Tatort-Kritik: Die Kunst und der Tod

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Nachdenken über die Vergänglichkeit: Till Ritter (Dominic Raacke).

München - Action und Spannung fand man im "Tatort" am vergangenen Sonntag vergeblich. Dafür gute schauspielerische Leistung und die Frage: Kann man sich den Tod vorstellen?

Lässt er sich erspüren, darstellen, kündigt er sein Kommen an? Der kunsttheoretische Diskurs um Vanitas-Motive und die Bejahung des Lebens, der im aktuellen Berliner „Tatort“ (ARD) geführt wird, scheint zunächst abstrakt. Doch Regisseurin Christine Hartmann und ihrer Autorin Beate Langmaack gelingt es schnell, ihn von der erhabenen Sphäre der hehren Kunst auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

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Die Leiche des Künstlers Hanns Helge (ideal besetzt: Max von Thun) inmitten seines eigenen Kunstwerks erfordert ganz konkrete und nüchterne Ermittlungen durch das bewährte Duo Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic). Und als sich zudem Ritters Onkel Klaus (Thilo Prückner) das Leben nimmt, stehen die Mordkommissare, deren alltägliches Geschäft das Sterben normalerweise ist, selbst ratlos vor der „Unmöglichkeit, sich den Tod vorzustellen“, wie diese Episode passenderweise betitelt ist.

Auf Action und Spannung wartet der Zuschauer zwar vergeblich, doch die durchweg guten schauspielerischen Leistungen, der eine oder andere ironische Seitenhieb auf die Mechanismen des Kunstkonsumbetriebs und Dialoge, die sich angenehm vom üblichen „Wo waren Sie gestern Abend?“-Einerlei unterscheiden, entschädigen dafür allemal.

Melanie Brandl

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