Air-France-Flug 447: Trauer ohne Tote

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Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland,Nikolaus Schneider (vordere Reihe l-r), der Kölner Weihbischof Rainer Woelki, Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee ( SPD ) und der französische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Bernard de Montferrand, sowie der Vorstandsvorsitzende der ThyssenKrupp AG, Ekkehard Schultz (links im Bild), am Samstag in Düsseldorf beim Trauergottesdienst für die Opfer des Fluges Air France 447 in der Johannes Kirche .

Düsseldorf - Nicht alle sprechen von Toten. Bei der Gedenkfeier für die Absturzopfer des Air-France-Fluges 447 reden einige lieber von Vermissten. Das Flugzeug ist “irgendwo im Atlantik“ verschwunden und mit ihm die meisten Opfer.

“Wenn sie einen Toten nicht vor sich haben, ist das Realisieren des Verlustes schwierig - es bleibt ein Rest Hoffnung“, sagt Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das die Hinterbliebenen betreut.

In einem bewegenden Gottesdienst sprechen am Samstag Politiker und Geistliche den Trauernden ihre Anteilnahme aus. “Allen Angehörigen sagen wir, ihr seid mit eurer Trauer nicht alleine“, sagt Pfarrer Ralf Radix. Abgeschirmt von der Presse versammeln sich die Angehörigen vor Beginn des Gedenkgottesdienstes im Foyer der Kirche.

Kerzen brennen in Düsseldorf beim Trauergottesdienst für die Opfer des Fluges Air France 447. Mit einer bewegenden Trauerfeier wurde der Absturzopfer gedacht. 115 Hinterbliebene und zahlreiche Trauergäste nahmen an dem ökumenischen Gedenkgottesdienst teil.

Es ist still hinter der Trennwand. Um kurz vor 11 Uhr betreten Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ( SPD ) und der französische Botschafter Bernard de Montferrand die Kirche, schreiben ins Gedenkbuch und nehmen in der ersten Reihe Platz. Unter Glockengeläut betreten die Angehörigen anschließend gemeinsam das Kirchenschiff, gehen langsam und mit starren Gesichtern an den Bänken vorbei. Die Düsseldorfer Johanneskirche ist bis auf die letzte Reihe gefüllt.

Als die Namen der Opfer bei Klaviermusik verlesen werden, senken sich die Köpfe in den Reihen der Trauernden. “Fassungslos, erschüttert, getroffen bis ins Mark, alleine, hilflos, ohnmächtig stehen wir vor dem, was sich an jenem Pfingstmontag ereignet haben muss“, sagt der Kölner Weihbischof Rainer Woelki.

Während Pfarrer Radix die Namen der Opfer nacheinander ins Mikrofon spricht, entzünden Angehörige von Opfern früherer Flugzeugabstürze 33 Kerzen. Eine für jedes der 28 deutschen Opfer im Unglücksflug von Brasilien nach Frankreich und fünf weitere Kerzen für Opfer, die deutsche Angehörige haben. “33 Kerzen mit 33 Vornamen“. Ein 34. Licht brennt stellvertretend für alle weiteren der insgesamt 228 Opfer der Katastrophe.

“Das Flugzeug ist abgestürzt. Ein einziger Satz, und die Welt für so viele Menschen ist zerbrochen“, sagt Präses Nikolaus Schneider. Einige der Trauernden nicken zustimmend. Bei einem Teil der Betroffenen spiele nun die Frage nach den Verantwortlichen eine große Rolle, sagt Unger am Rande der Trauerfeier. Im Anschluss an den Gottesdienst wird er sich bei einem “Treffen der Vermissenden“ den Fragen der 115 Angehörigen stellen, gemeinsam mit BKA-Beamten und Air-France-Mitarbeitern. Er wird ihnen neben praktischer Unterstützung im Alltag auch anbieten, “Blumen ins Meer zu werfen, an der Stelle wo das Flugzeug abstürzte“.

Denise Donnebaum , dpa

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