Tatort-Kritik: Milchgesicht als brutaler Rächer

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Blasse Figuren: Felix Klare, Richy Müller, Hans-Werner Meyer und Julika Jenkins (v. r.)

Für Rätselraten ist gesorgt beim Stuttgarter "Tatort": Dass ausgerechnet im milchgesichtigen Computerfreak eine brutale Bestie schlummert, erfahren die Zuschauer erst zum Schluss. Lesen Sie hier die Kritik:

Mit einem ungewollten Rempler im Präsidium macht der junge Mann ganz am Anfang auf sich aufmerksam. Doch dass ausgerechnet der milchgesichtige Computerfreak Rico (Johannes Allmayer), der das Polizeiarchiv digitalisieren hilft, am Ende der gesuchte brutale Rächer eines vor Jahren totgefahrenen Mädchens ist, das wissen die Ermittler – und die Zuschauer – erst kurz vor Schluss.

Für Rätselraten ist also wenigstens gesorgt in diesem neuesten Stuttgarter „Tatort“ (ARD) mit dem Titel „Das erste Opfer“. Stephan Brüggenthies, Leo P. Ard und Birgit Grosz haben eine – im Prinzip – gute Geschichte ersonnen, ein klassisches Puzzlespiel, bei dem es gilt, ein Bild zu rekonstruieren, dessen Bruchstücke die spektakulären Morde an einem Bauunternehmer und an einer Gastwirtin sind. Es geht um fragile bürgerliche Biografien, um folgenschwere Jugendsünden, um Schmerz, der nach Sühne schreit.

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Es hätte sich einiges anfangen lassen mit diesem Szenario, doch der Film bleibt an der Oberfläche, er zeigt blasse Figuren in edlem Ambiente, vom Schicksal geprüfte Menschen, die aber die nicht viel zeigen dürfen von ihrem Inneren. Aber die Schauspieler müssen ja auch kapitulieren vor Sätzen wie „Rede mit mir!“ oder „Ich habe getan, was ich tun musste!“ Und die Kamera liefert dazu immer wieder nur die nichtssagende Totale vom Häusermeer der baden-württembergischen Hauptstadt (Regie: Nicolai Rohde).

Wie aufgesagt wirken auch die Dialoge im Team der Kripo, zeitweise fühlt man sich wie in einem Filmfall aus „Aktenzeichen: XY ungelöst“. Zum Glück können sich wenigstens Richy Müller als Hauptkommissar Thorsten Lannert und Felix Klare als sein Kollege Sebastian Bootz aus der Umklammerung des papierenen Drehbuchs befreien. Aber das reicht nicht, aus diesem Plot einen wirklich herausragenden Krimi zu machen.

Rudolf Ogiermann

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