in den Niederlanden, Schweden und Großbritannien sogar mehrere hundert pro Jahr, heißt es in dem Bericht. In Ungarn seien allein im Jahr 2005 mehr als 1.800 minderjährige Flüchtlinge verschwunden.

Aus den übrigen EU-Staaten lägen keine vergleichbaren Zahlen vor, schreibt die Grundrechteagentur. Medienberichten zufolge seien im vergangenen Jahr allerdings in Italien aus dem Flüchtlingslager auf der Insel Lampedusa rund 400 Kinder verschwunden.

Die Grundrechteagentur sieht die Gefahr, dass viele dieser Minderjährigen für Kinderarbeit oder als Prostituierte eingesetzt werden. Sie fordert deshalb die Einrichtung spezieller Aufnahmelager für Kinder. “Kinder würden nicht so oft aus Aufnahmeeinrichtungen verschwinden, wenn sie ein Vertrauensverhältnis zu den Verantwortlichen aufbauen könnten“, erklärte der Direktor der Grundrechteagentur, Morten Kjaerum. Dazu müsse minderjährigen Flüchtlingen die Möglichkeit eingeräumt werden, im Land zu bleiben und zur Schule zu gehen. In Deutschland haben illegal eingewanderte Minderjährige keinen Rechtsanspruch auf Bildung.

Bleiberecht für Opfer von Menschenhandel gefordert

Die Grundrechteagentur forderte überdies ein Bleiberecht für Kinder, die Opfer von Menschenhandel sind. In Deutschland und den meisten anderen EU-Staaten werde das Aufenthaltsrecht nur dann erteilt, wenn die Betroffenen mit Polizei und Justiz kooperierten, heißt es in dem Bericht.

Eine solche Zusammenarbeit könne für die Kinder aber sehr riskant sein, weil die Ermittlungen fehlschlagen und sie erneut ihren Peinigern in die Hände fallen könnten. Wie viele Minderjährige gezielt von Menschenhändlern in die EU eingeschleust würden, sei unklar, heißt es in dem Bericht.

ap

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