Wird Frey neuer ZDF-Chefredakteur?

Peter Frey

München/Mainz - Nach dem Aus für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender wird über dessen Nachfolger gerätselt. Es könnte der Leiter des Hauptstadtstudios Peter Frey werden.

Die Telefonrechnung von ZDF-Chef Markus Schächter könnte im Dezember ein wenig höher ausfallen als gewöhnlich, scherzen seine Mitarbeiter. Denn nach der gescheiterten Vertragsverlängerung für Nikolaus Brender will der 60-Jährige noch vor Weihnachten dem Verwaltungsrat einen neuen Kandidaten für das Amt des Chefredakteurs präsentieren. Es müsste einer sein, der die erforderliche Mehrheit von neun der 14 Stimmen im Verwaltungsrat bekommt.

Schächters Mission ist heikel. Beachtet er die Farbenlehre, müsste er einen Kandidaten vorschlagen, der als Gegengewicht zu Intendant und Programmdirektor, die jeweils mehrheitlich mit den Stimmen der „Schwarzen“ gewählt wurden, dem „roten“ Lager nahe steht. Diese Farbenlehre des eigentlich staatsfernen Funks gibt es zwar offiziell nicht, spiegelt sich aber stets in Personalentscheidungen wider. Zudem hat Schächter mit seinem Eintreten für Brender deutlich gemacht, dass er in erster Linie einen unabhängigen Chefredakteur haben möchte.

Dem Proporzdenken nach hätte die größten Chancen Peter Frey (52), derzeit Leiter des Hauptstadtstudios. Er ist parteilos, käme also für Union und SPD gleichermaßen in Betracht. Nachrücken könnte sein Stellvertreter Peter Hahne (57), der aber genauso wie die Leiterin der Hauptredaktion Innenpolitik, Bettina Schausten (44), dem konservativen Lager zugerechnet wird.

Auch der Name Jörg Schönenborn fiel schon häufiger. Der 45-Jährige ist seit dem Jahr 2002 Chefredakteur des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und gilt als SPD-nah. Auch Brender kam im Jahr 2000 vom WDR zum ZDF. In den Medien wurden in den vergangenen Tagen noch andere Namen ins Spiel gebracht, unter anderem Hanni Hüsch (52), Leiterin des ARD-Studios in Washington, und Dagmar Engel (49), Chefredakteurin der Deutschen Welle. Laut „Bild am Sonntag“ ist auch Matthias Fornoff (46), der ZDF-Büroleiter in Washington, im Gespräch, ferner „Zeit“-Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo (50) und sogar Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust (63).

Ungeklärt ist, wie bei künftigen Personalentscheidungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Politikferne garantiert werden soll, die im Rundfunkstaatsvertrag verankert ist, wenn es letztlich doch die Politiker sind, die über die Besetzung von Posten bestimmen. Die Grünen streben ein Normenkontrollverfahren an, damit das Bundesverfassungsgericht ein für alle Mal klärt, dass die Politik sich rauszuhalten hat aus Personalfragen des Rundfunks.

Carsten Rave

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