Wie rassistisch ist Rosenheim?

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Günter Wallraff als somalischer Einwanderer in der so genannten Enthüllungsdokumentation "Schwarz auf Weiß". Die Rosenheimer Szenen wurden laut Angaben der Betroffenen manipuliert.

Rosenheim - Kwami Ogonne, alias Enthüllungsjournalist Günter Wallraff, war in Deutschland unterwegs - auch in Rosenheim! Seine Erfahrungen als „Schwarzer“ waren verheerend - so auch in Rosenheim! Jetzt hat die ganze Sache auch noch ein juristisches Nachspiel!

Wie das Oberbayerische Volksblatt am heutigen Samstag berichtet, hat Günter Wallraff seine versteckten Aufnahmen auch in Rosenheim gemacht: im Ordnungsamt und vor der "Mojito Bar". Die Betroffenen werfen Wallraff nun vor, die Szenen bewusst manipuliert zu haben. Während sich die Stadt rechtliche Schritte vorbehält, hat der Besitzer der „Mojito Bar“ bereits Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung erstattet.

Sehen Sie hierzu:

Kino-Trailer

Wallraff in der „Maske“

Interview mit Wallraff bei cosmo TV

Filmkritiken:

br-online

spiegel-online

Offizielle Homepage:

www.schwarzaufweiss.x-verleih.de

Hier der Zeitungsartikel vom Oberbayerischen Volksblatt am Samstag, 31. Oktober:

Schwere Vorwürfe gegen Wallraff

Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff war wieder in Deutschland unterwegs, diesmal in der Rolle des Einwanderers Kwami Ogonne. Auch in Rosenheim filmte er für den Streifen "Schwarz auf Weiß" mit versteckter Kamera und stellt die Mitarbeiter von Behörden und Nachtlokalen als ausländerfeindlich hin. Die Betroffenen werfen Wallraff vor, die Szenen bewusst manipuliert zu haben.

In den Kinos der Region ist Wallraffs sogenannte Investigativ-Doku "Schwarz auf Weiß" noch nicht zu sehen, aber schon jetzt erhitzt der Film in Rosenheim die Gemüter. Vor allem die von Mitarbeitern der Rosenheimer Stadtverwaltung und des Gastwirts Georg Geiß. Die Stadt behält sich rechtliche Schritte vor, Geiß hat bereits Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Verleumdung erstattet.

Der Grund sind zwei Schlüsselszenen des Films, versteckt gedreht im Rosenheimer Ordnungsamt und vor der "Mojito Bar". Dabei habe Wallraff die Tatsachen verfälscht und verdreht, so dass ein völlig falscher Eindruck entsteht, erklären die vermeintlich ausländerfeindlichen Opfer. Dass die Masche zieht, zeigt die Filmkritik von BR online, die so beginnt: ",Afrika den Affen, Europa für Weiße!' - der Türsteher sagt in der ersten Szene knallhart, was Sache ist in Rosenheim." Bei dem Mann, der dem schwarz angemalten Wallraff den Zutritt verweigerte, handelt es sich aber nicht um den Türsteher der "Mojito Bar", sondern laut Inhaber Geiß um einen Rechtsradikalen, der in dem Lokal seit langem Lokalverbot hat.

Geiß hält allein schon für lächerlich und methodisch fragwürdig, in einer derart dilettantischen Maskerade authentische Erfahrungen als Schwarzer in Deutschland machen zu wollen. Der Gastronom erinnert sich: "Die Verkleidung hat ihm doch keiner abgenommen. Die Leute haben von einem Verrückten berichtet, der mitten im Sommer einen auf Fasching macht, das hatte mehr von Hape Kerkeling oder Viva Colonia als von Afrika."

So dreht Geiß den Spieß um. Die zahlreichen dunkelhäutigen Stammkunden und Freunde des Wirts, die in der "Mojito Bar" ein- und ausgehen, hätten Wallraffs dunkelbraun gefärbte Haut und die Kraushaarperücke durchaus als Provokation empfinden können, vermutet er.

Ein falsches Spiel hat Deutschlands bekanntester Undercover-Journalist auch im Rosenheimer Ordnungsamt getrieben, um das Klischee der ausländerfeindlichen Provinz zu bedienen - und erneut gehen ihm manche Kritiker auf den Leim. "Ganz rigoros", beschreibt BR online die Szene, "verhält sich ein Beamter in Bayern. ,Kwami' erkundigt sich zusammen mit dem schwarzen Freund ,Avad' nach der Ausstellung eines Jagdscheins. Die beiden stehen sofort unter Generalverdacht, der Staatsdiener will gar die Polizei holen."

In Wirklichkeit habe er die Männer erst zum Verlassen des Büros aufgefordert, als "Kwami Ogonne" nach einem längeren Gespräch den Geldbeutel zückte, mit Euro-Scheinen wedelte und fragte, wieviel er für den Jagdschein hinblättern müsse, beteuert der Sachgebietsleiter: "Das wirkte wie ein klarer Bestechungsversuch."

Zuvor habe Herr Ogonne auf Nachfrage keine plausible Erklärung für sein Interesse am Jagdschein geliefert, der zum Kauf von Langwaffen berechtigt. Den beiden Mitarbeitern der Stadt kam der Auftritt Wallraffs zwar "merkwürdig" vor, ausschlaggebend für den Rauswurf sei allerdings ausschließlich der Bestechungsversuch gewesen, von dem im Film nichts zu sehen ist.

Mehrere Versuche unserer Zeitung, gestern über die Filmproduktionsfirma Kontakt zu Wallraff aufzunehmen, scheiterten.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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