Studie stellt kritische Fragen

TV-Talkshows geht's ständig um "Pegida-Themen" 

  • schließen

Berlin - Der Bundestagsabgeordnete Marco Bülow (SPD) hat untersucht, über was in deutschen TV-Sendungen diskutiert wird. Er bemängelt ein "krasses Missverhältnis". 

Im Zeitraum von Oktober 2015 bis zum März dieses Jahres hat Marco Bülow insgesamt 204 politische Talkshows von ARD und ZDF ausgewertet: Die Sendungen Maischberger, Anne Will, Hart aber fair, Jauch und Maybritt Illner. 

Seine Kritik: "Niemand kann rechtfertigen, dass in 1,5 Jahren jede vierte Sendung speziell das Thema Flüchtlinge behandelt und sich fast jede zweite Sendung generell mit dem Themenkomplex Flüchtlinge, Islam, Terror/IS, Populismus/Extremismus befasst hat."

Dagegen sei der Themenkomplex Armut/Ungleichheit nur in sechs Sendungen Thema gewesen, Klimaschutz kam sogar kein einziges Mal in diesen Sendungen als Thema vor (hier geht es zur Untersuchung). Bülow meint: Im Fernsehen wird damit ein Zerrbild gezeichnet. 

In 94 von 204 Sendungen ging es um Themen wie Flüchtlinge, Terror oder Extremismus. Soziale Fragen behandelten dagegen nur sechs der untersuchten Sendungen. 

So rechtfertigen die Sender die Themenauswahl

Wird in den öffentlich-rechtlichen Sendern also ständig nur über islamistischen Terror, Flüchtlinge und Islam diskutiert?

Auf Anfrage von Meedia rechtfertigt sich der WDR, der die Sendung "Hart aber fair" produziert. Die Themenwahl orientiere sich an der aktuellen Nachrichtenlage und dem Informationsbedürfnis des Publikums. Die Flüchtlingskrise sei nun mal über Monate hinweg ein wichtiges öffentliches Thema gewesen. 

Ähnlich argumentiert die Pressesprecherin der Talkshow "Anne Will" gegenüber MEEDIA: "Das Thema Flüchtlinge hat in besagtem Zeitraum die öffentliche Debatte in besonderem Maße bestimmt. Die Themenwahl unserer Sendung war diesem außergewöhnlichen Umstand geschuldet und der aktuellen Nachrichtenlage angemessen."

Prägten Pegida und Co. die Themenauswahl nachhaltig?

Bülow hat dagegen einen anderen Verdacht: "Haben die Attacken und populistischen Angriffe gerade auf die Medien mit dazu geführt, dass die Themenauswahl so einseitig wurde? Bekommt, wer besonders laut schreit am Ende am meisten Aufmerksamkeit?"

Bekannt wurde der kritische Abgeordnete mit seinem Buch: "Wir Abnicker. Über Macht und Ohnmacht der Volksvertreter".

Wollte man also die "Lügenpresse"-Vorwürfe, etwa von Seiten der Pegida-Demonstranten oder der AfD, damit entkräften, dass diese kontroversen Themen überdurchschnittlich oft behandelt wurden

Der SPD-Bundestagsabgeordnete fragt sich zumindest, warum Themen, die "keine starke Lobby haben" und gesellschaftlich abgehängte Gruppen wie Langzeitarbeitslose betreffen, oftmals unter den Tisch fallen. 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: TV & Kino

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser