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Feuer und Blut: Game of Thrones liefert glorreiches Finale

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Was für ein Finale für die sechste Staffel! Mit der Folge "Die Winde des Winters" schenkt Game of Thrones den Fans ein Meisterstück. Der Winter ist da! Unser Westeros-Korrespondent Christian Schernthaner zieht sich warm an. *Mit Spoiler*

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Warum nerven Game of Thrones-Fans ihre Freundeskreise mit Missionierungsversuchen? Warum verschenken sie DVD-Boxen (mit oder ohne Anlass)? Warum kann es zu Beziehungskrisen führen, wenn der Partner nicht mitschauen will? Folgen wie "Die Winde des Winters" (Drehbuch: David Benioff & D.B. Weiss, Regie: Miguel Sapochnik) sind der Grund! Wer so viel Spannung, Action und Gefühle in eine Folge packt, verdient begeisterte Fans. Die sechste Staffel hatte durchaus holprige Momente und manchmal fehlte mir der elegante Fluss der Geschichte früherer Staffeln. Jedoch (für alle, die ein großes „Aber“ erwartet haben) das Finale ist ein Meisterstück und schürt die Vorfreude auf das nächste Jahr, wenn wir wieder in die Welt von Westeros eintauchen können.

**Vorsicht! Ab jetzt enthält der Text Spoiler für Folge 10 der 6. Staffel von Game of Thrones!**

Königsmund 

Still beginnt das Finale, nur von zarter Musik begleitet bereiten sich alle in Königsmund auf den großen Prozess vor. Minutenlang fällt kein Wort und wir ahnen, dass ein blutiges Ende naht. Loras Prozess in der großen Septe ist die scheinheilige Farce, die wir erwartet haben. Aber wo ist Cersei, wo ist Tommen? Nur Margaery wird misstrauisch. Lancel folgt einem Straßenkind in die Tiefe, genauso wie der Großmaester. Beide bekommen die kleinen Messer von Qyburns Vögelchen zu spüren. Aber Lancel sieht als Erster was auf die Kathedrale und die Prozess-Besucher zukommt: Grünes Seefeuer, die Verkörperung von Cerseis Zorn, sprengt die Kirche und bringt brennendes Verderben. Neben Großmaester Pycelle und Bruder Lancel sterben der hohe Spatz, ein großer Teil der Tyrell-Familie (Margaery, Loras und Mace) und Kevan Lennister - umgeben von Hunderten, die nichts mit dem Spiel der Throne zu tun hatten.

Auf Cerseis persönliche Folter-Nonne wartet ein Schicksal schlimmer als der Tod: sie ist nun (wenn wir Cersei glauben können) für längere Zeit das Spielzeug des Frankenbergs. König Tommen ist das alles zu viel. Zu viel Tod und Zerstörung, vielleicht hat er aber auch einfach erkannt, zu was seine Mutter alles fähig ist. Bedächtig legt er die schwere Krone ab und springt in den Tod.

Bin ich überrascht von Cerseis Plan? Nein. Wir wissen, dass sie noch ein Ass im Ärmel hatte und das versteckte Seefeuer von Daenerys` verrücktem Vater wurde in der Staffel öfters erwähnt. Aber die kunstvoll gestaltete Szene ist trotzdem ungemein spannend – gerade weil wir (wie Cersei mit ihrem Glas Wein) vorhersehen was kommt. Einfach ein wundervoll komponierter Start für das Staffel-Finale.

Flusslande 

Lord Frey feiert wiedermal einen unverdienten Sieg. Jaime muss ihm dabei Gesellschaft leisten, kann aber seine Verachtung kaum zügeln, als Frey ihre Gemeinsamkeiten betont. Spät am Abend sitzt Lord Frey allein in seiner Halle. Gesellschaft leisten ihm nur die Geister der roten Hochzeit und eine Magd. Die Magd entpuppt sich als Racheengel Arya, die Frey seine eigenen Söhne zum Essen vorsetzt. Arya hat anscheinend in Braavos nicht nur das Gesichter-Tragen gelernt, sondern auch Kochen und jede Menge Kaltblütigkeit. Wie in einer antiken Sage wird der Bruch der Gastfreundschaft gerächt. Wen wird Arya wohl als nächstes besuchen?

