Mythos der Überbevölkerung

Doku "Population Boom" im Kino

Köln - Regisseur Werner Boote befasst sich in der Dokumentation "Population Boom" mit dem Mythos der Überbevölkerung - schießt aber manchmal über das Ziel hinaus.

Es ist immer gut, einen Mythos zu entlarven. Mit seiner Dokumentation „Population Boom“ hat sich der Regisseur Werner Boote genau das zum Ziel gesetzt. Seit Jahrzehnten sprechen UNO, Wissenschaftler, ökologisch angehauchte Sozialkundelehrer und Medien von einer drohenden Überbevölkerung des Planeten.

Das machte den Österreicher, der sein kritisches Potenzial bereits im Film „Plastic Planet“ unter Beweis stellte, stutzig. Ist das Schreckensszenario vom Platz- und Ressourcenmangel real oder stecken dahinter andere Absichten? Wer die Frage so stellt wie Boote, weiß insgeheim die Antwort. Der Mythos der Überbevölkerung ist alt. Der Engländer Thomas Malthus halluzinierte schon 1798 davon. Boote versucht, dessen Wahn nun als solchen zu desavouieren in teils witzigen Bildern und mit viel Subjektivität. Er reist nach China, Kenia und in die USA. In Georgia findet er einen Stein gewordenen Hinweis darauf, wie inhuman, ja faschistoid die Panik über zu viel Menschen auf dem Globus ist.

Viele Stationen seiner Reise unterstützen denn auch seine These, dass hinter dem Stichwort Überbevölkerung eigentlich eine weltweite Ungerechtigkeit in der Vergabe von Gütern steht. Manchmal allerdings schießt der Regisseur in seinem Eifer über das Ziel hinaus. Statt einfach den einen Mythos zu entlarven, baut er im selben Atemzug andere Mythen auf: den von der ewigen Gier der Reichen etwa. Und den von den glücklichen Müttern, die – egal in welcher sozialen und psychischen Lage – ein Kind immer als Bereicherung empfinden.

Kathrin Hildebrand

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