Anne Will-Sendung am Sonntag

"Das war ein Fehler": Somuncu gegen doppelte Staatsbürgerschaft

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Mal wieder Erdoğan! Erneut diskutierte Anne Will mit ihren Gästen über den türkischen Wahlkampf. Der Aufhänger für die Sendung am Sonntag: Die Geheimdienst-Liste mit den Namen von 358 angeblichen Gülen-Unterstützern in Deutschland. 

Nur zum Ende wird die Diskussion lebhafter, nämlich als es um die deutsche Integrationspolitik ging. Kabarettist Serdar Somuncu sprach sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aus - und das, obwohl er selbst früher sowohl den türkischen und deutschen Pass hatte. "Die doppelte Staatsbürgerschaft ist eine Einladung zu einer gespaltenen Identität", so Somuncu. Die Menschen würden zu einem Spielball der Politik. 

Deutschtürken hätten den Satiriker auf seiner Facebook-Seite als "Handlanger der Deutschen" beschimpfen. "Messen wir das Ergebnis", appellierte der Kabarettist, die doppelte Staatsbürgerschaft habe sich als "ein Fehler" herausgestellt. 

"Affront gegen den Gastgeber"

Somuncu bezeichnete es als "Affront gegen den Gastgeber" Deutschland, dass die Türken hierzulande die Vorteile wie Meinungsfreiheit oder Bildungschancen nutzen, gleichzeitig aber für die Wiedereinführung der Todesstrafe auf die Straße gehen würden. Die Deutschtürken müssten sich entscheiden, wo sie stehen wollen. 

Dieser politische Querpass gegen den Doppelpass wurde dankend von seinem Sitznachbarn, dem Junge Union-Chef Paul Ziemiak, aufgenommen. Ziemiak hatte mit seiner JU im Dezember auf dem Bundesparteitag der CDU - gegen den Willen von Kanzlerin Merkel - ebenfalls einen Beschluss gegen die doppelte Staatsbürgerschaft durchgesetzt. Mit Blick auf die kommende NRW-Wahl gab er zudem den Wahlkämpfer und attackierte die rot-grüne Landesregierung unter Hannelore Kraft. Es sei falsch, dass sie ein Kommunalwahlrecht für alle Ausländer einführen wolle. 

"Das ist keine verlässliche Politik"

Widerspruch dagegen vom niedersächsischem Innenminister Boris Pistorius (SPD). Man könne ein Staatsangehörigkeitsprinzip nicht alle Jahre verändern, nur weil sich die Beziehung zu einem Staat verschlechtert habe, meinte Pistorius. Der Sozialdemokrat erinnert daran, dass die doppelte Staatsbürgerschaft schließlich nicht nur für Türken gelte. Dem JU-Vorsitzenden warf er vor: "Das ist keine verlässliche Politik" und "eine Diskussion nach dem Déjà-vu-Prinzip", schließlich hätte man das neue Staatsangehörigengesetz bei den Koalitionsverhandlungen 2013 vereinbart.  

Dieser Kompromiss sei ein Fehler gewesen, entgegnete der JU-Politiker. Die doppelte Staatsbürgerschaft sei sowieso "nie unsere Grundüberzeugung" gewesen, erklärte Ziemiak.  

Die türkischstämmige Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ateş hielt in der Sendung die derzeitige Regelung für richtig, denn die doppelte Identität sei ein "ehrliches Abbild" der Lebensverhältnisse vieler Menschen. 

Zuschauer genervt vom Thema Erdogan

"Spitzelvorwürfe, Beschimpfungen, Drohungen - Gefährdet Erdoğan unseren inneren Frieden?" - so lautete der ganze Titel der Anne Will-Sendung am Sonntag. Immer wieder Erdoğan - einige Zuschauer zeigen sich genervt auf Twitter

Quelle: rosenheim24.de

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