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Stinkefinger: Alles nur ein großer Satire-Coup

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Athen - Dieses Video schlug in den Sozialen Netzwerken ein wie eine Bombe: Jan Böhmermann behauptete, das Stinkefinger-Video mit dem Griechen Varoufakis sei eine Fälschung. Jetzt die Auflösung:

UPDATE 11.20 Uhr: Alles nur Satire

Mittlerweile hat das ZDF zur Böhmermann-Behauptung, dass das Team von "Neo Magazin Royale" den Stinkefinger in das Video reingeschnitten hat, dementiert. Somit ist der Videoausschnitt mit dem griechischen Finanzminister, der in der Sendung von Günther Jauch gezeigt wurde, keine Fälschung und nicht manipuliert.

Unser Portal hatte bereits am Donnerstagmorgen darauf hingewiesen, dass schon seit Februar die komplette Rede von Yanis Varoufakis auf YouTube abrufbar ist und dort die Mittelfinger-Szene enthalten ist (Video siehe weiter unten). Somit bestanden von Anfang an erhebliche Zweifel an der Behauptung Böhmermanns.

ZDF-Programmdirektor Norbert sagte SPIEGEL ONLINE ironisch: "Wir sehen uns gezwungen, das Neo Magazin Royale zukünftig als Satiresendung zu kennzeichnen!"

Die Aktion dürfte dennoch ein Erfolg für Jan Böhmermann und seine Satire-Sendung bleiben. Er sorgte am Donnerstagvormittag für reichlich Verwirrung im Netz.

Erstmeldung vom Donnerstagmorgen:

Was ist nun die Wahrheit? Am Mittwochabend präsentierte Jan Böhmermann in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" einen Beitrag, der darzustellen scheint, dass sein Team das Skandal-Video mit dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis gefälscht hat!

"Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe Bild-Redaktion, einmal bitte tief durchatmen, vielleicht nehmen Sie sich einen Stuhl, setzen sich hin, Sie müssen jetzt ganz ganz stark sein...", mit diesen Worten kündigte Böhmermann seinen Making-of-Film des Stinkefinger-Videos an.

Zu sehen ist dann, wie der Stinkefinger in die Rede von Varoufakis bei einem Auftritt auf einer Konferenz in Zagreb im Jahr 2013 reingeschnitten wurde - von Böhmermanns Team. Angeblich geschah dies bereits vor einigen Wochen

Er bezieht sich dabei auf ein Video, das seine Redaktion Ende Februar produzierte und für das angeblich in die Rede von Varoufakis die obszöne Handbewegung geschnitten wurde, als er das Wort "Stinkefinger" in seiner Rede sagte (Minute 3:43). Tatsächlich aber hätte es die begleitende Handbewegung nicht gegeben, der Arm wäre unten geblieben.

Der Satiriker behauptet somit, die Stinkefinger-Szene, die am Sonntagabend bei Günther Jauch ausgestrahlt wurde und in den Tagen danach für Schlagzeilen und Empörung in Deutschland sorgte, sei eine Fälschung von seinem Team und niemand hätte es gemerkt!

Der griechische Minister war in der Jauch-Sendung mit der Szene konfrontiert worden. Zunächst behauptete Varoufakis, dass das Video eine Fälschung sei. Experten wollten ihm aber danach der Lüge überführen, da sie keinen Fake in dem Video erkennen konnten.

Amüsiert kommentierte Böhmermann: "So sind wir Deutschen. Zweimal ganz Europa verwüstet, aber wenn uns einer den Stinkefinger zeigt, dann flippen wir aus!"

In den Sozialen Netzwerken schlägt das Video ein wie eine Bombe, auch in Griechenland. Es wurde schon nach wenigen Stunden bereits mehr als 300.000-mal auf YouTube angeklickt (Stand 7.10 Uhr).

Hier ist das "Making-of-Video":

Angebliche Original-Aufnahme aber mit "Stinkefinger"

Vermutlich handelt es sich jedoch um Satire und Böhmermann will nur für Verwirrung sorgen. Schließlich gibt es auf YouTube das Video der gesamten Rede, hochgeladen bereits am 12. Februar 2015. Bei Minute 40:32 ist der Stinkefinger eindeutig zu sehen, als sich Varoufakis auf die politischen Ereignisse im Jahr 2010 bezieht:

#varoufake absolutes Twitter-Trendthema

Auf Twitter wird der angebliche Coup von Böhmermann, der damit der deutschen Medienlandschaft den Spiegel vorhalten will, massiv diskutiert.

Unter dem Hashtage #varoufake ist angebliche Fälschung derzeit das bestimmende Trendthema Nummer 1 auf Twitter. Auch Varoufakis meldete sich über den Kurznachrichtendienst schon zu Wort. Humor, Satire und Selbstironie seien ein gutes Mittel gegen blinden Nationalismus. "Wir Politiker brauchen Sie dringend", schrieb er an Böhmermann: 

Zuvor forderte er von der Redaktion von Günther Jauch eine Entschuldigung:

Andere Twitter-Nutzer kommentieren das Video hämisch, mit Verweisen auf den Begriff "Lügenpresse" oder huldigen einfach nur Jan Böhmermann für seinen Coup:

mg

Quelle: rosenheim24.de

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