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Terror - Ihr Urteil: Würden Sie töten, um Menschen zu retten?

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Luftwaffen-Major Lars Koch musste eine Entscheidung treffen. Die TV-Zuschauer entschieden am Montagabend über seine Schuld. 
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Im interaktiven Film "Terror - Ihr Urteil" versuchte Staatsanwältin Nelson (Martina Gedeck) in ihrem Plädoyer mit dem "Trolley-Problem" die Zuschauer zu überzeugen.

++ Lesen Sie hier die Twitter-Reaktionen zum Film: ARD wird erst gefeiert, enttäuscht dann aber doch noch ++

Staatsanwältin Nelson berufte sich dabei auf ein bereits in den 1950er-Jahren diskutiertes Gedankenexperiment. Das Szenario bildet ein ähnliches moralisches Dilemma, wie der im Film verhandelte Abschuss der Lufthansa-Passagiermaschine zur Rettung der Stadionbesucher. 

Die Grundfrage lautet: Darf man - und wenn ja unter welchen Umständen - eine kleinere Anzahl von Menschen opfern, um mehr Menschen zu retten? 

Der Rechtsphilosoph Hans Welzel formulierte 1951 das Szenario des "Trolley-Problems" so: 

Ein Güterzug saust auf einer steilen Gebirgsstrecke auf einen kleinen Bahnhof und einen dort stehenden vollbesetzten Personenzug zu. Hunderte Menschen sind in Lebensgefahr. Sie sind der Bahnwärter und erkennen diese Gefahr. Nun könnten Sie den Güterzug durch eine Weichenstellung auf ein Nebengleis umleiten, auf dem sich aber fünf Gleisarbeitern befinden. Das wäre der sichere Tod der Arbeiter - würde aber die Insassen in dem anderen Zug retten. Was würden Sie tun? 

Extremeres Beispiel: Würden Sie auch jemanden direkt töten?

Die US-Philosophin Judith Jarvis Thomson spitzte das Szenario 1976 noch zu. Die Entscheidung fällt dann noch schwerer. 

In Thomsons Beispiel beobachten Sie auf einer Brücke eine außer Kontrolle geratene Straßenbahn, die fünf Personen zu überrollen droht. Stoßen Sie jedoch einen unbeteiligten, fettleibigen Mann von der Brücke, kann die Straßenbahn aufgehalten werden. Der dicke Mann würde dabei überrollt und getötet werden. Er wird jedoch nicht freiwillig springen, Sie müssten ihn zunächst mit einem Messer töten, um ihn dann herunterwerfen zu können. Was würden Sie jetzt tun?

Mehrheit der TV-Zuschauer halten das für nicht strafbar 

Die Mehrheit der TV-Zuschauer entschied sich bei dem Szenario mit dem Passagierflugzeug im ARD-Film "Terror - Ihr Urteil" für einen utilitaristischen Ansatz. Sie argumentieren, dass "das große Ganze" den größeren Nutzen hat. Eine Bestrafung des Luftwaffen-Majors Lars Koch lehnten sie in der Online- und Telefon-Abstimmung mehrheitlich ab.

In dem Szenario im Film war es allerdings so, dass der Tod der 164 Insassen in der entführten Maschine auch dann wahrscheinlich gewesen wäre, wenn der Kampfpilot untätig geblieben wäre. 

Technische Probleme während der Abstimmung sorgten allerdings für Unmut. Die beiden Telefonnummern, über die man für „schuldig“ oder „nicht schuldig“ stimmen konnte, waren permanent besetzt, die Internetseite IhrUrteil.hartaberfair.de fast nicht erreichbar.

Bereits während der Sendung diskutierten die Zuschauer in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #TerrorIhrUrteil mit. Schon dabei wurde die Komplexität des Falls deutlich. Das Szenario eröffnet eine grundlegende ethische Diskussion: Können und dürfen Menschenleben in einer solchen Extremsituation gegeneinander aufgewogen werden? Und wer ist dazu berechtigt, eine solche Entscheidung zu treffen? Auf diese Frage gibt es kein Richtig und Falsch.

Wie ein Kleinkind das Trolley-Problem löst

Auf YouTube findet sich ein Video mit fast neun Millionen Klicks. Es zeigt einen Zweijährigen, der mit dem "Trolley-Problem" konfrontiert wird. Sein Lösungsansatz dürfte jedoch nicht viele Anhänger finden - muntert aber diesen ethisch-philosophischen Ausflug auf: 

„Terror - Ihr Urteil“: Hier sehen Sie das alternative Ende

Wie das alternative Urteil ausgesehen hätte, ist auf der Homepage der ARD zu sehen. Dort veröffentlichte der Sender das zweite mögliche Ende des Films, in dem Koch wegen Mordes in 164 Fällen verurteilt wird.

Alternatives Ende

mg/hey

Quelle: rosenheim24.de

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