Altsass 

Wir besuchen nur kurz Sam und seine Familie, aber was wir sehen macht Lust auf Mehr. Die umständliche Bürokratie der Maester gefällt mir und Sams Gesichtsausdruck, als er in die große Bibliothek betritt, ist ein Genuss. Die Zitadelle ist ein Ort voll Wissen und Macht. Nicht nur Buch-Leser können erahnen, dass dort Interessantes auf Sam wartet.

Im Norden 

Im Norden konfrontiert Davos endlich Melisandre und fordert ihre Hinrichtung. Dass die kleine Prinzessin auch furchtbare Eltern hatte, scheint keine gute Verteidigung zu sein. Aber Jon - vielleicht an seine eigne Auferstehung denkend – lässt Milde walten: Melisandre wird in den Süden verbannt. Davos bekommt keine Gerechtigkeit, Melisandre verlässt ihren Auserwählten und Jon verliert magische Hilfe gegen den Nachtkönig und seine Horden. Jons Entscheidung hat nur Verlierer. Wir sehen wieder mal, dass Herrschen mindestens genauso schwer ist, wie das Gewinnen von Schlachten.

Wenigstens Sansa entschuldigt sich für die Geheimniskrämerei betreffend der Ritter des grünen Tals. Ich verstehe ihre Motivation noch immer nicht ganz, aber wenn dies die Starks mehr zusammenkittet, bin ich voll dafür.

Sansa weist auch Kleinfinger in die Schranken. Natürlich will das Wiesel den Thron für sich und Sansa an seiner Seite. Aber Sansa weiß, was sie will und was sie braucht: Im konkreten Fall die Truppen des grünen Tals und nicht einen Stalker, der eine Schwäche für die Frauen ihrer Familie hat.

Jenseits der Mauer verabschiedet sich Bran von seinem halbtoten Onkel. Zombies (auch halbe) können die Mauer nicht überwinden. (Das bedeutet der Nachtkönig muss in den nächsten Staffeln einen Weg finden, die Mauer einstürzen zu lassen, oder? Das wird sicher spektakulär.) Bran hat seine neue Rolle akzeptiert und reist zurück in die Vergangenheit, zu seiner Tante und seinem Vater. Lyanna stirbt im Kindbett, aber vorher vertraut sie Ned ihren Sohn an. Wir verstehen nicht ganz, was sie flüstert, aber wir kennen das hübsche Baby…einen Augenblick später sehen wir Jons Gesicht und eine alte Fan-Theorie scheint bestätigt. In Fan-Kreisen ist die Theorie als R+L=J bekannt, eine Abkürzung für Rhaegar + Lyanna = Jon. Jon ist halb Stark und halb Targaryen, in seinen Adern fließt das Blut der Drachen und das Blut des kalten Nordens. Kurz: Jon ist das Lied von Eis und Feuer!

Nach dem Hammer wollte ich eigentlich verschnaufen, aber es ging mit Volldampf weiter: Wieder in der Gegenwart erinnert Jon alle an den wahren Krieg, Kleinfinger beobachtet ruhig, was vor sich geht. Die bezaubernde Lady Mormont beschämt die Lords des Nordens. Ironischerweise betont sie, dass es egal ist, dass Jon ein Bastard ist…und wir wissen, er ist ein echter Stark. Kurz darauf werden Schwerter in die Höhe gereckt und ein neuer König des Nordens ausgerufen. Sein Name ist Jon Schnee, möge er länger herrschen als sein Bruder.

