Mutter von Natascha Kampusch bei "XY"-Sondersendung

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Brigitta Sirny-Kampusch wird Moderator Rudi Cerne über die lange Suche nach ihrer Tochter berichten.

München - Schicksale wie das von Natascha Kampusch, Mirco oder der kleinen Britin Maddie McCann schockieren immer wieder: Das ZDF-Krimimagazin “Aktenzeichen XY... ungelöst“ widmet in einer Sondersendung dem Thema .

Natascha Kampusch, Mirco oder die kleine Britin “Maddie“ McCann - die Schicksale verschwundener Kinder schockieren immer wieder die Öffentlichkeit. Während Natascha nach acht Jahren in einem Verlies ihrem Entführer entfliehen kann, wird nach fast fünf Monaten verzweifelter Suche Mircos Leiche gefunden. Bei der im Mai 2007 an der Algarve-Küste spurlos verschwunden Madeleine standen zeitweise sogar die Eltern im Verdacht.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

“Aktenzeichen XY“ beschäftigt sich erstmals in seiner 44-jährigen Geschichte an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) in einer Spezial-Sendung mit dem Thema. Unter dem Titel “Wo ist mein Kind?“ will Rudi Cerne vier Fälle unter die Lupe nehmen und so genau wie möglich rekonstruieren. Die Popularität der Sendung solle helfen, die Suche zu intensivieren, erläutert der stellvertretende ZDF-Programmdirektor Reinhold Elschot. Nataschas Mutter Brigitta Sirny-Kampusch wird als Gast im Studio über die lange Suche nach ihrer Tochter berichten.

Natascha Kampusch war acht Jahre lang in der Gewalt ihres Entführers.

Allein in Deutschland sind laut der Initiative “Vermisste Kinder“ derzeit rund 1900 seit längerem vermisste Mädchen und Jungen registriert, einige schon seit den 90er Jahren. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren etwas gestiegen, sagt Mitbegründer Carl Bruhns. Grund sei vor allem die zunehmende Zahl von Fällen, in denen meist ein ausländischer Vater das Kind illegal mit in die Heimat nimmt. Bald bekommt die Initiative eine bundesweite kostenlose Rufnummer - unter anderem, um die Polizeiarbeit zu unterstützen.

“Wir haben andere Möglichkeiten“, sagt Bruhns. Im Fall Mirco etwa habe die Initiative 126 Plakate aufgehängt. Sie starte Suchaufrufe über Infoscreens an Bahnhöfen, nutze Internet und Facebook. “Das ist die weltweit größte Suchmannschaft, die wir da haben“, sagt Bruhns. “80 000 Menschen in Deutschland bekommen die Meldung von vermissten Kindern direkt auf das Handy.“ Die Empfänger gäben die Meldung weiter, so dass binnen Minuten Hunderttausende erreicht würden.

Bei der Polizei beginnt sofort eine umfassende Fahndung. “Man macht in solchen Fällen relativ schnell den großen Apparat mobil“, sagt der Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), Detlef Puchelt. Suchmannschaften mit Hunden und Hubschrauber mit Wärmebildkameras suchen das Gelände ab. Familie, Freunde und Schulkameraden werden befragt. “Man will einen Anhaltspunkt bekommen: Wo könnte sich das Kind aufhalten und steckt da mehr dahinter?“

Rund 50 000 Kinder in Deutschland werden laut Bruhns jährlich als vermisst gemeldet. 95 bis 98 Prozent der Fälle gehen gut aus, wie Puchelt sagt. Gründe für das Verschwinden sind Streit mit den Eltern, Schwierigkeiten in der Schule oder einfach nur Abenteuerlust - und viele kommen schnell von selbst wieder heim. “Nach drei bis fünf Tagen sind sie meist wieder zuhause“, sagt Puchelt. Nur in einem Prozent der Fälle sei ein Verbrechen geschehen. In manchen Fällen tappen die Ermittler auch nach Jahren noch im Dunkeln.

So müsste Katrin Konert aus Niedersachsen jetzt 25 Jahre alt sein. Sie verabschiedete sich am Neujahrstag 2001 von ihrem Freund, Zeugen sahen sie an der Bushaltestelle - alles schien normal. Doch Katrin kommt nie zuhause an. “Es ist, als ob sich die Erde aufgetan und Katrin verschluckt hätte“, sagte ihre ältere Schwester laut ZDF.

Auch der kleine Felix Heger ist schon fünf Jahre verschwunden. Sein getrennt lebender Vater holte ihn im Januar 2006 für ein “Papa-Wochenende“ ab. Das Auto des Vaters wird im Nordschwarzwald entdeckt, Suchmannschaften finden ein Lager mit Kleidung des Vaters und leeren Alkoholflaschen. Wochen später stoßen Spaziergänger auf die Leiche des Vaters. Felix bleibt verschwunden. Eine Spur führt bis nach Portugal - und verläuft sich. Hat der Vater seinen Sohn mit in den Tod genommen? Lebt Felix noch? Die Großeltern hoffen weiter.

Brigitta Sirny-Kampusch will den Angehörigen Mut machen. “Es gibt leider keinen Leitfaden, wie man am besten mit solch einer schlimmen Situation umgehen sollte - jeder reagiert und verhält sich anders“, sagte sie dem ZDF vorab. Aber: “Ich möchte den Angehörigen gerne einen Hoffnungsschimmer geben.“

dpa

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