"Plötzlich war nichts mehr wie es war"

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Darstellerinnen und Produzentin sind allesamt eine ganz heiße Nummer: Monika Gruber, Gisela Schneeberger, Andrea Sixt, Rosalie Thomass und Bettina Mittendorfer (von links).

Oberaudorf - Andrea Sixt ist die Seele des Films "Eine ganz heiße Nummer". Nach ihrer Krebserkrankung schaffte die Wahl-Oberaudorferin den Sprung ins Mediengeschäft.

Es ist das Leben, das die schönsten und zugleich schrecklichsten Geschichten schreibt. Trotzdem kann noch das schlimmste Unheil - im Nachhinein betrachtet - ins Glück führen.

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"Brustkrebs" lautete die Diagnose , die Andrea Sixt mit Mitte 30 nach einer Routineuntersuchung hinzunehmen hatte. Lebenserwartung: noch ein Jahr. Wer die strahlende Frau heute, 16 Jahre nach dieser Schreckensdiagnose, sieht, kann nur vermuten, wie schwierig die Zeit gewesen sein muss.

Mit Mut zur Verantwortung ist sie der Krankheit begegnet, ist nach der Operation ihren eigenen Weg gegangen - weg von der reinen Apparate- und Chemie-Schiene, hin zu einer alternativen Medizin, die ihr tatsächlich Heilung brachte. Und sie vollzog einen kompletten Richtungswechsel in ihrem Leben: Aus der studierten Versorgungsingenieurin wurde eine erfolgreiche Drehbuchautorin und seit Kurzem mit der Atrack Film GmbH auch Produzentin.

Gerade macht die Komödie "Eine ganz heiße Nummer", für den sie nicht nur die Romanvorlage und das Drehbuch lieferte, sondern den sie auch koproduzierte, deutschlandweit Furore. Der große Erfolg des Streifens hat sie erneut darin bestärkt, nur noch das zu tun, was ihr gut tut - und er hat zudem die Liebe zu ihrer bayerischen Heimat vertieft. "Ich bin ein Fan von Oberaudorf", gesteht sie.

"Eine ganze heiße Nummer"

Schließlich nahm in Oberaudorf vieles seinen Anfang. Als junge Praktikantin plant die gebürtige Regensburgerin während ihres Studiums an der Münchener Fachhochschule die Sanitäranlagen für den Oberaudorfer Pfarrkindergarten. Wer hätte damals gedacht, dass sie durch ihren Mann Cord Troebst, Sohn des Oberaudorfer Architekten Wilke Troebst, die Liebe zu Oberaudorf entdecken wird? Am wenigsten sie selbst, standen ihr doch als frisch diplomierte FH-Ingenieurin in der Firma ihres Vaters Tür und Tor offen. Berufserfahrung sammelte sie unter anderem auch im Fürstentum Monaco, wo sie ein paar Jahre lebte.

Von dort kehrte sie in das väterliche Unternehmen nach Bayern zurück. Dort wartete "Arbeit en masse", bis nach Damaskus reichen die Aufträge der gut gehenden Firma. Doch zunehmend nagte in Andrea Sixt, der "Vorzeigetochter", wie sie sich selbst in der damaligen Lebenssituation einordnete - die Frage: "Sollte diese nüchterne Welt und dieser ständige aufreibende Kampf in der Baubranche tatsächlich mein ganzer Lebensinhalt sein?"

Ihr Nachbar, ein Dokumentarfilmer, brachte sie auf die Idee, es doch mal selbst mit dem Schreiben zu versuchen. Der Großvater schenkte ihr den ersten Laptop. Von da an wälzte sie nach der Arbeit Fachbücher, entwickelte Handlungsstränge, recherchierte Geschichten und schrieb Dialoge. Bis heute verbringt sie immer wieder einige Wochen im Jahr in Los Angeles, um von den Großen der Branche zu lernen.

"Workaholic", der erste Film, an dem sie als Drehbuchautorin beteiligt war, wurde aus dem Stand ein Kinoerfolg. Doch dem Glück folgte der Schrecken: Kurz nach den Dreharbeiten entdeckten Ärzte den Brustkrebs. Die junge Frau musste sofort operiert werden. Nachdem sie verschiedene Ärzte konsultiert hatte, entschied sie sich für die Behandlungsmethode von Dr. Pal Dragos, der eine homöopathische Privatambulanz in München führt und sich für eine ganzheitliche Krebstherapie ausspricht. Diese beruht auf drei Säulen: der Misteltherapie, einer speziellen Homöopathie, und der Psychotherapie. Dragos betont aber: "Es ist nicht ratsam, völlig auf schulmedizinische Hilfe zu verzichten."

Seine Behandlungsmethode war erfolgreich, Andrea Sixt gilt heute als geheilt. Nach dieser schicksalhaften Lebenswende eignete sich die Wahl-Oberaudorferin ein umfangreiches Wissen über die Erhaltung der Gesundheit und verschiedene Heilungsmethoden an. Sie spricht mit Schamanen, Therapeuten, Ärzten, Ernährungsspezialisten und Überlebenden. Drei Sätze hat sie sich seit dieser Zeit eingeprägt, die sie versucht zu leben: "Ich liebe was ich tue. Ich liebe wo ich bin. Und ich liebe mit wem ich bin."

Oberaudorf wurde für Andrea Sixt neben München zur zweiten Heimat, nachdem sie 1999 ihren Mann, Cord Troebst, kennenlernte. "Oberaudorf ist für uns ein Ort, an dem wir uns oft und gerne zurückziehen, um Kraft zu tanken und die wunderschöne Natur zu genießen. Auch für unsere Freunde ist ein Besuch immer ein Highlight." Und während die Autorin ihren kreativen Tätigkeiten nachgeht, führt der Mag. Europarecht Cord Troebst neben seinen Hausverwaltungen und Immobilientätigkeiten die Geschäfte der ATrack Film GmbH. "Manchmal ist er aber auch Ideengeber", schmunzelt sie, wie im Fall von "Eine ganz heiße Nummer".

Eva-Maria Gruber (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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