Breivik probte mit "Modern Warfare"

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Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat zu Beginn des vierten Prozesstages zum ersten Mal auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechtem Arm verzichtet.

Oslo - Große Überlebenschancen hatte sich Anders Behring Breivik bei seinen Attentaten im vergangenen Jahr in Oslo und auf der Insel Utöya nach eigenen Angaben nicht ausgerechnet.

Mit Computerspielen habe er sich lange auf eine Konfrontation mit bewaffneten Polizisten vorbereitet, sagte der 33-Jährige am Donnerstag vor Gericht. Neben der Explosion im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt habe er ursprünglich zudem weitere Bombenanschläge in Erwägung gezogen, sagte der geständige Attentäter am vierten Prozesstag. Den Plan verwarf er demnach aber wegen seiner Komplexität.

Breivik-Prozess: Hier ist der Mörder zu Tränen gerührt

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Als weitere Anschlagsziele in Oslo habe er zunächst auch die Zentrale der regierenden Arbeiterpartei und möglicherweise das Königsschloss ausgemacht, sagte Breivik. Im Anschluss an die drei Explosionen wollte er seinen eigenen Angaben zufolge dann mehrere Massaker mit Schusswaffen ausführen. Den Plan habe er aber verworfen, als er gemerkt habe, das schon das Herstellen von nur einer Bombe “viel komplizierter war, als ich es gedacht hatte“.

In dem am 22. Juli 2011 schließlich umgesetzten Plan habe er kaum damit gerechnet, Oslo lebend verlassen zu können, sagte Breivik weiter. Er habe erwartet, dass er auf dem Weg aus der Stadt heraus zum Jugendlager auf Utöya auf bewaffnete Polizisten stoßen werde. “Ich schätzte meine Überlebenschance auf weniger als fünf Prozent“, sagte er zu Beginn des Verhandlungstages.

Vorbereitung mit Computerspielen

Um sich auf ein solches Szenario vorzubereiten, habe er sich eine einjährige Auszeit genommen, um 16 Stunden täglich das Online-Spiel “World of Warcraft“ zu spielen. Ab 2010 habe er dann gezielt viele Stunden in der Woche mit dem Spiel “Modern Warfare“ verbracht, um ein besseres Gefühl für den Umgang mit Schusswaffen zu bekommen. Der damit verbundene Abbruch sozialer Kontakte habe es ihm erleichtert, sich auf die bereits 2006 als Selbstmord-Operation geplanten Anschläge vorzubereiten.

Breivik wurde noch am Abend der Anschläge von Oslo und Utöya von der Polizei festgenommen und hat die Anschläge bereits gestanden. Die entscheidende Frage in dem auf zehn Wochen terminierten Verfahren wird die Schuldfähigkeit des Angeklagten sein. Zwei Gutachten kamen hier zu gegensätzlichen Ergebnissen.

Norwegen weist deutsche Breivik-Sympathisantin

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Norwegen offenbar eine deutsche Sympathisantin Breiviks ausgewiesen hat. Wie der norwegische Fernsehsender TV2 auf seiner Website berichtete, versuchte die Frau zum Prozessauftakt am Montag in das Gerichtsgebäude in Oslo zu gelangen. Sie sei am Vortag aus Stuttgart angereist und habe für 14 Tage ein Hotel gebucht, um den Prozess zu verfolgen, hieß es. Die Frau soll Briefe an Breivik geschrieben und behauptet haben, dessen Freundin zu sein. Der deutschen Polizei soll sie bekannt sein.

dapd

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