Vorbild: Casablanca

Trailer zu „Allied – Vertraute Fremde: Mit dem Holzhammer

+
Ihr gemeinsamer Einsatz ist der Beginn ihrer Liebe: die Spione Marianne (Marion Cotillard) und Max (Brad Pitt).

München - „Allied – Vertraute Fremde“ bezieht sich auf das große Vorbild „Casablanca“ und verzettelt sich in seiner Unentschiedenheit

Dieser Film ist ein Zitat. Ach was, drei Zitate! Robert Zemeckis beginnt seinen „Allied – Vertraute Fremde“ mit einer deutlichen Anspielung auf „Casablanca“. Kann nicht viel schiefgehen, wenn von den Besten geklaut wird, sollte man annehmen. So sieht die Spionin Marianne Beausejour (Marion Cotillard) in ihren Seidenblusen im Wüstensand zumindest ebenso proper und elegant aus wie Ingrid Bergman in Michael Curtiz’ Klassiker.

Im pulsierenden, fabelhaft exotischen und ein wenig vom Weltkrieg eingetrübten Casablanca des Jahres 1942 begegnet die schöne Marianne dem schneidigen britischen Kollegen Max Vatan (Brad Pitt). Da in Pitt aber sehr wenig vom virilen Charme Humphrey Bogarts steckt, strauchelt die gesamte Geschichte von „Allied“ hier bereits zum ersten Mal. Pitts eigentümlich verkrampftes Spiel lässt keinen Funken gegenseitigen Begehrens spüren – da mag die formidable Cotillard noch so sehr mit den Augenlidern flattern und jungmädchenhaft lächeln. Eine Liebesgeschichte funktioniert im Kino nur, wenn beide Hauptdarsteller überzeugen können. Pitt aber erweist sich in den entscheidenden Szenen überraschenderweise als kompletter Ausfall. Auch August Diehl darf als böser Nazi genau dieselben Grimassen ziehen wie weiland bei „Inglourious Basterds“. Das passt zwar, aber Innovation sieht anders aus.

Nachdem der Auftrag des Paares in Marokko mit viel Geballere abgewickelt ist, wagt Zemeckis einen Umschwung – vom „James Bond“-haften Actionkino in nordafrikanischen Straßen geht es ins beschauliche London. Mit einem Schlag ist alles sanft in Sepia getönt, und wir finden uns überrascht in einem britischen Nachkriegsfilm wieder. Da gibt es Picknicks auf grüner Wiese, Abende im heimeligen Wohnzimmer, ausgelassene Partys mit Freunden, und Max darf mit liebevollem Blick der kleinen Tochter beim Laufenlernen zusehen. Bis die Stimmung erneut umschlägt und ein dunkler Schatten auf das kleine Glück fällt: Ist Marianne eine Doppelagentin, wie Max’ Vorgesetzte behaupten? Die Spannung, die der Film daraus im letzten Drittel gewinnen kann, hat er bitter nötig. Doch statt den bösen Verdacht langsam wie Gift ins Familienleben einsickern zu lassen und daraus einen subtilen Thrill zu gewinnen, arbeitet der Regisseur lieber mit dem Holzhammer.

In bester US-Actionhelden-Manier nimmt Max sein Schicksal selbst in die Hand und zertrümmert alles, was die auch in diesem wenig fein gearbeiteten Film superbe Marion Cotillard mit ihrem nuancierten Spiel nur geschickt angedeutet hat. In keiner Minute findet „Allied“ in einen überzeugenden, stimmigen Rhythmus. Mal prescht die Geschichte voran, und die Figuren müssen durch die Actionszenen hecheln. Mal holpert sich ein biederes Familiendrama von einer hölzernen Dialogzeile zur nächsten.

Was bleibt am Ende? Tolle Kostüme, bemerkenswert geschickt eingesetzte Effekte und viele verschenkte Chancen auf ein herzwärmendes Leinwandepos.

„Allied – Vertraute Fremde“

mit Brad Pitt, Marion Cotillard, August Diehl, Jared Harris Regie: Robert Zemeckis Laufzeit: 124 Minuten

Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Ihnen „Der englische Patient“ gefallen hat.

Zurück zur Übersicht: TV & Kino

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser