VORSICHT! SPOILER IM ARTIKEL

So episch war Folge 9 der 6. Staffel Game of Thrones

+

Episch und brutal läutet Game of Thrones das Ende der sechsten Staffel ein. In der vorletzten Folge treffen sich die Bastarde zur entscheidenden Schlacht. Unser Westeros-Korrespondent Christian Schernthaner holt Luft. *Mit Spoiler*

Lesen Sie auch:

- Recap zu Folge 1

- Recap zu Folge 2

- Recap zu Folge 3

- Recap zu Folge 4

- Recap zu Folge 5

- Recap zu Folge 6

- Recap zu Folge 7

- Recap zu Folge 8

Eines vorweg: „Die Schlacht der Bastarde“ (Drehbuch: David Benioff & D.B. Weiss, Regie: Miguel Sapochnik) ist eine großartige Stunde Fernsehen. Aber (Ihr habt geahnt, dass ein „Aber“ kommt, oder?) auch die beeindruckende neunte Folge leidet unter Vorhersehbarkeit und unnötig dummen Charakteren. Was diese Staffel von Game of Thrones in meinen Augen rettet, ist wie die Geschichte erzählt wird – und leider nicht die Geschichte an sich. Wäre beides zu viel verlangt?

**Vorsicht! Ab jetzt enthält der Text Spoiler für Folge 9 der 6. Staffel von Game of Thrones!**

Meereen 

Schön, dass Tyrion auch während einer Belagerung nicht das Meereener Wirtschaftswachstum vergisst. Und er überzeugt Daenerys zu einem geschickteren Manöver, dem Treffen mit den Anführern der Sklavenhändler. Wie Drogon und seine kleineren Geschwister mit der feindlichen Flotte aufräumen ist eindrucksvoll. Große, fliegende Flammenwerfer sind militärisch gesehen natürlich ein Vorteil…genauso wie eine Horde Dothraki. Wie auch die zweite, längere Schlacht der Folge, bringt das Ende der Meereener Belagerung keine Überraschungen, aber tolle Bilder und interessante Szenen (Grauer Wurm und das alte Manöver „Einer bleibt am Leben, um die Geschichte zu erzählen“ zum Beispiel).

Folge 9 "Die Schlacht der Bastarde" begeistert Fans von Game of Thrones

Ohne Tamtam kommen etwas später die Graufreud-Geschwister zur Drachenkönigin. Asha und Daenerys als weibliche Führungskräfte verstehen sich gut und kommen schnell zu einer Einigung. Hundert Schiffe und ein Ende des Piratentums für Daenerys im Tausch für Unabhängigkeit und die Krone der Eisernen Inseln für Asha. Tyrion wirft zu Recht ein, dass unabhängige Königreiche nicht unbedingt zu einem Imperium passen…aber die Mutter der Drachen will Schiffe und zwar ohne eine politische Ehe (auch wenn Asha – der ertrunkene Gott segne sie – für alles offen ist).

Winterfell 

Was werden die Maester über die Schlacht der Bastarde bei Winterfell in ihre dicken Geschichtsbücher schreiben? Jon Schnee, ein furchtbarer Taktiker, war dümmer als angenommen und gewann weil seine traumatisierte Schwester einen heimlichen Brieffreund im grünen Tal hatte? Trotzdem ist die Rückeroberung des Stammsitzes der Starks spannend, mitreißend und eindrucksvoll. Bevor das Blutvergießen beginnt will Jon Ramsay zu einem Duell fordern – der Bolton-Sprössling steigt darauf natürlich nicht ein. Die Planungen am Abend vor der Schlacht sind auch nicht sehr ausgegoren. Sansa hat zweimal recht: Sie kennt Ramsay besser als alle anderen und Rickon ist so gut wie tot. Es sind die kleinen Momente, die dem Ganzen eine menschliche Qualität geben (wie in den großen Schlachten der letzten Staffeln auch): Davos erklärt Tormund seine nächtlichen Spaziergänge und sie reflektieren über ihre toten Könige. Apropos Davos: Ich wollte wieder ein sarkastisches „Was für ein Zufall!“ loslassen, als er den Scheiterhaufen der kleinen Prinzessin und ihr Spielzeug findet. Aber Davos, der realisiert was passiert ist, während hinter ihm die Sonne aufgeht, ist ein so starkes Bild…da vergisst man fast das Flickwerk im Drehbuch. Jon will sich derweil eine Anti-Lebensversicherung bei Melisandre holen. Die Priesterin verweist nur auf ihren mysteriösen Chef und seine unergründlichen Wege. (So unergründlich sind aber die Götter und die Drehbuchautoren leider nicht.)

Die gehäuteten, brennenden Leichen, von Ramsay schön am Schlachtfeld platziert, verheißen nichts Gutes. Ramsay hat den nicht mehr so kleinen Rickon an der Leine und die Spannung steigt. Der Sadist lässt ihn wie einen Hasen über das Feld laufen und verwendet ihn für eine sportliche Zielübung. Jon ist nicht klüger von den Toten zurückgekehrt und vergisst den Rat seiner Schwester. Er hat seine Gefühle nicht im Griff und reitet Rickon entgegen. Der junge Stark erreicht fast seinen Halbbruder, als ein Pfeil ihn durchbohrt. Und Ramsay – eindeutig ein besserer Schachspieler als Jon – hat was er will: einen Sturmangriff der zahlenmäßig unterlegenen Stark-Truppen. Danach folgt das pure Chaos eines mittelalterlichen Kampfes: Die Kavallerie der Boltons trifft auf Jons Fuß-Truppen. Pfeile regnen vom Himmel und der Sensenmann holt weit aus. Szene wie diese zeigen, was GoT zu einer besonderen Fernsehserie macht. Denkt nur an all die Stunt-Leute, die komplexe Choreographie, die Arbeit mit den Pferden, die Leistung der Schauspieler und Statisten, das Sounddesign, die Kameraarbeit und der Schnitt: Wenn alle Zahnräder ineinandergreifen schafft Game of Thrones Großartiges. Die Schlacht der Bastarde wäre sicher auch auf einer großen Kinoleinwand sehenswert.

Jon stirbt fast einen nicht sehr heldenhaften Tod unter den Stiefelsohlen der panischen Kämpfer. Aber die Klaustrophobie am Boden, die verzweifelte Hilflosigkeit, zeigt wie Krieg wirklich ist: Am Ende gibt es keine Helden und ob man überlebt oder nicht ist oft Zufall. Ein Huf-Tritt, ein verirrter Pfeil, ein Schwert-Hieb oder ein Fuß im Gesicht: Im blutigen Handgemenge hilft oft nur reines Glück. Mir gefällt auch, wie die Serie kulturelle Unterschiede darstellt: Das freie Volk sind wilde Kämpfer - aber den (zumindest anfangs) disziplinierten Soldaten haben sie nichts entgegenzusetzten. Der verstörte Blick Tormunds war wahrscheinlich auch in alten Zeiten auf manchem germanischen Gesicht zu sehen, als die römischen Legionäre und ihre Schlachtreihen auftauchten. 

Gerettet wird der Kampf und damit Winterfell in letzter Sekunde durch die Reiter von Rohan…Verzeihung, ich meine die Reiter aus dem grünen Tal. Puuhh, da haben wir nochmal Glück gehabt. So gut das filmische Handwerk ist, so enttäuscht bin ich durch so einen Patzer im Drehbuch. Kleinfinger ex machina war vorhersehbar und ist einfach nur eine faule Lösung für das Problem der Geschichte. Warum hat Sansa Jon nicht gesagt, dass sie Hilfe erwartet? Ich bin kein General, aber so eine Information könnte doch hilfreich sein, oder? Auch bei anderen Momenten fühle ich nicht so, wie GoT es will. Rickons Tod ist gut inszeniert, aber geht mir nicht nahe. Da stirbt ein Fremder. Der letzte Atemzug von WunWun, Letzter der Riesen und lebende Belagerungsmaschine, geht mir mehr ans Herz als der Tod eines der letzten Stark-Kinder. Kein gutes Zeichen für das kommende Finale und die weiteren Staffeln ohne Buch-Vorlage.

Erleben Sie die 6. Staffel Game of Thrones bei Sky!

Am Ende prügelt Jon Ramsay halb tot, Winterfell ist zurückerobert, es fällt die Flagge der Boltons und der Wolf der Starks wird gehisst. Der letzte Akt gehört Sansa und Ramsay. Sie wirft ihn – nicht im übertragenen Sinn – den Hunden zum Fraß vor. Ich gönne Sansa ihre Rache, aber wirkliche Genugtuung empfinde ich nicht. Dafür war Ramsay ein zu eindimensionaler Bösewicht. Alle Game of Thrones-Fans sollten auf jeden Fall noch mal kräftig wie Jon durchschnaufen: Nächste Woche erwartet uns ein langes Finale. Wir dürfen gespannt sein.

Fragen für die Master: 

  • Wie groß muss der Tisch für den „Furchtbare Väter-Stammtisch“ in Meereen sein? 
  • Haben sich die Sklavenhändler auf dem Weg nach Meereen je gefragt, was aus den Drachen wurde? 
  • Warum hat niemand WunWun eine Keule (= kleiner bis mittleren Baum) gegeben? 
  • Wer hätte geahnt, dass Tormund ein Mike Tyson-Fan ist? 
  • Hat noch wer bei der Schlacht an „Der Soldat James Ryan“ gedacht? 
  • Was passiert, wenn Davos Melisandre endlich zur Rede stellt? 
  • Was wurde aus Geist, Jons Schattenwolf? 
  • Ist Sansas Lächeln am Ende nicht etwas beunruhigend?

Christian Schernthaner

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: TV & Kino

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser