"Mehr Morde als in Chicago"

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Vertauschte Rollen bei den "Die Rosenheim Cops": Rudi Cerne ("Aktenzeichen XY ungelöst") wird von Max Müller (als Michael Mohr), Joseph Hannesschläger (Korbinian Hofer) und Igor Jeftic (Sven Hansen) festgenommen.

Rosenheim - „Da wird mehr gemordet als in Chicago“, sagt Gunter Krää, Regisseur der ZDF-Erfolgsserie „Die Rosenheim-Cops“. Kein Wunder: Am Dienstag wird die 200. Folge seit dem Serienstart 2002 ausgestrahlt.

Das bedeutet: 200 Morde in nur neun Jahren - natürlich zu viel für eine Region mit 300.000 Einwohnern. In der Realität sind es deutlich weniger. Aber um die Verbrechen geht es auch nur am Rande. Vor allem die oberbayerische Lebensart und der Reiz der schönen Landschaft sorgen dafür, dass die Serie im Schnitt vier Millionen Zuschauer hat.

"Es gabad da a Leich": Mit diesem Satz, der ins Hochdeutsche übersetzt in etwa soviel heißt wie "Eine Leiche ist gefunden worden", geht es meistens los. Möglicherweise auch am kommenden Dienstag, wenn die Jubiläumsfolge "Mord ist aller Laster Anfang" ausgestrahlt wird. Dieser Titel zeigt: Die Macher der Sendung haben ihren ganz eigenen Humor. In der Episode geht es nämlich um den Mord an der Besitzerin einer Speditionsfirma mit großem Lkw-Fuhrpark.

Humor ist das Stichwort. Denn in der Serie, die das ZDF seit 2002 im Programm hat, geht es weniger um spannende, vielleicht sogar mysteriöse Kriminalfälle als um die kleinen Geschichten hinter dem Fall, um Zwischenmenschliches und feine Zwischentöne. Da ist die Frage, wer für die Torte aufkommt, die Sekretärin Miriam Stockl (Marisa Burger) für den Kaffeeklatsch gekauft hat, mindestens ebenso wichtig wie die Frage, wer die Unternehmerin um die Ecke gebracht hat.

Stets werden am Rande der Fälle menschliche Geschichten erzählt. "Der saloppe, nonchalante Umgang der Figuren untereinander macht die Serie besonders", so Krää, der seit sechs Jahren als Regisseur dabei ist. Von Anfang an schon ermittelt Joseph Hannesschläger als kauziger, urbayerischer Hauptkommissar Korbinian Hofer in Rosenheim und im Chiemgau. Ausgerechnet zur Jubiläumsfolge aber lässt der Kommissar sich entschuldigen. TV-Ermittler Hofer hält sich im Ausland auf. Als Ersatz kommt für sechs Wochen Aushilfskommissar Florian Prantl (Andreas Giebel) aus Straubing.

Das macht den Hamburger Hauptkommissar Sven Hanssen (Igor Jeftic), der seit rund drei Jahren an der Seite Hofers ermittelt und sein Gegenbild ist (blond, schlank und aus dem Norden), zum ortskundigen Platzhirsch.

Jevtic stammt zwar aus dem nicht weit entfernten Stuttgart. In Bayern habe er aber - genau wie seine Figur - erst ankommen müssen. Jetzt mag er "das Land und die Viecher, die da rumfliegen". Auch die Komik der Serie gefällt ihm. "Der Fall wird eher so nebenbei erzählt."

"Viel Spaß und ab und zu ein bisschen Spannung", beschreibt Regisseur Krää das Konzept, das am Dienstagabend um 19.25 Uhr immer wieder Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockt. Im vergangenen Jahr lagen die Quoten nach ZDF-Angaben im Schnitt bei 4,38 Millionen Zuschauern. Das bedeutet einen Marktanteil von durchschnittlich 16,1 Prozent und ist der zweitbeste Jahreswert nach dem Startjahr 2002 mit 4,91 Millionen und einem Marktanteil von 17 Prozent. Einige Folgen haben sogar mehr als fünf Millionen Zuschauer.

Grund für den Erfolg der Serie, in der schon Franz-Xaver Kroetz, Sigi Zimmerschied, Christine Neubauer, Verona Pooth, Christian Tramitz, Django Asül, Eisi Gulp oder Erkan und Stefan mitgespielt haben, könnte auch die neue Lust an der Heimat sein. Die drückt sich heute auch in der Vielzahl von Krimis mit Lokalkolorit aus, die auf den Büchermarkt drängen und dort begeisterte Abnehmer finden. "Das ist nicht erstaunlich, das ist die logische Parallelwirkung der Globalisierung, dass man seine Wurzeln anders sieht", analysiert Krää. "Geschichten, die früher möglichst weit weg spielen mussten, siedelt man heute vielleicht lieber in der Nähe an." Die Tourismusregion Rosenheim freut es: Denn jede Folge, die Schönheiten wie den Chiemsee, den Rosenheimer Max-Josefs-Platz oder Schloss Amerang effektvoll in Szene setzt, ist für die heimischen Hotels, Vermieter und Restaurants wie ein Werbespot, den jede Woche bundesweit vier Millionen Menschen sehen.

dpa/ls-Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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