Merkur-Film: „On the Road“ von Jack Kerouac

Unterwegs durch die USA und auf der Suche nach Freiheit: Schriftsteller Sal Paradise (Sam Riley, li.) und sein Freund Dean Moriarty (Garrett Hedlund).

Ende der Vierzigerjahre lernt der Schriftsteller Sal Paradise (Sam Riley) den lebenshungrigen Dean Moriarty (Garrett Hedlund) kennen. Der reißt den lethargischen Jungautor mit, und gemeinsam mit Deans Gattin Marylou (Kristen Stewart) bricht man auf gen Westen.

Die drei leben im Hier und Jetzt, was später kommen könnte, interessiert nicht. Kein Geld in der Tasche, aber den Kopf voller Ideen und Träume. Entscheidend sind nur Drogen, Sex, Poesie, Jazz, dazu die Weite der Landschaft und die Unendlichkeit ihrer Gedanken. Der „Kick“ ist es, nach dem die ungewöhnliche Reisegruppe süchtig ist, der Rausch des einen Moments, der in seiner Intensität alle bisherigen Momente auslöschen wird.

Der gleichnamige Kultroman von Jack Kerouac gilt als ultimative, bis heute unübertroffene Ode an die Freiheit der Straße. Das von Kerouac großartig eingefangene Abenteuer der absoluten Ungebundenheit, dieser Reiz des Unbekannten hat nicht nur eine Generation inspiriert. Unverfilmbar schien dieses Suchen nach dem Exzess allerdings auch. Der in seiner Sinnsuche immer neue Situationen anreißende Roman lässt sich schwerlich in eine für einen Spielfilm notwendige Dramaturgie pressen. Schon Kerouac selbst hatte zwar den Plan, sein Buch zu verfilmen. Marlon Brando sollte die Hauptrolle spielen, Kerouac selbst sein Alter Ego Sal darstellen. Doch dieses Vorhaben einer Verfilmung scheiterte – wie viele weitere. Francis Ford Coppola war an dem Stoff dran, Jean-Luc Godard oder Gus Van Sant waren interessiert.

Sieht man sich die bisherige Filmografie des brasilianischen Regisseurs Walter Salles an, hätte die Wahl für die Realisierung des Projekts auf kaum einen Besseren fallen können: Mit seinem erfolgreichen „Die Reisen des jungen Che“ empfahl sich Salles als Experte für innovativ umgesetzte, unaufgeregt-lässige Road Movies. Salles und sein Drehbuchautor José Rivera haben die vielen Episoden und das üppige Personal des Romans energisch verschlankt auf wenige Touren und eine Handvoll Figuren. In dem Bemühen um ein Höchstmaß an Authentizität kombiniert Salles die Figur des Dean Moriarty mit dessen realem Vorbild Neal Cassidy und gestaltet auch dessen tatsächliche Affäre mit Allen Ginsberg deutlicher aus als die Buchvorlage.

Doch die von Jack Kerouac durchgehend betonte und von Salles immer brav zur Schau gestellte Ziellosigkeit der Personen wird dem Film schließlich zum Verhängnis: Die Aufnahmen der Landschaften sind wunderschön, aber ihrer Inhaltsleere wegen bald so einschläfernd wie Urlaubsfotos von Fremden.

In seinen besseren Momenten umweht diese schön aufgemachte Hochglanz-Adaption ein zarter Hauch von Anarchie und Beatnik-Geist. Besonders Kristen Stewart als flirrend-irritierender Marylou gelingt es, den Esprit der damaligen Epoche zu vermitteln. Die längste Zeit über verhalten sich die jungen Leute aber wie gut erzogene Touristen auf der Suche nach dem, was sich der kleine Fritz als wildes, rebellisches Leben in der großen weiten Welt vorstellt.

„On the Road – Unterwegs“ mit Sam Riley, Kristen Stewart, Garrett Hedlund

Regie: Walter Salles

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Central Station“ und „Die Reisen des jungen Che“ mochten.

Ulrike Frick

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