Gesundheitsgefahr Verschwörungstheorien

Studie enthüllt: Corona-Gerüchte kosten Hunderten das Leben - auch staatliche Maßnahmen können schaden

Gehen gerne auf Demos und leben lebensgefährlich: Verschwörungstheoretiker.
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Gehen gerne auf Demos und leben lebensgefährlich: Verschwörungstheoretiker.

Die Coronavirus-Pandemie wird begleitet von einer Informationsflut in den sozialen Medien - Fehlinformationen haben bereits Hunderten das Leben gekostet, so eine Studie.

  • Eine internationale Studie beschäftigt sich mit Gerüchten, Fehlinformationen und Verschwörungstheorien aus sozialen Medien rund um das Coronavirus*.
  • Das Ergebnis zeigt Erschreckendes: Mehrere Tausend Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, weil sie Falschinformationen aufgesessen waren.
  • Auch von Todesopfern ist die Rede - die Autoren haben einen Appell an Regierungen.
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* und eine Karte zu den aktuellen Fallzahlen in Deutschland.

Sydney/München - Im Zuge der Corona-Krise haben sich, ebenso schnell wie das Virus selbst, Informationen und Gerüchte dazu rund um den Globus verbreitet. Wissenschaftler bezeichnen es als „Infodemie“, wenn ein Informationsüberfluss herrscht - und sich Gerüchte unter Fakten mischen. Schon aus der Ebola-Epidemie im westlichen Afrika war bekannt, dass Fehlinformationen zu Ausgrenzung und Gewalt führen können, aber auch Menschenleben kosten - beispielsweise, als das Ebolavirus selbst in sozialen Medien zur Falschmeldung erklärt wurde und das medizinische Personal zu Krankheitsüberträgern.

Eine internationale Gruppe von Sozialwissenschaftlern, Medizinern und Epidemiologen untersuchte jetzt 2311 Posts von Websiten und in sozialen Medien aus 87 Ländern, die sich mit der Krankheit, Übertragungswegen und Heil- und Gegenmitteln beschäftigten. Das Ergebnis zeigt, dass Gerüchte und Fehlinformationen Leben kosten können - und mitunter abstruse Züge annehmen.


Coronavirus-Verschwörungstheorien und Mythen: 800 Menschen sterben, nachdem sie reinen Alkohol trinken

Etwa 800 Menschen seien gestorben, weil sie dem Mythos aufgesessen waren, dass das Trinken von reinem Alkohol das Virus abtöten könne - über 5000 Menschen hätten deshalb weltweit ins Krankenhaus gemusst, mehr als 60 seien erblindet. Doch auch vermeintliche Heilkräuter können Schaden anrichten: So wurden 12 Menschen in Indien krank, nachdem sie einen Likör aus den giftigen Samen der Datura-Pflanze getrunken hatten.

Das Gefährlichste an Verschwörungstheorien ist der Vertrauensverlust zu Politik und Medizin: Auch die Folgen davon, etwa das Missachten von Richtlinien oder das Ablehnen medizinischer Hilfe, können der Gesundheit schaden. Allerdings scheinen die direkten Auswirkungen von Verschwörungstheorien auf die Gesundheit in dieser Studie weit hinter den Auswirkungen von Gerüchten und Mythen zu liegen.

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Coronavirus-Verschwörungen und Fehlinformationen: Südkoreanische Kirche infiziert versehentlich 100 Gläubige

In Südostasien hätten viele Menschen aus Angst vor Stigmatisierung ihre Symptome oder Kontakte zu Infizierten bei Besuchen in Krankenhäusern verschwiegen - was zur Infektion vieler medizinischer Angestellter geführt habe. Doch es sei nicht nur das Fehlverhalten von einzelnen gewesen, dass zur Ausbreitung des Virus geführt habe: So habe eine Kirche in Südkorea die Gläubigen während einer Messe als Vorbeugung mit einem Salzwasserspray in den Mund gesprüht: Da aber einer der ersten, der das vermeintliche Gegenmittel empfing, infiziert war, endete diese Messe mit über 100 Infektionen.

Die Autoren geben zu bedenken, dass auch politische Maßnahmen immer zwei Seiten haben: So hätten die schnell eingeführten Lockdowns in vielen Ländern weltweit hätten zu Panikkäufen geführt - und der Ausverkauf von etwa Handdesinfektionsmitteln könne so dazu beigetragen haben, dass mehr Menschen ins Krankenhaus mussten als andernfalls nötig gewesen wäre. Also können auch Fehlinformationen auf gesellschaftlicher Ebene gesundheitliche Gefahren mit sich bringen.

Angesichts von Millionen- und Milliardendeals um Impfstoffe und Arzneimittel zwischen Regierungen und Pharmakonzernen, die die viele Länder außen vorzulassen scheinen, machen sich viele wohl zurecht Gedanken darüber, ob es andere Heilmethoden geben wird - das Vorziehen von Gerüchten sollte aber nicht zur Strategie werden. Die Autoren der Studie empfehlen deshalb Regierungen und Organisationen, die Ausbreitung von Fehlinformationen ernst zu nehmen und durch klare Kommunikation entgegenzuwirken.

(kat/*Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks)

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