Robin Hood: Der Marxist aus dem Mittelalter

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Nimmt die Mächtigen ins Visier: Russell Crowe als Robin Hood trägt den Film souverän.

„Der König bekommt alles von uns, aber wir nichts von ihm“, so fasst der aufsässige Robin Hood das Problem des Landes zusammen, in dem er lebt und dessen Regierung er bald erbittert bekämpfen wird.

Es gehört nicht viel Fantasie dazu, diesen Satz auf die Gegenwart zu übertragen, und es ist wohl kaum Zufall, dass Ridley Scott ausgerechnet jetzt einen aufwändigen Film über diesen sagenhaften Robin Hood in die Kinos bringt. Jene historisch nicht verbürgte Nervensäge also, die dem System trotzte und den Reichen das Geld abnahm, um es den Armen zu geben. Es dürfte im Augenblick ziemlich viele geben, die sich nach so einem Helden sehnen, der sich das Geld von größenwahnsinnigen Bankern und gewissenlosen Spekulanten zurückholt.

Drehbuchautor Brian Helgeland zeichnet seinen mittelalterlichen Helden denn auch nicht als idealistischen Rebellen oder schlitzohrigen Gangster, sondern als einfachen Mann, der zu schützen versucht, was ihm gehört. Vor dem nimmersatten König und dem gierigen Klerus, die beide auf Kosten der Bevölkerung leben. Aber die hat keine Lobby und keine Macht, wenn die Steuereintreiber immer noch mehr davonschleppen. Bis eben auf jenen ehemaligen Söldner, der sich als Edelmann Robin ausgibt.

Scott und Helgeland leisten sich den Luxus, ein wenig auszuholen, um zu erklären, warum da im England des frühen 13. Jahrhunderts alles im Argen ist. Und selbst wenn das das Tempo aus dem Film nimmt, ist das ein kluger Schachzug, um alles über einen simplen Abenteuerstreifen zu erheben. Der in der „Robin-Hood-Saga“ gern verklärte Richard Löwenherz ist hier an allem schuld, weil er das Staatsvermögen in sinnlosen Kreuzzügen verbrannt hat. Nachfolger König John ist leider so inkompetent wie beratungsresistent und verführt das verfeindete Frankreich zu einer Invasion.

Wie schon bei „Gladiator“ vermengt Scott hier virtuos und vogelwild geschichtliche Fakten mit freier Spekulation und baut dabei auf Russell Crowe, der die Geschichte denn auch im Verbund mit Cate Blanchett und Max von Sydow souverän trägt. Es dauert zwar eine Weile, bis Crowe auf Touren kommt. Doch nicht nur dies ist daran schuld, dass der Film nie an den Furor von „Gladiator“ herankommt. Das Bedürfnis, ein modernes Actionmärchen und Sozialdrama zugleich sein zu wollen, bringt „Robin Hood“ immer mal wieder aus der Spur. Dabei ist Scott am stärksten, wenn er sich Actionkonventionen entwindet und offenlegt, wie Menschen von den Verhältnissen getrieben werden, anstatt sie zu kontrollieren: Scotts Lieblingsthema seit seinem Debüt „Die Duellisten“ vor 33 Jahren. „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, hätte Karl Marx gesagt, und tatsächlich wird im Epilog die kommunistische Utopie beschworen: Niemand soll mehr haben, als er braucht, und keiner soll über den anderen herrschen. Robin Hoods Gemeinschaft der Gesetzlosen wird zur Kommune umgedeutet, die sich rundweg verweigert. Scott findet das erkennbar eine gute Lösung. Wenn die gebeutelten Griechen diesen Film sehen, kommen die glatt noch auf Ideen…

Zoran Gojic

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