Folge 10 ""Die Winde des Winters" begeistert Fans von Game of Thrones

Dorne 

Die Königin der Dornen hat ihr Familie verloren und sinnt auf Rache. Aber sie hat sich ihren Charakter bewahrt und wischt die Einwürfe der jungen Sandschlangen bei Seite. Besonders gefällt mir, dass sie genauso Probleme hat die Damen auseinanderzuhalten wie ich. Ich meine hier ein kleines, schuldbewusstes Zwinkern der Drehbuchautoren zu erkennen. Lady Olenna will Vergeltung, unser Lieblingseunuch kann helfen: Varys tritt auf und verspricht Feuer und Blut.

Meereen 

Daenerys macht Schluss mit ihrem Söldner-Liebhaber. Führungskräfte müssen eben oft Berufliches und Privates trennen. Sie hat mittlerweile auch gelernt, dass guter Rat teuer ist. Mit einer privaten, schönen Geste macht sie Tyrion zu ihrer Hand. Das Feuer der Targaryens kombiniert mit der Intelligenz der Lennister: Westeros kann sich auf was gefasst machen.

Das Ende des Finales 

Die Schlussnote des Finales gehört zwei Königinnen: In Königsmund akzeptiert Cersei den Verlust Tommens, sie reagiert anders als beim Tod ihrer anderen Kinder. Die Prophezeiung hat sich erfüllt, ihre Kinder sind tot. Aber dies gibt ihr auch Stärke Sie schreitet entschlossen zum eisernen Thron und ergreift die Macht. Wen interessieren Gesetzte und Erbfolge? Sie ist übrig, sie hat (derzeit) die Macht, sie trägt die Krone. Cerseis Blick sagt mehr als tausend Worte, sie hat ihre Berufung gefunden. Ihre Herausforderin macht sich derweil auf dem Weg: Daenerys lichtet die Anker, ihre große Flotte macht sich auf dem Weg nach Westeros, die Drachen über ihnen.

Erleben Sie die 6. Staffel Game of Thrones bei Sky!

Dieses großartige Finale macht das Warten bis nächstes Jahr nicht leichter. Die Serienmacher wollen die Geschichte in zwei kürzeren Staffeln zu Ende erzählen. Ob es dabei bleit (besonders in Anbetracht des globalen Erfolges) wird sich zeigen. Vermutlich (die Hoffnung stirbt bekanntlich zu Letzt) wird bis dahin auch das neue Buch von George R. R. Martin veröffentlich werden. Ob sich dann die Romane und die Fernsehserie weiter auseinanderentwickeln oder wieder näher zusammenrücken – darüber kann spekuliert werden. Trotz meiner Nörgelei hin und wieder schätze ich die Arbeit von David Benioff & D.B. Weiss ungemein. Game of Thrones ist ein Mammut-Projekt, eine Verfilmung der Romane auf diesem hohen Niveau hätte niemand erwartet. Die sechste Staffel hatte einige unrunde Momente – ich weiß aber nicht, ob es an der mangelnden Führung durch die Romane liegt…ich vermute es aber. Mich stören die Abkürzungen zum Wohle der Geschichte nicht, dann haben eben Varys und Kleinfinger Sieben-Meilen-Stiefel. Aber die Höhepunkte der Serie, die großartigen Charakter-Momente, die Szenen, die mich wirklich berühren, stammen aus der Feder von George R. R. Martin. Jedem, der nicht ein Jahr auf eine Rückkehr nach Westeros warten will, kann ich deshalb nur den Gang zum Bücherregal empfehlen.

Fragen für die Maester:

  •  Wem wird Melisandre wohl im Exil über den Weg laufen?
  • Hat noch wer erwartet, dass der Wehrbaum in Winterfell mit Brans Stimme zu sprechen beginnt?
  • Warum hat die Familie Clegane kein Glück mit ihren Gesichtern?
  • Trägt diese Folge dazu bei, dass Kinderansammlungen in Zukunft skeptischer beäugt werden?
  • Daenerys hat Tyrion, Cersei hat Qyburn. Wer wird Jons Hand?
  • Kann man für Lena Headeys Gesichtsausdruck eine eigne Fernsehpreis-Kategorie einführen?

Christian Schernthaner

Quelle: rosenheim24.de

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