Stars und acht Millionen Euro Budget

"Schlechtester Film aller Zeiten" läuft bei RTL

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Die Schauspieler Christiane Paul und Hannes Jaenicke beim Dreh zum neuen RTL-Film "Helden - Wenn dein Land dich braucht"

Berlin - Das RTL-Filmspektakel "Helden - wenn dein Land dich braucht" wird am Tag der Deutschen Einheit ausgestrahlt. Er handelt nicht nur von Weltuntergang und Katastrophen, er ist anscheinend auch eine.

„Deutschland, wie wir es kennen, hat aufgehört zu existieren“, verkündet der Kanzler (Heiner Lauterbach) mit vollkommen versteinerter Miene. „Wir müssen zusammenhalten, um zu überleben.“

In der Tat steht es wohl schlimm um das gesamte Bundesgebiet und seine Menschen: Ein Nachrichtensatellit stürzt in den Berliner Reichstag und hinterlässt ein Bild der Verwüstung. Flugzeuge fallen wie Fliegen vom Himmel, die Telekommunikation und die Lieferung von Wasser, Strom und Gas brechen natürlich zusammen. Gewaltige Canyons spalten das Land.

"So schlecht kann teures Fernsehen sein"

Ursache der Katastrophe ist ein Versuch am fiktiven Kernforschungszentrum „Collider“ in Genf. Wissenschaftler wollten dort den Urknall simulieren und haben dabei ein "Schwarzes Loch" produziert, das Materie und Licht auf der Erde zu verschlingen droht.

Helden - Wenn dein Land dich braucht“ heißt der acht Millionen Euro teure Eventmovie im Auftrag von RTL, der am Tag der Deutschen Einheit um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden soll. "So schlecht kann teures Fernsehen sein", betitelt die Münchner tz ihre Kritik zum Film. Einen "Oberflop" nennt der Journalist Hans Hoff , der für das Onlinemagazin DWDL.de schreibt, den Möchtegern-Blockbuster.

Ab in die Ecke zum Schämen

Um die Rettung der Welt, wie wir sie kennen, kämpfen, unter der Regie von Hansjörg Thurn (48, „Die Wanderhure“), einige bekannte Gesichter. Neben Lauterbach sind etwa Christiane Paul, Christine Neubauer, Yvonne Catterfeld,Jannis Niewöhner, Hannes Jaenicke und Armin Rohde an den 48 Drehtagen dabei gewesen. Hans Hoff fordert angesichts der schauspielerischen Leistung im Film alle mitwirkenden Schauspieler auf, sich "mal eine ziemliche Weile in die Ecke zu stellen und sich zu schämen".

„Ich könnte nicht stolzer sein als auf diesen Film“, erklärt hingegen Produzent Stefan Raiser. Der Dreamtool-Chef begründete bei einer Pressevorführung in Hamburg seine Absichten bei dem so offenkundig an Vaterlandsliebe und Gemeinschaftsgeist appellierenden 140-Minuten-Spektakel.

Die Nationalhymne aus vollem Halse singen

 „Ich werde dieses Jahr 42 - seit meiner Schulzeit bin ich in Bezug auf Deutschland mit geducktem Kopf aufgewachsen“, sagte Raiser der Nachrichtenagentur dpa. „An Amerika habe ich dagegen immer toll gefunden, wie die Bürger sich zu ihrem Patriotismus bekennen. Ein Schlüsselerlebnis wurde für mich daher die Fußball-WM 2006, als wir Deutschen locker, friedlich und wie befreit aus vollem Halse die Nationalhymne sangen und uns eine Fahne ans Auto klemmten.“

So eine unverhohlen positive, völlig unchauvinistische Grundstimmung dem eigenen Land gegenüber und den Zusammenhalt von Menschen aller Schichten und Altersgruppen - das solle der Film vermitteln, für den ihm außerdem die Kernforschungen am realen Schweizer CERN-Institut einen Anstoß geliefert hätten.

Kein Klischee wird ausgelassen

Dabei wollen Raiser und RTL natürlich ganz nah am Puls der Zeit bleiben- und so gehören denn auch Moslems, die hier gemeinsam mit Christen in einer Turnhalle beten, zum zeitgerechten Deutschland.

Der Onlinejournalist Hans Hoff meint dazu, er habe schon viele schlechte Filme gesehen, seit einem Vierteljahrhundert schaue er beruflich fern, aber "Helden" schlage alles bisher dagewesene. "Gäbe es in Deutschland eine goldene Himbeere für den schlechtesten Film des Jahres, stünde dieses Machwerk komplett ohne Konkurrenz da", so Hoff.

Große Gefühle vom Spreewald bis zu den Alpen

Neben einer Fülle von Drehorten zwischen Spreewald und Alpenregion sowie einer an Hollywood-Blockbuster gemahnenden, mit zu viel Computer-Spezialeffekten und Stunts erzeugten Katastrophenästhetik bietet das „Helden“-Epos auch sonst überreichlich Motive für die ganz großen Gefühle:

Von eingeschlossenen Kindern, Fußballfans mit Herz auf dem rechten Fleck und einer superstarken Wissenschaftlerin bis zu Liebe, Freundschaft und Opfersinn in Zeiten der Bedrohung ist hier alles vertreten, was Identifikation stiften könnte. Und was durchaus eine sinnvolle Diskussion anregen könnte über Patriotismus und darum - wie Raiser es in Hamburg formulierte - „was wir Deutschen so alles gerissen kriegen, wenn es um etwas geht.“ Oder auch mit einem acht Millionen Euro Budget nie hinbekommen werden.

dpa

 

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