Tatort-Kritik: Wie aus dem Hochglanzprospekt

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Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes)

Konstanz - Manche Bürogemeinschaften halten sich ein Phrasenschwein. Wer ausgelutschte Weisheiten zum Besten gibt, muss es mit Münzen füttern.

Wenn so ein Exemplar auch in der „Tatort“-Redaktion beim SWR steht, dann muss es bei der Arbeit an dem Buch von Susanne Schneider, „Der schöne Schein“ (ARD), schlachtreif geworden sein. Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) ermittelt dieses Mal in einer Schönheitsklinik am Ufer des Bodensees. Und da es sich um das Schweizer Ufer handelt, hat sie zum dritten Mal ihren Lieblingskollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) an ihrer Seite. Wir lernen: „Schönheit vergeht, Weisheit besteht!“ und „Lieber was im Kopf als in der Bluse!“

Die beiden tauchen ein in ein wahr gewordenes Klischee. Die verdächtigen Chirurgen vertreiben sich ihre Zeit mit teuren Yachten und Oldtimern, schicker Architektur, Golfen und diversen Liebesaffären. Als die Klinikchefin erstickt und mit einem Goldfisch im Hals aufgefunden wird, weiß Klara Blum: „Der Fisch stinkt vom Kopf!“ Kurz darauf baumelt der Kollege im Fischernetz am Mast seines Bootes. Na klar: „Mitgefangen, mitgehangen!“

Hier hat jemand Rache geübt, weil bei der Nasen-OP seiner Tochter etwas dramatisch schief lief. Und da die Klinik keinen Gärtner beschäftigt, ist es zum Schluss eben der Hausmeister gewesen. Das platte aber unterhaltsame Buch hat mit René Heisig einen guten Regisseur gefunden, der perfekte Bilder wie aus einem Hochglanzprospekt für querovale Brustimplantate gedreht hat. Für Klara und ihren Reto war es leider der letzte gemeinsame Fall. Aber Klara, nicht traurig sein: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei – das Schweizer Fernsehen wird Reto Flückiger als Kommissar in Luzern zurückbringen.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

Katharina Fuhrin

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